Die Bundesnetzagentur hat die Preispolitik der Stromanbieter in Deutschland kritisiert. "Wir haben Zweifel, ob die gestiegenen Beschaffungspreise der Grund für höhere Preise sein können", sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, am Dienstag bei der Vorlage des Jahresberichtes. Die Netzentgelte gehen zurück und die staatlichen Abgaben sind gleichgeblieben.
Viele Unternehmen begründen die Aufschläge unter anderem mit den gestiegenen Beschaffungskosten, obwohl die Preise an der Strombörse stark gefallen sind. Kurth riet den Verbrauchern, gegebenenfalls den Versorger zu wechseln. Nach wie vor könnten so mehr als 100 Euro im Jahr gespart werden. Nach Berechnungen des Internetportals Toptarif.de haben in diesem Jahr mehr als ein Drittel aller rund 900 Stromversorger ihre Preise im Schnitt um sechs Prozent angehoben oder höhere Tarife für die kommenden Wochen avisiert.
Kurth machte sich auch für flexiblere Tarife stark, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Die Tarife müssten von der Uhrzeit oder von Angebot und Nachfrage abhängen. Damit will der Behördenchef einem wichtigen Problem etwa von Sonnen- und Windenergie begegnen: Scheint die Sonne und bläst der Wind stark, ist deutlich mehr Energie verfügbar als bei Wolken und Flaute. Hinzu kommt, dass abends und nachts deutlich weniger Elektrizität verbraucht wird als tagsüber.
Kurth erklärte, es sei ein "umfassendes Energiemanagement" erforderlich - das alle von der Stromproduktion bis zum Verbraucher einbeziehe. Vorantreiben will er dafür vor allem sogenannte intelligente Stromzähler und intelligente Netze, die etwa erkennen, wann besonders viel Strom zur Verfügung steht. Möglich seien "erhebliche Rabatte" für Privatkunden, wenn diese ihren Stromverbrauch an der Verfügbarkeit von Ökostrom ausrichten, so Kurth in der Rheinischen Post. Zudem sollen die Haushalte zu Spitzenzeiten auf Strom verzichten, damit die Erzeuger nicht teure Kapazitäten vorhalten müssen. Belohnt werden könnten dann Verbraucher, wenn sie ihre Waschmaschine abends statt tagsüber laufen lassen. (dpa/afp)
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.