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24. Januar 2013

Commerzbank: Blessings Kahlschlag

 Von Grit Beecken
Das neue Logo der Commerzbank, aufgenommen am Gallileo-Hochhaus in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Jetzt ist es amtlich: Bei der Commerzbank könnte bis 2017 jede achte Stelle wegfallen. Ob jetzt eine Kündigungswelle ansteht, ist damit aber noch nicht gesagt.

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Jetzt ist es amtlich: Bei der Commerzbank könnte bis 2017 jede achte Stelle wegfallen. Ob jetzt eine Kündigungswelle ansteht, ist damit aber noch nicht gesagt.

Frankfurt –  

Die kommenden Monate dürften für die Mitarbeiter der Commerzbank zur Zitterpartie werden. Am Donnerstag bestätigte das angeschlagene Institut, dass in den kommenden vier Jahren bis zu 6000 der 49000 Vollzeitstellen gestrichen werden. „Die genaue Höhe des Abbaus wird in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmergremien vereinbart“, teilte die Bank mit.

Die Pläne sind Teil eines milliardenschweren Sparprogramms, das Commerzbank-Chef Martin Blessing im November vorgestellt hatte. „Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig“, begründet Personalchef Ulrich Sieber das Vorhaben laut Reuters im Intranet der Bank. Vor allem im Filialgeschäft, wo die Commerzbank seit langem kaum Geld verdient, gebe es deutliche Überkapazitäten.

Verdi erklärte, im Privatkundengeschäft sei nach Ansicht des Vorstands 30 Prozent zu viel Personal an Bord. Von 3400 gefährdeten Stellen in der Sparte sollten daher kurzfristig 1800 abgebaut werden. Schließlich will die Bank dort profitabler werden. Bis 2016 möchte Privatkundenvorstand Martin Zielke an jedem Kunden jährlich 320 Euro verdienen, 30 Euro mehr als heute.

Widerstand vom Betriebsrat

Die Commerzbank plant, ihre 1200 Filialen in vier verschiedene Typen zu gliedern. Die Niederlassungen sollen länger öffnen, die Mitarbeiter zwischen den Zweigstellen wechseln und teilweise im Schichtbetrieb arbeiten. Zugleich will die Bank laut Verdi die Gehälter im Schnitt um einige hundert Euro im Monat drücken. Zielke habe bereits signalisiert, je mehr die Arbeitnehmervertreter der Bank dabei entgegenkämen, desto geringer könne der Abbau ausfallen.

Bei Arbeitnehmervertretern stieß das Streichkonzert in einer ersten Reaktion auf Widerstand. „Das ist ein Horrorkatalog, den sich der Betriebsrat anhören musste“, zitiert Reuters eine Person aus dem Umfeld des Gremiums. Die Einschnitte im Inlandsgeschäft seien größer als die Kürzungen nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor vier Jahren. Damals hatte die Bank weltweit rund 9000 Arbeitsplätze gestrichen. „Das ist nicht verhandlungsfähig“, sagte der Arbeitnehmervertreter. Nach dem Willen der Bank sollen die Verhandlungen im Februar beginnen. Ein Ende der Gespräche sei wegen der komplexen und vielfältigen Themen nicht abzusehen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei der Commerzbank noch bis Jahresende ausgeschlossen.

Kampf mit der Gewerkschaft

Verdi kündigte am Donnerstag Widerstand an. „Der Kahlschlag ist für Verdi und die Betriebsräte nicht verhandelbar“, erklärte die Gewerkschaft. „Dieser Frontalangriff auf die Arbeitsbedingungen ist mit dem Ziel, gute Bankdienstleistungen vor allem im Kundengeschäft zu bieten, nicht vereinbar“, so Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch in Berlin.

Analyst Guido Hoymann von Metzler Securities hingegen ist zuversichtlich, dass das Institut ohne Kündigungswelle auskommt. „Das ist kein sonderlich ambitioniertes Ziel. Bis 2016 ist eine relativ lange Zeit.“ Im Schnitt gingen ohnehin drei Prozent der Belegschaft im Jahr freiwillig.
Ein weiterer Teil des Sparprogramms ist die Verlegung bestimmter Aufgaben an Billigstandorte. Vorstand Sieber sprach von Outsourcing in begrenztem Umfang, die Arbeitnehmer dagegen von massiven Verlagerungen in Gesellschaften ohne Tarifbindung. Denkbar sind dabei die Abwicklung von Wertpapier- oder Kreditgeschäften, Callcenter oder IT-Dienstleistungen.

Aktionäre freuen sich

Die Beschäftigten des Online-Brokers Comdirect und der polnischen Tochter BRE Bank können aufatmen. Bei ihnen ist kein Arbeitsplatzabbau geplant.

Die Commerzbank-Aktionäre reagierten erfreut auf die Pläne. Die Anteilsscheine legten deutlich zu. (Mit Reuters)

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