Frankfurt a. M. Die Vorstandsmitglieder der Commerzbank werden voraussichtlich auch über das Jahr 2010 hinaus nicht mehr als 500.000 Euro Gehalt im Jahr bekommen. Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller erklärte vor der Hauptversammlung in Frankfurt: "Ich gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat auch für die Zeit nach 2010 eine entsprechende Regelung beschließen wird."
Erst wenn die Commerzbank wenigstens die milliardenschweren Zinsen auf die Stille Einlage des Staates wieder aus dem eigenen Gewinn zahlen kann, soll ein neues Gehaltssystem in Kraft treten, das vom Aufsichtsrat schon beschlossen wurde und zu dem die Aktionäre jetzt ihr Votum abgeben dürfen.
Künftig sollen dann normale Vorstandsmitglieder fix 750.000 Euro im Jahr verdienen, der Vorstandschef das 1,75-fache. Dazu kommen Boni von bis zu zwei Millionen Euro, die an den dauerhaften Erfolg geknüpft sind und deshalb zum Teil mit Zeitverzögerung ausgezahlt werden.
Bund will Erhöhung verhindern
Der Bund als Hauptaktionär mit 25 Prozent plus einer Aktie ist gegen höhere Vorstandsgehälter und Boni und will sie verhindern. Vorstandschef Martin Blessing stellte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" klar: "Die vorhandene Stille Einlage muss vollständig verzinst sein, damit die Gehaltsgrenze fällt."
Die Commerzbank hatte 16 Milliarden Euro als Stille Einlage und 2,2 Milliarden an frischem Kapital vom Bund erhalten, um über die Finanzkrise zu kommen. Die stille Einlage, die mit neun Prozent im Jahr verzinst wird, soll "spätestens ab 2012" wieder zurückgezahlt werden, wie die Commerzbank erklärte.
Dann soll die Bank nach den Vorstellungen von Vorstandschef Martin Blessing operativ vier Milliarden Euro verdienen. Die 500.000-Euro-Grenze musste die Commerzbank im Gegenzug für die staatliche Milliardenhilfe einziehen.
Auf welchem Weg die Hilfen zurückgeführt werden können, ist Gegenstand von Beschlüssen der Hauptversammlung. Für das laufende Jahr verspricht Blessing einen operativen Gewinn weiterhin nur für die Kernbank - das Privat- und das Firmenkundengeschäft sowie die Osteuropa-Töchter.
Zweites Quartal ist gut angelaufen
Ein Gewinn im Konzern sei trotz eines guten ersten Quartals nur möglich, wenn die Konjunktur und die Finanzmärkte mitspielten. Nach einem unerwartet deutlichen Gewinn zu Jahresbeginn ist für die teilverstaatlichte Commerzbank jedenfalls auch das zweite Quartal "gut angelaufen".
Insgesamt sei ein großer Schritt "zur vollen Profitabilität" getan worden, teilte Vorstandsvorsitzender Martin Blessing in Frankfurt vor Beginn der Hauptversammlung mit. Das erste Quartal habe gezeigt, dass die Erträge gestiegen und die Risikovorsorge gesunken seien. Die Kosten lägen im Plan.
Dennoch sei die Bank "noch ein gutes Stück von der Normalität entfernt". Weiter sagte er, dass die Bank bei der Vorlage der Halbjahreszahlen einen Ausblick für das Gesamtjahr geben werde.
Das Auftaktquartal hatte die Bank mit einem operativen Ergebnis von 771 Millionen Euro abgeschlossen. Die Kernbank war profitabel und auch für das Gesamtjahr geht die Commerzbank hier von einem positiven operativen Ergebnis aus. Spätestens 2011 soll der Konzern insgesamt wieder Gewinn erwirtschaften. Für 2012 wird im Konzern ein operatives Ergebnis von mehr als vier Milliarden Euro erwartet.
Die Commerzbank hatte sich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise am Kauf der Dresdner Bank verhoben. Insgesamt musste der Bund die Commerzbank mit 18,2 Milliarden Euro stützten und hält seither 25 Prozent plus eine Aktie des Kapitals in Form einer stillen Einlage. (rtr/dpa/ddp)
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