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08. Mai 2012

Club of Rome: Jahr 2052: Wissenschaftler veröffentlichen Zukunftsprognose

 Von Jakob Schlandt
Der norwegische Akademiker, Jorgen Randers, stellt den Bericht des Club of Rome in Rotterdam vor.  Foto: dpa

Vor 40 Jahren zeichnete der Bericht des Club of Rome ein düsteres Bild der Zukunft. Überbevölkerung, die Erschöpfung wichtiger Ressourcen, katastrophale Umweltzerstörung wurden prognostiziert. Nun folgt eine Nachfolgestudie und zeigt: die Wissenschaftler haben sich damals geirrt - zum Teil.

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Was Nachhaltigkeit bedeutet

Der Begriff Nachhaltigkeit steht für einen neuen, zeitgemäßen Ansatz, die Entwicklung in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft zu betrachten. In Wissenschaft und Politik gehört er inzwischen zum Standardrepertoire.

Seinen Ursprung hat der Begriff im 18. Jahrhundert: Damals entwickelte sich in der Forstwirtschaft die Einsicht, dass der Wald auf Dauer nur erhalten werden kann, wenn nicht mehr Holz gefällt wird als durch Wiederaufforstung nachwächst.
Der Club of Rome, eine Organisation handverlesener Mitglieder aus Wirtschaft und Wissenschaft, veröffentlichte 1972 den Bericht „Grenzen des Wachstums“, der als eine der Ur-Studien zur nachhaltigen Entwicklung gilt.
Die Bundesregierung formuliert 2002 ihre Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“. Darin bezeichnet sie Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe, die ein Grundprinzip ihrer Politik darstellen soll. Spätere Regierungen halten an dieser Strategie fest.

Als der Club of Rome 1972 seinen Report „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte, löste er heftige Reaktionen aus. Überbevölkerung, die Erschöpfung wichtiger Ressourcen, katastrophale Umweltzerstörung: Die auf Computermodellen basierende Fortschreibung damaliger Trends verkaufte sich millionenfach und ist eine Art Gründungsmanifest der globalen Umweltbewegung.

40 Jahre später hat der Club of Rome, ein weltweiter Zusammenschluss von umweltengagierten Forschern und Experten, eine Nachfolgestudie veröffentlicht, die auf etwas verfeinerten Berechnungen basiert. Autor Jorgen Randers, der bereits an der ersten Studie mitarbeitete, überprüfte dafür mit Hilfe zahlreicher Wissenschaftler die Thesen von früher und schaute 40 Jahre in die Zukunft, ins Jahr 2052. Das schlimmste ursprüngliche Szenario des Club of Rome, das unbegrenzte weitere Wachstum von Weltbevölkerung, Industrieproduktion und Ressourcenverbrauch, das schließlich zu einem Kollaps der Weltgesellschaft führen würde, sieht er dagegen nicht kommen.

Verteilungsstreit und Unruhen

Stattdessen erwartet der Club of Rome, dass das Bevölkerungswachstum auf der Erde sich immer stärker abschwächt und sich um das Jahr 2040 herum schließlich sogar umkehrt. In den urbanen Ballungszentren werde die Fruchtbarkeit weiter stark abnehmen, so wie dies in den westlichen Industrieländern bereits geschehen ist. Die Weltbevölkerung wird deshalb nach Berechnung des Club of Rome am Höchstpunkt 8,1 Milliarden betragen – gerade einmal eine Milliarde mehr als im Augenblick.

Auch in anderen Bereichen sieht der Autor Jorgen Randers moderate Besserung. Die Investitionen in erneuerbare Energien – für die Deutschland besonders lobend hervorgehoben wird – werden sich auszahlen. Konventionelle Energiequellen wie Kohle und Öl, die nicht nur endlich, sondern auch klimaschädlich sind, sieht er langsam, schließlich aber immer schneller auf dem Rückzug. 2052 werde sich auch das Wachstum deutlich abgeschwächt haben. Gemessen an den Erfahrungswerten der Vergangenheit müsste sich bis dahin die Weltproduktion an Gütern und Dienstleistungen verdreifacht haben. Doch der Club of Rome erwartet, dass sie sich nur gut verdoppelt. 2045 werde die globale Produktion ihren Höhepunkt erreichen.

Damit werden die Ressourcen der Erde zwar immer noch massiv zusätzlich belastet. Doch das Katastrophenszenario des ungebremsten Wachstums, das schließlich im Kollaps mündet, muss nicht mehr befürchtet werden. Zum einen liegen die niedrigeren Wachstumsraten am moderaten Bevölkerungswachstum. Zum anderen hat sich aber auch der Produktivitätszuwachs abgeschwächt und wird das nach Ansicht des Club of Rome auch weiterhin tun. Ein Großteil der wirtschaftlichen Ernte der Industrialisierung ist bereits eingefahren. In wachsenden Bereichen wie der Service-Industrie seien Fortschritte schwieriger.

Das Ende des Wachstums

Stagnation statt Kollaps, das ist also die gute Nachricht: „Der Anpassungsprozess der Menschheit an die Grenzen dieses Planeten hat begonnen“, schreibt Randers. Doch die Zukunft wird gespickt sein mit gewaltigen Problemen. Denn ein weiterer Grund für das magere Wachstum wird laut der Studie der Klimawandel.

Trotz der grünen Techniken lässt er sich nach Ansicht des Club of Rome kaum noch verhindern. Viele Menschen würden 2052 unter extremen Wetterbedingungen leiden. Für die zweite Hälfte des Jahrhunderts erwartet der Club noch eine Verschlimmerung – die Auswirkungen des Klimawandels könnten in eine sich selbst verstärkende Spirale münden. Und: Die ökonomische Ungleichheit unter den Menschen nimmt nicht ab, sondern noch zu. Einige große Schwellenländer, etwa China, Brasilien und Indien, würden Anschluss an den Westen gewinnen. In den alten Industrieländern, so die Erwartung, könnte die Wirtschaft sogar schrumpfen – was wiederum zu hoher Arbeitslosigkeit und anderen Problemen führt.

Rund zwei Milliarden Menschen weltweit werde aber der Aufholprozess nicht gelingen. Sie bleiben arm. Insgesamt werde das niedrige Wachstum zu Verteilungsstreits und sozialen Unruhen führen. Den Schluss des in ungewöhnlich persönlichem Ton geschriebenen Berichts bilden Tipps, welche persönlichen Konsequenzen daraus gezogen werden könnten. Einer lautet: Suchen Sie sich einen Wohnort aus, der kaum vom Klimawandel betroffen, also etwa sicher ist vor Überflutung. Ein anderer: Konzentrieren Sie sich darauf, Ihr Wohlbefinden zu steigern, nicht das Einkommen. In Zeiten der Stagnation kein schlechter Ratschlag.

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