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Commerzbank und Dresdner: Wohl und Wehe

Nach dem Tag X bestimmen Stellenabbau und Aufbruchstimmung das Leben in den beiden Bankhäusern. Von Sebastian Amaral Anders

Wie es nach der Fusion weitergeht, wird in diesen Tagen festgelegt.
Wie es nach der Fusion weitergeht, wird in diesen Tagen festgelegt.
Foto: ap

Luftlinie sind es nur ein paar hundert Meter zwischen den Türmen der Commerzbank und der Dresdner Bank im Frankfurter Finanzdistrikt. Doch während viele Beschäftigte der Commerzbank an diesem Montagmorgen in Aufbruchstimmung ihren Arbeitsplatz ansteuern, entspricht die Stimmung am Haupteingang der Dresdner Bank eher dem trüben Grau des Himmels über der Stadt.

Die sonntägliche Entscheidung der Aufsichtsräte, der Übernahme zuzustimmen, hat am Sitz der Dresdner Bank in der Taunusstraße indes niemanden mehr überrascht. "Der Hammer war doch spätestens am Freitag schon gefallen", sagt ein Mitarbeiter, der wie alle anderen seinen Namen lieber nicht nennen will. "Allen war klar, dass es einen Schnitt geben wird", sagt er. Jetzt gehe es darum, schnell zu erfahren, wie es weitergeht. Ein Kollege ist in dieser Hinsicht skeptisch: "Ich glaube nicht, dass wir heute noch mehr erfahren, als in der Presse schon zu lesen ist."

Der angekündigte Stellenabbau sorgt bei vielen zwar für ein "mulmiges Gefühl" vor dem ersten Arbeitstag nach der Entscheidung; an Krisensituationen und wechselnde Konzernmütter sind die "Dresdner" allerdings gewöhnt. Seit der Übernahme des Kreditinstitutes vor gut sieben Jahren durch die Allianz sind tausende Stellen gestrichen worden. "Wie jetzt noch 9000 Stellen sozialverträglich abgebaut werden sollen, kann ich mir aber nur schwer vorstellen", sagt ein 47-Jähriger, der seit 28 Jahren bei der Dresdner Bank arbeitet.

Dass nach der Fusion auch der Name der Dresdner Bank verschwinden soll, lässt gerade viele langgediente "Dresdner" wehmütig werden. "Ich habe ja nie woanders gearbeitet", sagt einer und zuckt hilflos mit den Schultern. Um seinen Job muss er sich als Familienvater mit fast drei Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit wohl kaum Gedanken machen.

Ein Kollege bekennt sich zu den zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen. Strategisch sei der Zusammenschluss mit der Commerzbank zwar ein wichtiger Schritt für die krisengeschüttelte Dresdner Bank. Für die Beschäftigten spricht er dagegen von einem bevorstehenden "Blutbad".

Zwiegespalten sind auch die Meinungen, wenn es um die Frage geht, welche neue Konzernmutter nun die bessere gewesen wäre. "Ich habe insgeheim auf die Chinesen gehofft", erzählt einer. "Dann wären uns einige Arbeitsplätze vielleicht länger erhalten geblieben." Ein anderer verweist auf zwei Kollegen in seiner Abteilung, die zuvor in Ländern mit kommunistischen Regimes gearbeitet hätten. "Für die wäre das der Horror pur gewesen", glaubt er und ist überzeugt, dass eine solche Fusion nur eine kurzfristige Lösung gewesen wäre. "Und was hätten erst unsere Kunden darüber gedacht?"

Was der junge Mann an der Schwelle zum Commerzbank-Tower über den Neuerwerb seines Arbeitgebers denkt, ist bereits seinem breiten Grinsen zu entnehmen. Über die "sehr spannende" Entscheidung hat er sich am Sonntag bereits übers Handy per SMS mit Kollegen ausgetauscht. Jetzt blickt er "super positiv" in die Zukunft. "Das war ein extrem wichtiger Schritt für die Commerzbank", sagt er. Vor dem anstehenden Stellenabbau hat er genauso wenig Angst wie sein 25-jähriger Kollege, der wenig später die Treppen ins Bankgebäude hoch eilt. "Ich freue mich schon darauf, zu sehen, was jetzt passiert."

Für den IT-Mitarbeiter der Dresdner Bank, der um kurz nach Neun mit dem Fahrrad vor dem Hochhaus ankommt, passiert jetzt wohl erstmal nichts mehr. Zumindest nicht mehr viel.

Denn wie es mit den zahlreichen offenen Projekten nun weitergeht, an denen er derzeit noch arbeitet, steht in den Sternen. Also heißt die Devise: Abwarten. Wenn der formale Zusammenschluss der beiden Geldinstitute dann aber in die Tat umgesetzt werden dürfte, wird er sich vor Arbeit wohl kaum noch retten können. Dann stehen nämlich die Migrationsprojekte an.

Autor:  SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Datum:  2 | 9 | 2008
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