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Chef von Beate Uhse Serge van der Hooft: „Ich glaube an die Unsterblichkeit des Pornos"

Im Beate-Uhse-Shop: Emma macht normalerweise Table-Dance und probiert hier Erotikmode.
Im Beate-Uhse-Shop: Emma macht normalerweise Table-Dance und probiert hier Erotikmode.
Foto: REUTERS

Beate-Uhse-Chef Serge van der Hooft fährt gerne deutsche Luxus-Karossen. Er spricht über die Krise in der Erotikbranche, neue Zielgruppen, die Sparkasse als Teilhaber und Phantasielosigkeit als Geschäft.

Der Sexshop ist so alt wie die Rolling Stones. Als Beate Uhse vor 50 Jahren in Flensburg den ersten Erotikladen der Welt eröffnete, war Serge van der Hooft noch längst nicht geboren. Er sitzt am Steuer eines schwarzen viertürigen Mercedes-Coupés mit den Buchstaben BU im Flensburger Kennzeichen. In der Mittelkonsole stehen zwei XL-Becher Coke Zero, in denen Trinkröhrchen stecken. Das Navigationssystem gibt Anweisungen auf Holländisch. Vorher habe er eine S-Klasse als Dienstwagen gehabt, sagt van der Hooft, aber dafür habe er sich noch zu jung gefühlt. Der Mann ist 34 Jahre alt und seit etwa zweieinhalb Jahren Chef der Beate Uhse AG. Das Unternehmen ist deutschland- und europaweit die Nummer eins in einer Branche, in der allein hierzulande jährlich mehrere hundert Millionen Euro umgesetzt werden.

Herr van der Hooft, wissen Sie, welches das neueste Produkt in Ihrem Sortiment ist?

Oh ja, das kenn ich. Das ist der We-Vibe drei. Sechs Stufen, wasserfest, kabellose Fernbedienung. Ein tolles Produkt.
Kein Spielzeug-U-Boot, oder?

Nein, aber ein Spielzeug. Es ist ein Vibrator für Paare. Einer, den beide gemeinsam benutzen können.
Klingt, als seien Sie mit den Verkaufszahlen zufrieden.

Absolut. Schon die Vorgängermodelle eins und zwei liefen wirklich gut. Die dritte Generation wurde nochmals verbessert. Ich denke, damit können wir Spaß garantieren.

Die wirtschaftliche Situation Ihrer Branche ist dagegen überhaupt nicht spaßig. Die Umsätze magern ab, die Verluste werden fetter. Was läuft da falsch?

Serge van der Hooft - Chef von Beate Uhse -  in einer Filiale in Hamburg
Serge van der Hooft - Chef von Beate Uhse - in einer Filiale in Hamburg
Foto: Paulus Ponizak

Wir haben eine Produktkrise. Früher waren Video-Kassetten und DVDs unser Hauptgeschäft. Dann kam das Internet, und die Filme waren frei verfügbar. Das hat unsere Branche unter Druck gebracht. Filme machten vor zehn Jahren 80 Prozent des Umsatzes von Beate Uhse aus. Jetzt ist es nur noch ein Zehntel.

Dafür wirken Sie aber ausgesprochen entspannt.

Das bin ich auch. Wir sind auf dem richtigen Kurs, und ich mache mir wirklich auch keine allzu großen Sorgen. Erotik wird wie Essen und Trinken immer zum Leben gehören.

Tatsächlich werden hierzulande Tag für Tag knapp 600.000 Kondome gekauft, was vermuten lässt, dass den Deutschen die Lust nicht vergangen ist. Wie viele Kunden haben Sie?

Etwa fünf Millionen in Europa, davon mehr als zwei Millionen in Deutschland.

Allerdings hat sich der Umsatz von Beate Uhse halbiert, seit Sie auf dem Chefsessel sitzen.

Das ist der Preis unseres Umbaus bei Beate Uhse. Wir haben unrentable Läden geschlossen, den Großhandel zentralisiert, die Katalogauflage gekürzt. Dadurch haben wir unrentablen Umsatz verloren, aber Kosten gespart und die Verluste deutlich reduziert. 2012 werden wir ohne Verlust beenden.

Beate Uhse - mit Mut und Erotik zum Erfolg

Bildergalerie ( 11 Bilder )

Ist es für Sie eine Last, für das Lebenswerk einer der wohl großartigsten Frauen der deutschen Nachkriegszeit verantwortlich zu sein?

Zur Person

Serge van der Hooft, Jahrgang 1977, ist gebürtiger Holländer. Er hat in Tilburg Betriebswirtschaft studiert und kam mit 24 Jahren Jahren zum Unternehmen Beate Uhse. Dort übernahm er verschiedene leitende Positionen in Holland und Ungarn. 2009 wurde Serge van der Hooft Vorstandschef der Beate Uhse AG.

Das Unternehmen wurde 1948 von Beate Uhse als Versandhandel in Flensburg gegründet. 1962 eröffnete Uhse dort den ersten Erotikshop der Welt. Seit 1981 ist das Unternehmen eine Aktiengesellschaft, die 1999 an die Börse ging.

Heute betreibt die Beate Uhse AG europaweit etwa 200 Geschäfte und beschäftigt knapp 1000 Mitarbeiter. In den ersten drei Quartalen des Vorjahres lag der Umsatz bei 110 Millionen Euro. Beate Uhse starb 2001 im Alter von 82 Jahren. Das Konkurrenzunternehmen Orion wird von Uhses Stiefsohn Dirk Rotermund geführt.

Nein. Es ist eine große Verantwortung. Ich habe Beate Uhse leider nicht mehr persönlich kennengelernt. Sie starb drei Monate bevor ich 2001 in das Unternehmen kam. Aber ich weiß natürlich, was sie geleistet hat und welches Erbe ich zu tragen habe. Es ist eine Ehre für mich. Sie ist immer dafür eingetreten, Erotik als etwas völlig Normales zu betrachten. Heute sind wir an diesem Ziel angekommen.

Das hilft Ihnen im Moment aber offenbar auch nicht weiter. Wie wollen Sie das Unternehmen fortführen?

Es wird weniger Filialen für Männer in den Rotlichtvierteln geben, dafür entstehen helle offene Erotikboutiquen für Frauen und Paare in den Innenstädten.

Spielt der Katalog noch eine Rolle?

Ja, aber nur noch eine Nebenrolle. Wir brauchen den Katalog und die Läden vor allem, um die Marke zu pflegen. Der Wachstumstreiber von Beate Uhse ist eindeutig das Internetgeschäft. Hundertprozentig.

Nichts gegen Ihren Optimismus, aber woher soll das Wachstum kommen? Die Topografie der erogenen Zonen beider Geschlechter ist lückenlos erkundet, und es darf als unwahrscheinlich gelten, dass neue Körperöffnungen entdeckt werden.

Damit rechne ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Aber dafür werden die bekannten Gebiete von immer mehr Menschen als Experimentierfeld entdeckt.

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Datum:  3 | 2 | 2012
Seiten:  1 2
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