Frankfurt a.M. Die Commerzbank sieht sich bei ihrem Antrag auf staatliche Hilfe fast am Ziel. "Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende der Woche im Abstimmungsprozess die Genehmigung kriegen", sagte Vorstandschef Martin Blessing auf einer Konferenz in Frankfurt. Bislang ist noch kein Cent der gut acht Milliarden Euro an Hilfen geflossen, weil die EU-Kommission die Kapitalspritze blockierte.
Es wird kein Zufall sein, dass der Aufsichtsrat der Commerzbank am Mittwoch die beschleunigte Übernahme der Dresdner Bank absegnete. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes auf dem Finanzministertreffen in Brüssel eine Lösung für die umstrittene Staatsbeihilfe gefunden haben.
Ohne die Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro aus Berlin wäre die Commerzbank kaum in der Lage, den Wettbewerber bereits im Januar komplett zu übernehmen.
Um der Commerzbank frisches Kapital zuzuschießen, kauft der Sonderfonds der Bundesregierung (Soffin) keine Aktien des Instituts, sondern lässt ihm eine stille Einlage zukommen. Diese sollte in zwei gleichgroße Tranchen aufgeteilt werden, von denen die erste mit 8,5 Prozent und die zweite mit 5,5 Prozent verzinst werden sollte.
Wenn sich der Aktienkurs der Commerzbank gut entwickelt, könnte die Soffin für die zweite Tranche aber unter dem Strich sogar mehr Geld erhalten. Das liegt daran, dass bei einem steigenden Aktienkurs eine Rückzahlungsquote von bis zu 145 Prozent vereinbart ist.
Kroes konnte diese Bonusregelung offenbar nicht erweichen. In ihren Augen ist die die Verzinsung beider Tranchen zu niedrig. Die Chefin der EU-Wettbewerbsbehörde forderte eine Verzinsung von zehn Prozent und ließ Berlin auf die Genehmigung warten.
Doch haben Brüssel und Berlin offenbar eine Lösung gefunden, für die sich beide Seiten ein Stückchen bewegen müssen. Nach übereinstimmenden Presseberichten läuft der Kompromiss darauf hinaus, dass die Commerzbank für den gesamten Betrag eine Verzinsung von sieben bis 9,3 Prozent zahlt. Zudem solle die staatliche Hilfe nicht mehr in zwei Tranchen, sondern nur noch in einer erfolgen.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.