Nimmt man die jüngsten, wenig erfreulichen Wachstumszahlen des Statistischen Bundesamts von der sportlichen Seite, so lässt sich sagen, die deutsche Volkswirtschaft hat im Herbst 2008 eine schwere Niederlage erlitten.
Die Wirtschaftsleistung Deutschlands, also die Summe aller im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen, schrumpfte vom Sommer (drittes Quartal) zum Herbst (viertes Quartal) um 2,1 Prozent. Im kurzfristigen Vergleich stellt das einen Negativrekord seit der Vereinigung dar.
Auch im Vergleich zum Vorjahr fällt das Ergebnis negativ aus: um 1,6 Prozent ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zurück. In den ersten neun Monaten 2008 war die Wirtschaft noch mit einer Jahresrate von durchschnittlich 2,3 Prozent gewachsen.
Zwar spielten im vergangenen Jahr so viele Spieler in der Arbeitsmarkt-Mannschaft mit wie noch nie - das BIP wurde zuletzt von 40,8 Millionen Erwerbstätigen erbracht, ein Prozent mehr als im Jahr davor - bislang der höchste Stand.
Doch gingen die Hauptakteure auf dem Spielfeld - Investoren, Exporteure, Konsumenten und Staat - deutlich in die Defensive. Insbesondere die Anlageinvestitionen und der Außenbeitrag stellten der Konjunktur ein Bein.
Zudem füllten unverkaufte Waren zunehmend die Lager. Der negative Außenbeitrag bedeutet, dass die Exporte stärker gesunken sind als die Importe.
Insgesamt 3,26 Millionen Arbeitslose saßen im Schnitt des vergangenen Jahres auf der beruflichen Reservebank. Im Februar dürfte die Zahl weiter deutlich steigen, erwarten Fachleute. In der internationalen Tabelle der größten Volkswirtschaften geht die Bronzemedaille erstmals an die Volksrepublik China.
Bei einem nominalen Bruttoinlandsprodukt 2008 von rund 25 Billionen Yuan (plus neun Prozent) ergibt sich umgerechnet zum gestrigen Wechselkurs (ein Euro gleich 8,77 Yuan) ein Wert von 2850 Milliarden Euro. Demgegenüber brachte es Deutschland "nur" auf 2491 Milliarden Euro.
An der Tabellenspitze liegen nach wie vor die USA, die etwa das vierfache Gewicht Deutschlands auf die Waage bringt, sowie Japan. Letzter in der 181 Staaten umfassenden Tabelle ist der Inselstaat Kiribati. Pro Kopf gerechnet sieht die Tabelle allerdings völlig anders aus.
Derweil geht die politische Diskussion über erlaubtes oder unerlaubtes Doping der Konjunktur weiter. Die Bundesregierung wird sich nach den Worten von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) international strikt gegen protektionistische Konjunkturspritzen zur Wehr setzen.
"Ich glaube, dass insbesondere Deutschland ein massives Interesse daran hat, sich in den anstehenden internationalen Treffen dafür einzusetzen, dass die Welt nicht denselben Fehler macht, wie sie ihn 1930 gemacht hat", sagte Steinbrück im Bundestag in der Debatte zum Konjunkturpaket II.
Ein Überbietungswettbewerb, bei dem Subventionen und Einfuhrhürden zunehmen, wäre sozusagen die Folge eines nationalen Dopings der Wirtschaft durch Finanzspritzen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet nicht mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft. Eine Befragung von Experten ergab, dass die Konjunktur im Euroraum auch im weiteren Jahresverlauf schwach bleiben wird, heißt es im Monatsbericht der EZB für Februar.
Auch in der Eurozone ist die Wirtschaft im vierten Quartal 2008 stärker als erwartet geschrumpft. Das BIP sei im Vergleich zum Vorquartal um 1,5 Prozent gesunken, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Volkswirte hatten ein Minus von 1,2 Prozent erwartet.
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