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Christliche Energie: Kirchen versorgen sich selbst

Den evangelischen und katholischen Kirche in Baden-Württemberg werden die Energiekonzerne zu teuer. Sie gründen schlicht ihren eigenen Versorger - und sparen viel Geld. Von Oliver Ristau

Bis es in einem Kirchensaal wie hier in Dresden behaglich warm geworden ist, dreht sich der Erdgaszähler schwindelig.
Bis es in einem Kirchensaal wie hier in Dresden behaglich warm geworden ist, dreht sich der Erdgaszähler schwindelig.
Foto: ddp

Es bleibt warm in den Gotteshäusern und kirchlichen Gemeinden Baden-Württembergs. Trotzdem hat sich etwas geändert: Die Gesellschaft zur Energieversorgung der kirchlichen und sozialen Einrichtungen (KSE) hat kürzlich die Gaslieferung übernommen.

Das ist ein Unternehmen der beiden evangelischen Landeskirchen und der katholischen Bistümer Freiburg und Rottenburg-Stuttgart.

Öko-Strom für Kirchen

Die Kirchen Baden-Württembergs wollen sich von 2011 an mit Ökostrom versorgen lassen. Das bedeutet den Abschied von der Kernenergie und die Umstellung auf Windenergie und Wasserkraftstrom aus der Schweiz.

Mit 500 Millionen Kilowattstunden verbrauchen die südwestdeutschen Kirchen jährlich so viel Strom wie 150.000 Privathaushalte.

Das Bistum Mainz hat bereits auf eine nachhaltige Stromversorgung umgestellt und bezieht seit 2009 seine Energie vom Düsseldorfer Grünstromanbieter Naturstrom.

Die Kirchen wollten sich nicht länger mit der ständigen Verteuerung des Erdgases abfinden. "Allein in Baden-Württemberg gibt es beim Gas Preisunterschiede von 40 Prozent", sagt KSE-Geschäftsführer Albert-Maria Drexler.

Da alle kirchlichen Einrichtungen im Ländle zusammen so viel Energie verbrauchen wie eine mittelgroße Stadt, entschlossen sich die Kirchenväter, die Versorgung selbst in die Hand zu nehmen.

"Wir beliefern bereits 85 Prozent aller 4000 Gemeinden", sagt Geschäftsführer Drexler. Zu den Großkunden zählen Krankenhäuser, kirchliche Schulen, Behindertenzentren und Klöster, die mit dem Anbieterwechsel fünf bis zehn Prozent ihrer Erdgaskosten sparen - insgesamt immerhin mehr als fünf Millionen Euro im Jahr. Für christliche Privathaushalte und Unternehmen gilt das Angebot aber nicht.

Der kirchliche Gasversorger kann sich eine Expansion in den Rest der Republik vorstellen, etwa nach Hessen. "Aber nur, wenn wir vom Bistum Fulda darum gebeten werden", erklärt Drexler.

Die Kirchen zählen damit zu den Vorreitern des Wettbewerbs. Noch haben in Deutschland erst wenige ihrem Gasversorger den Rücken gekehrt. 2007 lag die Wechselquote nach Auskunft der Bundesnetzagentur bei einem Prozent, im vorigen Jahr wohl kaum merklich höher.

Denn bis Ende 2008 gab es insbesondere auf dem Land kaum Möglichkeiten, sich einen neuen Anbieter zu suchen. Seit Januar 2009 bietet das Hamburger Energieunternehmen Lichtblick als erster von der traditionellen Energiewirtschaft unabhängiger Versorger bundesweit Erdgas an.

Für Mai kündigte er Preissenkungen um mehr als zehn Prozent an. "Für uns ist es selbstverständlich, unsere Kunden von den günstigen Marktentwicklungen profitieren zu lassen", sagt Geschäftsführer Christian Friege.

Damit liegen die Hamburger deutlich vor den traditionellen Anbietern, die bisher erst zögerlich Preissenkungen angekündigt haben. Noch versucht sich die eingesessene Branche allerdings gegen die neue Konkurrenz zu wehren - etwa durch willkürliche Gebühren für die Nutzung ihrer Netze, wie das Unternehmen Lichtblick moniert.

Autor:  OLIVER RISTAU
Datum:  9 | 2 | 2009
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