Hans-Jörg André kommt als Fachbesucher auf die internationale Musikmesse nach Frankfurt. Der Besitzer eines Musikkaufhauses in Offenbach und Vizepräsident des Gesamtverbandes deutscher Musikfachgeschäfte kennt sich aus mit Qualität bei Instrumenten. Er ist überzeugt: „Musik machen ist noch immer im Trend“. Der Schritt vom reinen Konsum auf dem iPod hin zum aktiven Musizieren liege auf der Hand. Denn auch wenn der staatliche Musikunterricht an Schulen immer weiter abgebaut würde, der Drang zur gemeinsamen Musik sei ungebrochen.
Die Zahlen scheinen ihm recht zu geben. Der Gesamtumsatz mit Musikinstrumenten und Musik-Equipment ist laut dem Branchenverband Society of Music Merchants (Somm) in Deutschland von 806 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 860 Millionen Euro (2010) gestiegen. Allein 1,1 Millionen Gitarren wurden hierzulande in Umlauf gebracht.
Hoher Exportanteil
Gebaut werden die Instrumente aber zunehmend im Ausland. Der Bundesverband der Deutschen Musikinstrumenten-Hersteller verzeichnet für die 23 wirtschaftsstärksten Betriebe zwar ein leichten Umsatzanstieg von 0,3 Prozent auf 286,3 Millionen Euro. Zwei Drittel ihrer Produkte gehen aber ins Ausland. Obwohl in Deutschland mehr Musikinstrumente gefragt sind: Der Absatz der hierzulande hergestellten Instrumente sinkt auf dem Heimatmarkt, während der Import weiter ansteigt. Laut dem Dachverband Musikwirtschaft und Veranstaltungstechnik (DVMV) kommen mittlerweile Musikinstrumente im Wert von fast einer halben Milliarden Euro nach Deutschland. Jedes Dritte davon stammt aus China.
„Auch im Angebot der Messe fällt einem das große Sortiment an chinesischen Instrumenten auf“, bestätigt Ladenbesitzer André. Die Produkte aus Fernost hätten dabei jedoch einfach noch nicht das „Qualitäts- und Fertigungsniveau“, das ihre europäischen Gegenstücke ausmacht.
Knapp 2400 Aussteller aus 55 Ländern präsentieren ihre Angebote auf der Schau. 873 Firmen stellen auf der parallel stattfindenden Prolight+Sound aus; dort geht es vor allem um Bühnentechnik, Veranstaltungsdienste und Entertainment.
Bei Anfängern beliebt seien die angebotenen Instrumente aus Fernost vor allem wegen der niedrigen Preise. Sie machen bei vielen Musikläden einen Großteil der Kundschaft aus. „Ich brauche einem Gitarrenanfänger keine USA-Fender Stratocaster für mehr als 1000 Euro zu verkaufen“, sagt André. Nichtsdestotrotz sei auch bei den unteren Preissegmenten eine gute Beratung wichtig. Der Kunde müsse darauf hingewiesen werden, dass es sich gerade bei Musikinstrumenten lohnen kann, auch einmal 50 Euro mehr auszugeben, wenn die Qualität stimmt.
Junge Leute begeistern
Neben der fachlichen Beratung sollen auf der Musik-Messe zudem mit Sonderaktionen wie der Schülerband-Festival School Jam und der Aktion Music4kids, einer Musik-Mitmach-Ausstellung für Kinder im Vorschul- und Schulalter, junge Leute fürs Musizieren begeistert werden. Vor allem am Publikumstag am kommenden Samstag (9.April) können Eltern ihre Kleinen so näher an die Welt der Instrumente heranführen.
Das scheint nötig, zumal der Vorsitzende des Branchenverbands Somm, Jochen Stock, meint: „Es kann nicht sein, dass Musikförderung in Deutschland nur durch private Träger erfolgt.“ Der Musikunterricht an Schulen sei auf ein „vorsteinzeitliches Niveau“ gesunken, da es an gut ausgebildeten Lehrkräften mangele. Zudem könnten sich Familien, die von Hartz IV leben, keinen Musik-Unterricht für ihre Kinder leisten.
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