So billig wie möglich - das ist unter externen Call-Centern eine weit verbreitete Geschäftsphilosophie. Um so bemerkenswerter ist deshalb, dass sich am Dienstag die Gewerkschaft ver.di und der Call-Center-Betreiber Walter Services - eines der größten Unternehmen der Branche - auf einen Mindestlohn für die rund 8000 Beschäftigten geeinigt haben. Für Kundenbetreuer soll es künftig eine Grundvergütung von 7,50 Euro pro Stunde geben.
Laut Verdi sei es das erste Mal, dass eine tarifliche Mindestvergütung unter den circa 2000 unabhängigen Call-Centern erzielt worden ist. Walter Services verspricht sich von dem Deal, dass die neuen einheitlichen Lohn-Standards und geregelten Arbeitszeiten die Mitarbeiter in Ost und West motivieren. Außerdem will sich das Unternehmen - zu dessen Auftraggebern etwa die Telekom zählt - damit positiv von der Konkurrenz absetzen.
Verdi-Verhandlungsführer Ulrich Beiderwieden verspricht sich überdies eine Signalwirkung für die gesamte Branche: "Daran werden sich jetzt andere Betreiber messen lassen müssen". Call-Center-Expertin Claudia Weinkopf ist dagegen skeptisch, ob eine Trendwende in dem Niedriglohnsektor bevorsteht. "Externe Call-Center bieten die Dienstleistung kostengünstiger an. Und viele Unternehmen fragen genau das nach", betont die stellvertretende Leiterin des Instituts Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen.
Bei den Inhouse-Call-Centern, also firmeneigenen Abteilungen, werden Mitarbeiter meist nach dem gleichen Tarif wie ihre Kollegen entlohnt. Doch bei den externen Anbietern sind Tarifverträge schwierig durchzusetzen, auch weil es noch keinen Arbeitgeberverband gibt.
"Es existiert keine einheitliche Lohnstruktur", sagt Weinkopf. Oft hingen die Gehälter vom Verhandlungsgeschick der Mitarbeiter ab und wichen teils bis zu 50 Prozent voneinander ab. Insgesamt arbeiten in Call-Centern Schätzungen zufolge 435-000 Menschen. Kommentar Seite 12
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