Es wird wohl Zeit, dass die Manager bei Daimler sich ein wenig mit der arabischen Sprache und Gepflogenheiten vertraut machen. Denn mit Abu Dhabi beteiligt sich nach Kuwait nun das zweite Emirat an dem Unternehmen. "Ahlan wa sahlan" kann Daimler-Chef Dieter Zetsche nun Abu Dhabi zurufen. Noch heißt er den neuen Großaktionär auf Deutsch herzlich willkommen.
Ihm dürfte dabei auch ein Stein vom Herzen fallen. Denn finanzielle Unterstützung und einen potenten Großaktionär können die Stuttgarter derzeit gut gebrauchen, nachdem der eigene Investitionsausflug zu Chrysler in den USA gründlich schief gelaufen ist und Milliarden verschlungen hat. Geld, das für wichtige Zukunftsinvestitionen fehlt. Und als Oberklassenhersteller muss das Unternehmen umsteuern, da die dicken Schlitten derzeit wenig gefragt sind und spritsparende Technologien wichtiger denn je werden.
Daimler fließen durch das Engagement von Aabar Investments aus Abu Dhabi knapp zwei Milliarden Euro zu. Dafür stockt der Autobauer das Grundkapital unter Ausschluss des Bezugsrechts bestehender Anteilseigner um zehn Prozent auf. Aabar erwirbt alle neuen Aktien und hält danach 9,1 Prozent an Daimler.
Der Anteil von Kuwait wird nach der Kapitalerhöhung 6,9 Prozent betragen. Dieses Emirat ist seit 1974 bei Daimler engagiert.Klares Ziel der Zusammenarbeit mit Abu Dhabi sind Projekte zur Senkung der CO2-Emission bei Fahrzeugen vor allem mit Elektroantrieb.
Zudem wird das Unternehmen mit dem neuen Großaktionär die Entwicklung und Produktion von neuen Verbundstoffen vorantreiben. Darüber hinaus sind soziale Projekte geplant, unter anderem ein Ausbildungszentrum in Abu Dhabi für junge Menschen, die später in der Autoindustrie arbeiten wollen.
Das Engagement von Abu Dhabi werde die finanzielle Basis vonDaimler deutlich stärken, sagte Zetsche. Ende vorigen Jahres betrug die Eigenkapitalquote im Industriegeschäft 42,7 Prozent, im gesamten Konzern erreichte sie 24,3 Prozent.
Aabar-Chef Khadem Al Qubaisi bezeichnete Daimler als "Marken-Ikone" und ein "finanziell starkes Unternehmen, das weltweit für Spitzenleistung bekannt ist". Der Manager zeigte sich überzeugt, dass der Einstieg bei Daimler nicht nur Aabar selbst, sondern auch Abu Dhabi und den Vereinigten Arabischen Emiraten soziale und wirtschaftliche Vorteile bringen werde.
Daimler hat als Folge der Finanzkrise und der Umweltdebatte Probleme beim Absatz bekommen. Im ersten Quartal dürfte das Unternehmen rote Zahlen schreiben, hatte Zetsche bereits vor einigen Wochen avisiert.
Die Bundesregierung begrüßte den Einstieg von Abu Dhabi ebenfalls. Sie sehe das Engagement von Aabar Investments bei Daimler "als positives Signal", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Mit der Investition würden auch die langfristigen Wachstumschancen und die Leistungsstärke der Branche in Deutschland anerkannt. Aabar wolle eine deutlich aktivere Rolle spielen als der bisherige Daimler-Großaktionär Kuwait, sagte Al Qubaisi. Er werde sich jedoch "nicht ins Tagesgeschäft einmischen". Einen Sitz im Kontrollgremium wolle er nicht ausschließen.
Mit dem Engagement des Emirats dürfte eine enge Kooperation von Daimler und BMW vom Tisch sein. Dagegen soll sich der BMW-Großaktionär, die Familie Quandt, gesperrt haben. Mit dpa
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