Das Verhältnis zwischen Bundesbank-Präsident Axel Weber und dem wegen abwertender Ausländer-Äußerungen in die Kritik geratenen Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin ist offenbar endgültig zerrüttet.
Nach Informationen des Handelsblatts ist die Kommunikation zwischen den beiden Spitzenvertretern der Zentralbank nach den umstrittenen Äußerungen Sarrazins nahezu eingestellt.
Sarrazin hatte mit einem Interview in der Zeitschrift Lettre International für Empörung gesorgt. In dem fünfseitigen Interview sagte das SPD-Mitglied unter anderem, eine große Zahl von Arabern und Türken in Berlin habe keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es werde sich auch vermutlich auch keine Perspektive entwickeln. "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert." Die Lösung des Problems könne nur heißen: kein Zuzug mehr.
Von dem Interview habe Bundesbank-Präsident Weber erst durch die eigene Presseabteilung erfahren, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Bundesbank-Kreise. Dort betont man, dass Sarrazin das Interview mit der Zeitschrift "Lettre International" zwar über die Pressestelle abgewickelt, Bundesbank-Chef Weber darüber aber nicht informiert habe.
Weber, der den Text als inakzeptabel eingestuft habe, habe seinen Kommunikationschef eingeschaltet, um Sarrazin von der Veröffentlichung abzuhalten. Sarrazin habe dies ignoriert, das Interview eigenhändig freigegeben und damit den Eklat ausgelöst. Weber hatte Sarrazin zuletzt seinen Rücktritt nahegelegt. Sarrazin war Anfang Mai nach siebenjähriger Senats-Zugehörigkeit von Berlin in die Bundesbank-Zentrale nach Frankfurt am Main gewechselt. (dpa)
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