Wie geht es weiter beim angeschlagenen Autobauer Opel? Für die Beschäftigten geht die Zitterpartie in die letzte Runde. Wirtschaftsminister Brüderle lehnt den Antrag auf Staatshilfe ab. Doch die Kanzlerin mahnt, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Von Frank-Thomas Wenzel
Brüderle lehnt Staatshilfen für Opel ab.
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Brüderle lehnt Staatshilfen für Opel ab.
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Auch der sogenannte Tag der Entscheidung hat seine eigene Dramaturgie: Morgens kurz nach acht Uhr spricht Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im Frühstücksfernsehen viel von "ordnungsgemäßen Verfahren", lässt aber unverkennbar durchblicken, dass er keine Hilfe für Opel gewähren will.
Erst neun Stunden später ist definitiv klar, dass er Nein sagt. Der Antrag auf eine Staatsbürgschaft über 1,1 Milliarden Euro für den Rüsselsheimer Autobauer ist abgelehnt.
Doch schon folgt die Fortsetzung. Kanzlerin Merkel sagte am Abend, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Sie hat die Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten (Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Nordrhein-Westfalen) zu einem Spitzentreffen eingeladen, um doch noch Hilfe für den Autobauer zu organisieren.
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Autobauer Opel hofft auf finanzielle Unterstützung.
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Autobauer Opel hofft auf finanzielle Unterstützung.
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Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat sie schon auf Ihrer Seite. "Ich bedaure die Entscheidung sehr. Ich halte sie auch in der Sache nicht für richtig", sagte Koch am Mittwoch in Berlin. Es gehe darum, was mit den Mitarbeitern geschehe. Man könne "nicht einfach zusehen", was sich dort entwickle. Dem europäischen Unternehmen "geht's gar nicht gut", das amerikanische lebe im Wesentlichen von Staatsgeld. Koch forderte, zu prüfen, ob in Europa US-Mittel eingesetzt werden könnten, wenn in Amerika kein europäisches Staatsgeld verwendet werden könne.
Das Opel-Drama, das vor anderthalb Jahren begann, nimmt kein Ende. Es ist zu einem Machtkampf zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Wirtschaftsminister von der FDP mutiert.
Opels verlorener Kampf um die Freiheit
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Opels verlorener Kampf um die Freiheit
Im November 2008 ruft Opel nach einem Absatzeinbruch und massiven Verlusten als erster deutscher Autohersteller nach dem Staat. Es geht um eine Bürgschaft über "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
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17. Februar 2009: GM will 47.000 Stellen streichen, davon 26.000 außerhalb der USA.
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27. Februar 2009: Opel will sich weitgehend von GM abkoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital für ein neues europäisches Unternehmen Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.
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2. März 2009: Der Rettungsplan wird der Bundesregierung vorgelegt.
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16.-18. März 2009: Gespräche von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den USA bleiben ohne konkrete Ergebnisse.
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30. März 2009: US-Präsident Barack Obama stellt GM ein Ultimatum von 60 Tagen für ein tragfähiges Sanierungskonzept.
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31. März 2009: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellt in Rüsselsheim staatliche Unterstützung in Aussicht. Einen direkten Staatseinstieg lehnt sie aber erneut ab.
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23. April 2009: Der italienische Fiat-Konzern zeigt Interesse an Opel und stößt auf Gegenwind vom Betriebsrat.
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28. April 2009: Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna legt ein erstes "Grobkonzept" für Opel vor.
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14. Mai 2009: Die Bundesregierung will Opel über ein Treuhandmodell mehr Zeit für Verhandlungen mit Investoren geben.
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19. Mai 2009: Vertreter von Bundesregierung, Ländern und Banken einigen sich auf eine Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro für Opel .
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27. Mai 2009: GM kündigt an, sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Opel rechtlich abzuspalten.
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27./28. Mai 2009: Eine Spitzenrunde im Kanzleramt scheitert zunächst. GM meldet einen zusätzlichen Finanzbedarf von 300 Millionen Euro an.
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29. Mai 2009: Kurz vor einem neuen Krisentreffen in Berlin sagt Fiat seine Teilnahme ab. Der belgische Investor RHJI scheint aus dem Rennen, der chinesische Autobauer BAIC legte kein detailliertes Angebot vor, so bleibt vorerst nur Magna im Spiel. Der Staat müsste für mindestens 4,5 Milliarden Euro bürgen.
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30. Mai 2009: Bund, Länder, GM, Magna und das US-Finanzministerium einigen sich auf ein Rettungskonzept. Der Weg für den 1,5-Milliarden-Euro-Überbrückungskredit und das lange umstrittene Treuhandmodell ist frei. Opel soll aus dem GM-Verbund herausgelöst werden. Magna will die vier deutschen Opel -Standorte erhalten. Eine Absichtserklärung wird unterzeichnet. Das Papier ist nicht bindend.
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1. Juni 2009: GM reicht in New York einen Antrag auf Insolvenz mit Gläubigerschutz ein. Die Liquidität Opels ist durch das Rettungspaket gesichert.
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10. Juli 2009: GM fährt zum Neustart aus der Insolvenz, mehrheitlich ist der US-Autobauer nun in Staatsbesitz. Zur Sanierung fließen weit mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd. Euro) an Steuergeldern. (Archivbild, GM-Zentrale in Detroit, 1996)
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15. Juli 2009: RHJI stellt in Berlin ein verbessertes Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel -Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer weniger Arbeitsplätze abbauen und Opel klarer vom früheren Mutterkonzern trennen will. Magna plant Staatsgarantien von 4,5 Milliarden Euro ein, RHJI zwischen 3 und 3,8 Milliarden Euro.
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22. Juli 2009: BAIC scheidet praktisch aus dem Rennen aus.
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31. Juli 2009: Der Opel -Absatz boomt in Deutschland dank der Abwrackprämie. Von Januar bis Juli werden rund 219.000 Opel-Fahrzeuge zugelassen, ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.
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6. August 2009: GM hält an RHJI als bevorzugtem Käufer fest. GM-Verhandlungsführer John Smith nennt das RHJI-Konzept das "einfachere".
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7. August 2009: GM-Chef Fritz Henderson und Magna-Chef Siegfried Wolf (Bild) klären die noch offenen Fragen. Der GM-Verwaltungsrat kann sich nicht auf eine Empfehlung für einen der beiden Bieter einigen.
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19. August 2009: Bund und Länder drücken aufs Tempo und wollen den Kredit für Opel von 4,5 Milliarden Euro ohne die anderen Opel-Staaten vorstrecken, wenn GM sich für Magna entscheidet.
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10. September: GM gibt bekannt, dass der Verwaltungsrat einen Verkauf von Opel an Magna empfiehlt. Die Treuhand genehmigt das Geschäft.
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14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25 000 Stellen wegfallen werden. Die EU-Kommission kündigt eine "sehr sorgfältige" Prüfung der Beihilfen an. Belgien ist aufgebracht, weil der Standort Antwerpen gefährdet ist. Widerstand kommt auch aus Großbritannien und Spanien.
bis zu 500 Millionen Euro unterstützen. Der Betriebsrat fordert für den Lohnverzicht eine Unternehmensbeteiligung von zehn Prozent und Mitspracherechte für die Beschäftigten. Eine Einigung ist
Voraussetzung für den Kaufvertrag.
13. Oktober: Die spanische Regierung sieht Fortschritte in den Verhandlungen mit Magna. Der Zulieferer habe einen Vorschlag vorgelegt, der langfristig die Zukunft des Opel-Werks nahe Saragossa garantiere.
15. Oktober: Der Opel-Übernahmevertrag soll unter Dach und Fach gebracht werden. Um letzte Unwägbarkeiten zu beseitigen, wird die Unterzeichnung
jedoch noch ausgesetzt.
16. Oktober: In einem Brief an Wir
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30. September: Die europäischen Opel-Händler wollen den Neustart mit bis zu 500 Millionen Euro unterstützen. Der Betriebsrat fordert für den Lohnverzicht eine Unternehmensbeteiligung von zehn Prozent und Mitspracherechte für die Beschäftigten. Eine Einigung ist
Voraussetzung für den Kaufvertrag.
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13. Oktober: Die spanische Regierung sieht Fortschritte in den Verhandlungen mit Magna. Der Zulieferer habe einen Vorschlag vorgelegt, der langfristig die Zukunft des Opel-Werks nahe Saragossa garantiere.
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15. Oktober: Der Opel-Übernahmevertrag soll unter Dach und Fach gebracht werden. Um letzte Unwägbarkeiten zu beseitigen, wird die Unterzeichnung jedoch noch ausgesetzt.
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16. Oktober: In einem Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußert EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes (Bild) schwere Bedenken gegen die von der Bundesregierung
versprochenen 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen. GM sollte schriftlich versichern, sich aus ökonomischen Gründen für Magna entschieden und nicht auf Druck der Bundesregierung gehandelt zu haben.
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3. November: Kurz vor Beginn der GM-Verwaltungsratssitzung, bei der über Opel befunden wird, legen die europäischen Arbeitnehmervertreter
ihren angekündigten Beitrag zur Sanierung von New Opel vor. Im Bild Betriebsratschef Franz.
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3. November:Der erwünschte Erfolg bleibt jedoch aus. GM will Opel behalten, verkündet Vorstandsvorsitzender Fritz Henderson.
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GM verkauft Opel doch nicht. Damit geht ein einjähriger Kampf zu Ende. Ein Blick zurück.
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Brüderle hat einerseits "Zweifel an der Tragfähigkeit es Opel-Konzepts" (europaweit sollen 10000 Stellen gestrichen werden), andererseits sieht er die Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen, und zudem verfüge die Mutter GM über ausreichende Mittel. Viele Experten sehen das ähnlich, seit Opel-Mutter General Motors Mitte Mai die Zwischenbilanz für das erste Quartal vorlegte. Nach Verstaatlichung und Entschuldung schreibt der Autobauer wieder Gewinne, 865 Millionen Dollar waren es in den drei Monaten.
Seither wächst die Zahl der Gegner einer Staatsbürgschaft. Vor allem der Betriebsrat und die IG Metall halten dagegen.
Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nennt das Nein beschämend. Der Minister lasse die Beschäftigten im Regen stehen. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter befürchten nun, dass auch die anderen europäischen Staaten mit Opel-Fabriken ihre Hilfszusagen über fast 800 Millionen Euro zurückziehen, und dass GM eine härtere Gangart einschlägt, bis hin zu Werkschließungen Fabriken, Eisenach und Bochum gelten als bedroht.
Für Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive der FH Bergisch-Gladbach, ist der Fall Opel hingegen inzwischen eine "ganz normale Restrukturierung" eines Unternehmens, das Gewinne macht. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Car-Center der Universität Duisburg-Essen, sieht gar keinen Zusammenhang zwischen Staatsbürgschaft und Werkschließungen. Die Schließung eines Standortes sei mit "sehr hohen Kosten" verbunden, die GM derzeit nicht aufbringen werde, so Dudenhöffer. Zudem laufe der Konzern Gefahr, in Produktionsengpässe zu geraten. Erstens soll das Werk in Antwerpen geschlossen werden. Zweitens sind die vier deutschen Standorte in einem Produktionsverbund verknüpft. Und drittens rechnet der Automobilwissenschaftler damit, dass die Produktion auch bei Opel vielleicht schon Ende dieses Jahres, aber spätestens 2011 hochgefahren wird, weil die Autokonjunktur in Europa wieder anspringt.
Warum dann all die Aufregung? Opel will nach Einschätzung von Branchenkennern eigentlich nur eins: möglichst günstige Konditionen für eine Sanierung herausschlagen. Mit einer Bürgschaft von Bund und Ländern im Rücken, gibt es für Kredite über die 1,1 Milliarden Euro günstigere Konditionen. Insider sprechen bei einer Laufzeit von fünf oder sechs Jahren von einer Ersparnis in Höhe von 200 bis 300 Millionen Euro. Günstige Darlehen: Das ist natürlich auch im Interesse des Betriebsrats. Und der hat es wohl vor allem mit der Warnung vor Werkschließungen geschafft, die Regierungen der Opel-Länder hinter sich zu bringen.
IG Metall und Opel-Betriebsrat argumentieren öffentlich aber anders. Deren Lesart: Opel nebst der britischen Schwester Vauxhall bekomme als GM-Tochter keine Kredite. Und der US-Staat als Mehrheitsaktionär von General Motors sei nicht bereit, mit zusätzlichem Geld Jobs in Europa zu retten. Der verstaatlichte Riese will schon 1,9 Milliarden Euro für die Opel-Sanierung bereitstellen.
Soll die deutsche Politik dem angeschlagenen Autobauer und damit indirekt seiner Mutter trotz allem unter die Arme greifen? Heute wird im Kanzleramt über staatliche Hilfe durch die Hintertür verhandelt. Das könnte so aussehen, dass sich Opel einen Teil der 1,1 Milliarden mit Hilfe der Europäischen Investitionsbank (EIB) beschafft, die schon jetzt viele Innovationsprojekte von Autobauern mit hunderten Millionen unterstützt. Doch die EIB finanziert Vorhaben nie vollständig. "Es muss noch eine Finanzierungslücke geschlossen werden", heißt es. Dafür könnten die Landesregierungen geradestehen. Franz jedenfalls setzt jetzt auf die Opel-Länder.
Der Betriebsrat freue sich , dass die Landesregierungen zu ihrem Wort stünden "und Opel die zugesagte Unterstützung leisten wollen" . Darauf könne man aufbauen , um den fehlenden Betrag für Investitionen "auf den internationalen Kapitalmärkten zu beschaffen."
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