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07. Januar 2016

Crash in China : Darum brechen Chinas Börsen ein

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Kräftig nach unten geht es an der Börse in Shanghai, und Experten erwarten, dass der Crash weiter geht.  Foto: AFP

Die Aktienkurse in China schmieren weiter ab, doch mit dem Zustand der Realwirtschaft hat das nur zum Teil zu tun. Vor allem Kleinanleger bleiben auf den enormen Verlusten sitzen.

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Peking –  

Analysten erwarten nach einem katastrophalen Start ein turbulentes Jahr für Chinas Aktienmärkte. Am Donnerstag waren die Kurse an der Börse Shanghai erneut um spektakuläre sieben Prozent abgeschmiert. Die Regierung verspricht nun eine Nachbesserung an einem automatischen Stopp-Mechanismus bei marktweiten Kursverlusten, der sich als kontraproduktiv erwiesen hat. An den Grundproblemen ändert das nichts: „Die heftigen Schwankungen werden sich durch ganz 2016 fortsetzen“, sagt Brian Jackson, Marktexperte für China bei dem Analysehaus IHS. Er erwartet zunächst weiter fallende Kurse, bevor die Bewertungen sich auf einem Niveau stabilisieren, das besser im Einklang mit den Firmengewinnen und der Konjunkturlage steht.

Bereits zu Wochenbeginn waren die Börsenkurse um sieben Prozent abgestürzt, woraufhin erstmals ein Bremsmechanismus in Kraft getreten ist, den die Marktaufsicht erst im Dezember eingeführt hatte. Der Handel musste für den Rest des Tages komplett stoppen. „Diese sogenannte Sicherung hat sich als Fehlschlag erwiesen“, sagt Marktexperte Yu Fenghui von der Agricultural Bank of China (ABC). Er helfe nur Spekulanten, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse setzen, und gebe positiven Akteuren keine Zeit zum Nachkaufen. Am Montag kam der Stopp für alle Transaktionen bereits eine halbe Stunde nach Börsenstart am Morgen. Es war der kürzeste Handelstag in der chinesischen Börsengeschichte.

Ein weiterer Grund für die heftigen Ausschläge war das Ende einer Haltefrist, die der Regulierer vor einem halben Jahr allen Großaktionären aufgezwungen hat. Ab dem 8. Januar hätten diese erstmals wieder frei verkaufen können. Die anderen Marktteilnehmer waren fest davon ausgegangen, dass wichtige Investoren den Ausverkauf des vergangenen Herbstes nun im Januar nachholen würden.

Ausverkauf könnte weitergehen

Die sechsmonatige Sperrfrist ist nun durch eine Neuregelung ersetzt. Alle Anleger, die mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, dürfen künftig pro Tag nur ein Prozent ihrer Bestände abstoßen. Das soll ebenfalls stabilisierende Wirkung entfalten, ohne enormen Verkaufsdruck zu einem Stichtag aufzubauen. Marktexperten erwarten dennoch, dass der Ausverkauf morgen weitergeht.

Die Regierung hatte die Investoren ab Sommer 2014 systematisch an den Markt gelockt. Premier Li Keqiang wollte für die Wirtschaft des Landes neue Finanzierungskanäle eröffnen und hat die Börse als gute Geldanlage gelobt. Zugleich ermöglichte sie beispielsweise den Kauf von Aktien auf Pump. Banken haben für ihre Kunden Millionen von Depots eröffnet, die gleich mit einer Kreditlinie für den Aktienkauf verbunden waren. In den Folgemonaten entwickelte sich eine Blase, die ab Mitte Juli gekippt ist. Der Leitindex Shanghai Composite stand da bei 5166 Zählern, am Donnerstag rutschte er auf 3125. Als Untergrenze gilt gemeinhin das Niveau dicht über 2000 Punkten, auf dem Index zuvor jahrelang vor sich hingedümpelt hat.

Damit ist Premier Lis Projekt einer Belebung des Aktienmarktes vorerst gescheitert. Die einfachen Bürger verbinden damit vor allem Geldvernichtung: Während sie auf ihren Krediten sitzengeblieben sind, haben Profi-Investoren Kasse gemacht.

Das Platzen der Blase ist indessen nicht zwingend ein Zeichen für katastrophale Zustände in der chinesischen Volkswirtschaft. Gerade weil der Markt bisher nur eine untergeordnete Rolle für die Finanzierung von Unternehmen spielt, ist seine Verzahnung mit der Realwirtschaft nur schwach ausgeprägt. „Der Aktienmarkt reflektiert in China, anders als in anderen Ländern, nicht unbedingt den Zustand der Makroökonomie“, sagt Analyst Yu von der ABC. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Firmen ist börsennotiert. Auf Seite der Anleger ist die Börse vor allem Spielwiese für kurzfristig orientierte Privatanleger und Profi-Spekulanten, die diese abzocken.

Dass der chinesische Konjunkturmotor merklich stottert, ist nichtsdestotrotz einer der Gründe für das schnelle Zusammenfallen der Blase in den vergangenen Monaten. Ebenfalls am Donnerstag hat die Zentralbank den Wechselkurs für die chinesische Währung, den Renminbi, schwächer angesetzt. Das hält Analyst Yu für einen verstärkenden Grund für den Kursabsturz: Die Führung des Landes sieht offenbar zusätzliche Probleme auf die Exportwirtschaft zukommen.

Die chinesische Währung wird nicht frei am Markt gehandelt, stattdessen setzen die Behörden den Kurs. Die jüngste Abwertung im Vergleich zum Dollar in der Größenordnung von 0,5 Prozent weckt gerade in den Vereinigten Staaten bereits Ängste vor einem Handelskrieg.

Aus europäischer Sicht erscheint die Neubewertung des Renminbi jedoch als reine Anpassung an die Gesamtlage: Die China-Devise steht im Vergleich zum chronisch schwachen Euro immer noch 18 Prozent über dem Wert, den sie vor zwei Jahren hatte und gilt damit als moderat überbewertet. Auch Japan hat in diesem Zeitraum seine Währung abgewertet. China steht in Zeiten schwachen Wachstums unter Druck, bei dem Negativ-Wettlauf mitzuziehen. Europa ist für China ein wichtigerer Handelspartner als die Vereinigten Staaten. Devisenexperten erwarten daher eine weitere Schwächung des Renminbi, solange der Euro im Keller hängt.

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