London. Bestürzung hat im britischen Gewerkschaftslager der Beschluss von 800 British-Airways-Beschäftigten ausgelöst, für einige Wochen ohne Lohn zu arbeiten - ohne dafür irgendeinen Ausgleich, wie Arbeitsplatz-Garantien oder Aktienanteile, auszuhandeln.
BA-Generaldirektor Willie Walsh, der selbst im Juli auf sein Gehalt verzichten will, lobte die opferbereiten Angestellten für ihre "phantastische" Loyalität zum Unternehmen. Die BA-Gewerkschaften beschuldigten Walsh, den Lohnverzicht mit "Drohungen und Einschüchterung" erzwungen zu haben.
Einen "freiwilligen" Lohnverzicht zugunsten der schwer angeschlagenen Fluggesellschaft hatte Walsh den insgesamt 40 000 BA-Mitarbeitern Anfang voriger Woche nahe gelegt. Rund 7000 folgten dem Aufruf, die meisten mittels Übergang zu Teilzeitarbeit, weiterer Verminderung ihrer Teilzeit oder unbezahltem Urlaub.
Mehr Arbeiter, als das BA-Management erwartet hatte, nämlich rund 800, erklärten sich aber auch bereit, für ein bis vier Wochen ganz ohne Lohn zu arbeiten. Ihre Sozialleistungen sollen ihnen für diese Zeit erhalten bleiben, Gegenleistungen erhalten sie aber nicht.
Belegschaft unter Druck gesetzt
Während ihr Opfer von BA "dankend" entgegen genommen wurde, bedeutet dies der Geschäftsleitung zufolge nicht, dass die Gratisarbeiter künftig "bevorzugt behandelt würden - im Falle noch notwendig werdender Entlassungen also verschont blieben.
Der liberale Londoner Guardian fand es denn auch "bemerkenswert", dass die Betreffenden "einen kleinen Teil ihres eigenen Besitzstandes in die Taschen der Aktionäre übertragen" hätten. Die Gewerkschaft Unite, die 28.000 der 40.000 BA-Angestellten vertritt, warf der Geschäftsleitung vor, die Belegschaft "unter Druck gesetzt" zu haben. Den Leuten sei per E-Mail angedroht worden, dass sie zu einem Gespräch ins Personalbüro gerufen würden, wenn sie nicht einer der Lohnkürzungs-Varianten zustimmen würden.
BA dementiert einen solchen Vorwurf nachdrücklich. Im Urteil der Fluggesellschaft haben deren Mitarbeiter schlicht eingesehen, dass sie das Unternehmen stützen müssten, nachdem es im Vorjahr 400 Millionen Pfund Verluste einflog und sich auch für dieses Jahr schwere Einbrüche abzeichnen. Im Anschluss auf Willie Walshs Ankündigung, für einen Monat auf sein Gehalt zu verzichten, war BA auf die Idee gekommen, dass dies auch die einfachen Angestellten tun könnten.
Die Unite-Gewerkschaft hatte mit der Bemerkung reagiert, dass jemand mit einem Jahreseinkommen von 743.000 Pfund (870.000 Euro) sich einen solchen Verzicht ja wohl eher leisten könne als normale BA-Angestellte mit Durchschnittseinkommen von 13.000 bis 18.000 Pfund im Jahr (15.000 bis 21.000 Euro).
Finanzexperten in London bezweifelten gestern auch, dass der Lohnverzicht viel zur Sanierung von British Airways beitragen wird. Die 10 Millionen Pfund, die der jetzt erwirkte Lohnverzicht dem Unternehmen spart, sei "leider keine sehr große Summe", meint Arbuthnot-Securities-Analyst Gerald Khoo. Der Betrag entspricht 0,5 Prozent des totalen Lohn- und Gehaltsbudgets bei BA.
Die Firma will darum ihren Mitarbeitern weiter "Gelegenheit" geben, sich am Projekt Lohnverzicht zu beteiligen. In einem separaten Deal mit seinen 3200 Piloten hat BA kürzlich schon jährliche Einsparungen in Höhe von 26 Millionen Pfund durchgedrückt. Die Hälfte dieser Summe soll den Piloten in drei Jahren allerdings zum Ausgleich in BA-Aktien ausgezahlt werden.
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