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07. November 2012

Commerzbank-Bilanz: Tiefe Einschnitte bei der Commerzbank

 Von Grit Beecken
Trübe Aussichten für die Commerzbank: Das Geldhaus muss Tausende Stellen streichen. Foto: rtr/Niesner

Die Commerzbank will künftig vor allem für die Privatkunden da sein. Und dabei rentabel arbeiten. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Denn die Bank verdient mit ihrem Kerngeschäft zwar Geld - doch die Altlasten drücken das Ergebnis massiv nach unten.

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Frankfurt –  

Es wird eng für Martin Blessing: Viereinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt fressen die Altlasten dem Commerzbank-Chef immer noch den Gewinn weg. Am heutigen Donnerstag wird er vor Investoren und Journalisten seine neue Strategie vorstellen. Er muss erklären, wie er das Institut wieder rentabel machen will. Das dürfte auch die Steuerzahler interessieren. Immerhin ist der Bund mit 25 Prozent an der Commerzbank beteiligt und will irgendwann wieder aussteigen – möglichst nicht mit Verlust. Diese Trendwende ist bislang aber nicht in Sicht. Zwar hat die Commerzbank im dritten Quartal zwar 216 Millionen Euro verdient. Für den Rest des Jahres erwarten Analysten aber nur noch eine schwarze Null. 

Dabei war Blessing im Spätsommer 2008, mitten in der Krise, zuversichtlich. „Wir sind besser denn je aufgestellt, um weiter zu wachsen“, sagte er damals. Stattdessen schrumpft die Bank inzwischen ihre Bilanz, spart, wo sie nur kann und scheint richtungslos durch die Finanzmärkte zu treiben. Und nun sollen offenbar deutlich mehr Jobs als erwartet dem Rotstift zum Opfer fallen.

Fokus auf Privatkunden

Schon vorab wurde bekannt, dass die Bank sich künftig stark auf den  Privatkundenbereich fokussieren will. Die beiden anderen wichtigen Standbeine sind Firmenkunden und das Geschäft in Zentral- und Osteuropa. Dazu will Blessing ordentlich Geld in die Hand nehmen und investiert zwei Milliarden Euro. Eine Milliarde fließt in das Privatkundensegment, der Rest verteilt sich auf die anderen beiden Bereiche. Das Geld will er an anderer Stelle einsparen, um die Kosten insgesamt stabil zu halten. Bis 2016 soll die Aufwandsquote dann noch einmal deutlich reduziert werden und auf 60 Prozent fallen.

Allerdings haben Kernbereiche in der Commerzbank mitunter eine kurze Überlebensdauer. So wurde erst  im Sommer das Geschäft mit Schiffs- und Gewerbeimmobilienkrediten sang- und klanglos zum Abbauposten – nur kurz nachdem es als strategisch wichtig erklärt worden war.

Und nun sollen einem Bericht der Zeit zufolge auch noch bis zu 6000 Stellen gestrichen werden. Die Commerzbank beschäftigt derzeit 56000 Mitarbeiter, sie  äußert sich nicht zu dem Bericht. In Finanzkreisen heißt es schon lange, die Bank werde im vor allem Privatkundenbereich abbauen. Wie die Zeit berichtet, sollen nun auch in zentralen Verwaltungsabteilungen Stellen wegfallen. Seit der Fusion mit der Dresdner Bank hat das Institut bereits rund 9000 Arbeitsplätze gestrichen. In der ehemaligen Eurohypo, die in den nächsten Jahren abgewickelt wird, erwarten Insider den Wegfall von bis zu tausend Stellen.

Mannschaft auf Kundenfang

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing.
Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing.
Foto: dpa

Nun soll die Bank mit einer kleineren Mannschaft auf Privat- und Geschäftskundenfang gehen. Gemeinsam mit dem Osteuropageschäft ist das die sogenannte Kernbank. Sie hat im dritten Quartal gute Zahlen geliefert und mit 692 Millionen Euro knapp 20 Prozent mehr verdient als im Vorjahresquartal. Doch die Altlasten der Bank drücken den Gewinn massiv nach unten. Den Eigenhandel und das große Wertpapiergeschäft mit den Kunden hat die Bank schon lange aufgegeben. Aus globaler Sicht gilt die Commerzbank nicht mehr als systemrelevant.

Und auch im Privatkundengeschäft setzt sie bislang nicht grade Maßstäbe. Sie betreut zwar elf Millionen Kunden, ist dabei aber nicht besonders rentabel. Im ersten Halbjahr rettet nur die Onlinetochter Commerzbank den Gewinn des Bereichs. Das dritte Quartal lief etwas besser: Das Institut verdiente 41 Millionen Euro, das sind acht Millionen Euro mehr als im zweiten Quartal. Langfristig wird das aber nicht reichen. Experten fordern daher schon lange flexiblere Öffnungszeiten für die Filialen und ein neues Outfit für das Online-Banking. „Das Kostenniveau ist sehr hoch, die IT-Plattform völlig veraltet und den Zielkunden hat man nie klar definiert“, schimpft ein Großaktionär.

Langer Atem ist gefragt

Er und seine Mitstreiter, darunter auch der Bund, brauchen weiterhin einen langen Atem. „Die Ausschüttung von Dividenden für die Geschäftsjahre 2012 und 2013 ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich“, kündigt die Bank an. Angesichts dieser Nachrichten muss Blessings neue Strategie besonders die Anteilseigner überzeugen. Denn auch um den Aktienkurs ist es nach wie vor schlecht bestellt. In den vergangenen drei Jahren ist das Papier von mehr als fünf auf gut 1,50 Euro gestürzt. Auf lange Sicht will Blessing jetzt wieder ordentlich Geld verdienen.  Er hat erstmals eine Messlatte für das Eigenkapital ausgegeben.

Bis 2016 sollen nach Steuern 10 Prozent verdient werden. Das heißt: Jeder Euro Eigenkapital bringt einen Ertrag von zehn Cent. Das ist ein starkes Bekenntnis. Denn an derartigen Angaben müssen sich Bankchefs auf Jahre hin messen lassen. So hat der ehemalige Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann Spott geerntet, weil er die 25-Prozent-Marke verfehlte.

Blessings zweite Messlatte ist die interne Bad Bank. Nach dem Rückzug aus der Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierung lagern dort Engagements  im Volumen von rund 160 Milliarden Euro. Das ist fast ein Drittel der Bilanzsumme. Bis 2016 sollen 40 Prozent entweder ausgelaufen oder verkauft worden sein. Nun wartet der Markt auf Blessing. Wie will er das erreichen? Je schneller er die Geschäfte loswird, desto schneller wird die Kapitalquote verbessert und das Institut krisenfester. Im dritten Quartal wurden hier allerdings erst mal 476 Millionen Euro verbrannt. Gute Nachrichten gibt es in Sachen Kapital: Das liegt konstant bei etwas über neun Prozent.

 

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