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21. Mai 2013

Burger King: „Der haut alles kurz und klein“

 Von 
Burger King betreibt mehr als 600 Filialen in Deutschland.  Foto: REUTERS

Viele deutsche Burger-King-Restaurants haben einen neuen Besitzer. Dass der sich über geltendes Arbeitsrecht hinwegsetzen will, empört nicht nur Beschäftigte und Gewerkschafter. Auch der Mutterkonzern fürchtet ums Ansehen seiner Marke.

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Die Fast-Food-Kette Burger King wirbt derzeit mit dem Slogan: Nur ein gegrillter Burger ist ein guter Burger. Im übertragenen Sinne gegrillt werden derzeit offenbar die Rechte von 3 000 Mitarbeitern der Burger King GmbH, die Anfang des Monats von der Yi-Ko Holding GmbH übernommen wurde. Hinter dem fernöstlich anmutenden Firmennamen verbergen sich der türkischstämmige Ergün Yildiz aus Stade sowie der Russe Alexander Kobolov, der in seiner Heimat ein Netz von Burger-King-Filialen aufgebaut hat.

Die neuen Herren, nunmehr auch Franchisenehmer für 91 der bundesweit 677 Burger-King-Filialen, hätten mit dem hiesigen Betriebsverfassungsgesetz und höchstrichterlicher Rechtsprechung nichts im Sinn, berichten Mitarbeiter. „Yildiz droht jedem, der seinen Anweisungen nicht widerspruchslos folgt“, beschreibt ein hochrangiger Mitarbeiter des Unternehmens den Führungsstil.

Wobei sich das Duo offenbar auf eine Arbeitsteilung verständigt hat: Yildiz kümmert sich ums Alltagsgeschäft, Kobolov sorgt für die Finanzierung der Übernahme. Gleiches gilt für die dem Mutterkonzern fest zugesagte Renovierung von mehr als 50 Filialen binnen 18 Monaten und die – ebenfalls vereinbarte – Eröffnung zahlreicher neuer Restaurants in Deutschland. Die hohen Investitionen möchten die Geldgeber aus Russland offenkundig schnell verzinst wissen, ohne sich dabei von arbeitsrechtlichen Feinheiten bremsen zu lassen.

Umkleidezeiten nicht entgolten

Der Burger-King-Konzern

Elf Millionen Gäste täglich: Die 1954 im US-Bundesstaat Florida gegründete Burger-King-Kette ist nach McDonald’s das zweitgrößte Fast-Food-Unternehmen der Welt. Der Konzern betreibt in 88 Ländern 13 000 Restaurants, in denen insgesamt elf Millionen Gäste pro Tag essen.

Franchise-System: 99 Prozent der Filialen sind an Franchisenehmer vergeben, die die Restaurants eigenverantwortlich führen. Der Gesamtumsatz des Konzerns betrug 2012 knapp zwei Milliarden US-Dollar, der Gewinn lag bei 117,7 Millionen Dollar. In Deutschland existieren 677 Filialen.

Entsprechend alarmiert zeigt sich die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). „Herr Yildiz setzt sich gezielt über geltendes Recht hinweg“, klagt Guido Zeitler, NGG-Referatsleiter Gastronomie. Mitbestimmungsrechte würden mit Füßen getreten. Die Geschäftsleitung setze auf Drohungen und Einschüchterung, um Betriebsräte mundtot zu machen, berichtet der Gewerkschafter. Auch der Bundesverband der Systemgastronomie und Burger King selbst zeigen sich besorgt und kündigen Gespräche mit Yildiz an.

Interne Anweisungen der neuen Geschäftsleitung, die dieser Zeitung vorliegen, zeigen, dass die Vorwürfe der Gewerkschaft keineswegs aus der Luft gegriffen sind. Ab sofort, heißt es da, würden sämtliche Betriebsvereinbarungen gekündigt, Dienstpläne ohne Mitsprache des Betriebsrats erstellt, die Umkleidezeiten nicht mehr als Arbeitszeit entgolten, die Anzahl der Freigetränke begrenzt und Mitarbeiter an der Kasse für Fehlbeträge oberhalb von 45 Cent haftbar gemacht. Zudem hätten Betriebsräte ihre Aufgabe als Belegschaftsvertreter künftig außerhalb der gestempelten Arbeitszeiten – und damit unbezahlt – zu erledigen. „Bei Nichtbefolgen sind disziplinarische Maßnahmen (Abmahnung) zu ergreifen“, heißt es in dem Papier.

All das widerspreche geltendem Recht eklatant, sagt Zeitler: Einseitig gekündigte Betriebsvereinbarungen blieben bis auf Weiteres in Kraft, Beginn und Ende von Arbeitszeiten seien mit dem Betriebsrat abzustimmen, das Umkleiden zähle nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur Arbeitszeit. Und Mitarbeitern, die für den Kassenbestand in Haftung genommen werden, stehe ein „Mankogeld“ genannter Zuschlag zu, den die Yi-Ko Holding nicht zahle.

Als Missachtung von Arbeitnehmerrechten wertet die NGG auch den Umgang mit Betriebsräten, die es in einem Drittel der 91 von Yi-Ko geführten Restaurants gibt. Im Betriebsverfassungsgesetz ist festgelegt, dass Betriebsratsmitgliedern ihre sonst übliche Arbeitsvergütung zusteht, wenn sie Aufgaben als Belegschaftsvertreter wahrnehmen. Die NGG werde notwendigenfalls gegen die Holding gerichtlich vorgehen, sofern sich die Geschäftsleitung nicht zu rechtskonformem Umgang mit dem Personal entschließe, sagt Zeitler.

Manager widersetzt sich

Dass es zu solchem Umschwenken kommt, glauben Insider nicht. Befürchtet wird etwas anderes: Er rechne, wie die meisten seiner Kollegen, damit, nach Ablauf einer vereinbarten Haltefrist für die Belegschaft in wenigen Monaten gekündigt zu werden, sagt der Mitarbeiter aus der Leitungsebene. „Denn ich weigere mich strikt, die rechtswidrigen Vorgaben umzusetzen. Von mir wird keine Betriebsvereinbarung außer Kraft gesetzt.“

Er habe jahrelang daran gearbeitet, mit Betriebsräten ein konstruktives Miteinander zu entwickeln, „und der haut jetzt in ein paar Wochen alles kurz und klein“. Vor Gericht ziehen könne man natürlich gegen Yildiz, aber „wenn man alle seine Rechte erst einklagen muss, dann dauert das Jahre“.

Der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), dem die Burger King GmbH auch nach der Übernahme durch Yi-Ko angehört, zeigt sich zutiefst besorgt über den drohenden Imageschaden. „Wir haben lange Zeit daran gearbeitet, wieder eine Tarifkultur und ein respektvolles Miteinander mit den Beschäftigten zu etablieren, und werden uns das nicht kaputt machen lassen“, sagt BdS-Hauptgeschäftsführerin Valerie Holsboer. Alle Unternehmen im BdS seien verpflichtet, sich an Tarifverträge und selbstverständlich an Gesetze zu halten. Der Verband werde die Yi-Ko Holding daher „sehr genau im Auge behalten und ein Gespräch mit Herrn Yildiz suchen“.

Klagen und Proteste angekündigt

Selbst der Mutterkonzern, der sich normalerweise mit Äußerungen zu Franchise-Partnern zurückhält, hat seine anfangs eher desinteressierte Haltung aufgegeben: Es sei Burger King selbstverständlich nicht gleichgültig, wenn das Ansehen der Marke Schaden nehme, heißt es in der Münchner Zentrale. Man werde Herrn Yildiz nahe legen, sich an Tarifverpflichtungen sowie an den Kodex des BdS zu halten und diesbezüglich Gespräche führen.

An den Erfolg solcher Kommunikation glaubt der Informant dieser Zeitung nicht: „Yildiz benimmt sich wie amerikanische Konzernbosse im 19. Jahrhundert. Die haben mit brutaler Einschüchterung versucht, die Gewerkschaften zu zerschlagen.“ So weit ist es, dankenswerter Weise, im Deutschland des 21. Jahrhunderts nicht.

NGG-Vize Michaela Rosenberger kündigt an, Herr Yildiz werde sich „demnächst um viele Arbeitsgerichtsverfahren kümmern müssen, die auf sein Unternehmen zukommen“. Auch Zeitler geht von einer harten Konfrontation aus. Lenke die Yi-Ko-Holding nicht ein, werde man unabhängig von juristischen Schritten vor den Filialen stehen und die Bevölkerung über die Praktiken der Geschäftsleitung informieren. „Das werden die wirtschaftlich spüren, vielleicht kehrt dann Vernunft ein.“

Eine Stellungnahme der Yi-Ko Holding GmbH zu den Vorwürfen war trotz mündlicher und schriftlicher Anfragen nicht zu erhalten.

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