Peak Oil war lange fast ausschließlich ein Thema für kauzige Hobby-Wissenschaftler, die sich in Online-Foren zusammenfanden. Zu abwegig schien die Vorstellung, dass die Erdölförderung weltweit schon bald einen Höhepunkt (englisch „Peak“) erreichen könnte und dann stark sinkt. Seit den Rekordpreisen von 2008 hat sich das geändert: Weltweit untersuchen renommierte Institute solche Szenarien. Alarm schlägt nun auch die Bundeswehr.
In der vorläufigen Fassung einer Studie, die der Frankfurter Rundschau durch den unabhängigen Branchendienst Energy Comment zugeleitet wurde, hat das Zentrum für Transformation der Bundeswehr die Auswirkungen von Peak Oil untersucht. Aus der Auswertung ihrer Quellen schließt das Militär, dass es möglicherweise schon dieses Jahr zum globalen Peak Oil kommen könnte. Leicht erreichbare Ölquellen versiegen, die Preise steigen dann immer stärker, weil die Nachfrage angesichts des Aufstiegs der Schwellenländer wächst.
Darauf deuten schon jetzt die schnell sinkenden Förderraten von älteren Feldern hin, insbesondere in der Nordsee und in Mexiko. Viele Wissenschaftler erwarten ein Fördermaximum aber erst in den nächsten 20 Jahren.
Wirtschaft bricht zusammen
Die Folgen haben es laut Bundeswehr in jedem Fall in sich. Öl lasse sich in den kommenden Jahren kaum schnell genug durch Alternativen ersetzen, weder durch erneuerbare Quellen noch durch Kernkraft oder Gas. Zunächst sei eine Mobilitätskrise die Folge, die alle damit zusammenhängenden Sektoren in einen Abschwung dränge. Zur Bewältigung werde massenhaft auf Biosprit gesetzt. Das wiederum gefährde die Nahrungsmittelsicherheit. Das Komplettversagen ganzer Märkte werde durch Ölknappheit möglich, der Weltwirtschaft drohten dann chaotische Zustände: „Mittelfristig bricht das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen.“
Damit des Horrorszenarios nicht genug: Sogar die Zukunft der EU und der Nato sei gefährdet, weil auf die Wirtschaftskrise ein enormer politischer Vertrauensverlust folge.
Immerhin liefert die Bundeswehr einen Vorschlag, wie sich die deutsche Sicherheitspolitik entwickeln muss, damit es nicht ganz so schlimm kommt. Der seit Jahrzehnten offene Ölmarkt werde sich wieder stärker in Richtung bilateraler Geschäfte entwickeln – Schwellenländer, vor allem China, seien Vorreiter bei dieser Entwicklung. Tatsächlich mischt China immer eifriger bei Rohstoffbeteiligungen in Afrika und Lateinamerika mit. Deutschland solle sich besonders darum bemühen, Russland als Hauptöllieferanten enger an sich zu binden. Und Europa insgesamt müsse sich stärker um Förderländer im Nahen Osten bemühen – trotz einer Belastung für das Verhältnis zu Israel.
Damit betrachtet die Bundeswehr die drohende Ölknappheit als Nullsummenspiel. EnergyComment-Chef Steffen Bukold weist dagegen zurecht darauf hin, dass „wir im 21. Jahrhundert alle in einem Boot sitzen“. Denn den Auswirkungen einer globalen Ölknappheit kann sich angesichts der eng verflochtenen Weltwirtschaft keiner entziehen. China nützt es nichts, Öl relativ günstig und sicher beziehen zu können, wenn gleichzeitig die Warenabsatzmärkte in Europa und den USA zusammenbrechen. Denn mit geeinten Kräften kann wirkungsvoller an den (von der Bundeswehr pessimistisch beurteilten) Auswegen gearbeitet werden: Mehr Flexibilität, Energieeinsparungen und massive Investitionen in Erneuerbare können die eine Ölkrise noch entschärfen.
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