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11. Januar 2012

Caritas schlägt Alarm: Armut macht krank

 Von Jonas Nonnenmann
Die Lebenserwartung von Obdachlosen liegt 30 Jahre unter dem Durchschnitt.  Foto: Andreas Arnold

Arme sterben früher und verzichten häufiger auf den notwendigen Arztbesuch. Mit einer neuen Kampagne prangert der Caritas-Verband diesen Missstand an - und zeigt, was die Regierung dagegen tun kann.

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Was, wenn das Medikament 30 Euro kostet? „Ich kann's mir nicht leisten“, sagt eine Frau im Caritas-Kurzfilm, untermalt von düsterer Musik.

Es ist der Auftakt einer neuen Kampagne des katholischen Caritasverbands, eine der größten gemeinnützigen Organisationen Deutschlands. "Armut macht krank" ist das Motto.

Die wichtigste These: Wenn Menschen lange arbeitslos sind, Hartz IV beziehen oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten oder über wenig Einkommen verfügen, steigt das Krankheitsrisiko.

Laut Caritas sterben arme Frauen im Schnitt acht Jahre früher als Wohlhabende, so das Ergebnis einer Studie des Robert-Koch-Instituts. Bei Männern liege der Unterschied sogar bei elf Jahren. Menschen in anhaltender Armut tragen ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, Diabetes mellitus oder eine chronische Bronchitis zu bekommen.

Die Organisation zitiert den Gesundheitsreport der Berufskrankenkassen BKK, der Befund ist erschreckend: Arbeitslose mussten 2010 doppelt so häufig ins Krankenhaus wie Beschäftigte. Sie erhalten außerdem doppelt so häufig Psychopharmaka.

Wer mehr hat, wird besser behandelt

Außerdem entscheide oft der Geldbeutel darüber, ob Patienten ausreichend behandelt werden oder nicht. Besondere Missstände im deutschen Gesundheitssystem seien:

  • Die Praxisgebühr: Laut Caritas-Präsident Peter Neher schieben Hartz-IV-Empfänger Arztbesuche häufig auf, um die Praxisgebühr zu sparen. Er fordert deshalb, die Gebühr wieder abzuschaffen – auch wegen der hohen Bürokratiekosten.

    Nicht verschreibungspflichtige Medikamente, die Kosten einer Brille oder von Krankengymnastik seien für diese Menschen schwer finanzierbar.

  • Die Situation von Obdachlosen:

    Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe haben männliche Obdachlose eine durchschnittliche Lebenserwartung von 46 Jahren. Sie liegt damit rund 30 Jahre unter dem Durchschnitt.

    Problematisch seien bürokratische Hürden. „Völlig lebensfremd ist die Vorstellung, diese Gruppe würde Quittungen und Belege sammeln, um sie bei einer Krankenkasse einzureichen“, schreibt Caritas-Präsident Neher. Es fehlten weitere Angebote wie Straßen-Ambulanzen und Beratung.

  • Die Situation von Flüchtlingen:

    Asylsuchende sind in Deutschland nicht krankenversichert; einen Anspruch auf Behandlung haben sie nur im Fall von akuten Erkrankungen, Schwangerschaft oder Schmerzen. Sonstige Behandlungen stehen im Ermessen der Behörden.

    Caritas fordert eine reguläre Krankenversicherung für Flüchtlinge und für Geduldete. „Es sollte außer Frage stehen, dass die gesundheitliche Versorgung eines Menschen höher einzuschätzen ist als das Bestreben des Staates, illegale Zuwanderung zu vermeiden“, fordert Neher. Deshalb müssten auch illegale Einwanderer besser geschützt werden.

Armut macht krank - das gilt besonders für Arbeitslose.
Armut macht krank - das gilt besonders für Arbeitslose.

Kürzlich haben zwei englische Mediziner den Zusammenhang von Armut und Krankheit untersucht. Ihr überraschender Befund: In entwickelten Ländern macht nicht Armut an sich krank, sondern die mangelnde Verteilungsgerechtigkeit des Reichtums – beziehungsweise das Wissen, selbst weniger zu haben als Andere.

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