Das Bündnis zwischen dem französischen Autokonzern Renault-Nissan und Daimler schmeckt einigen Anteilseignern nicht. Ulrich Wecker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bezeichnet die Kooperation auf der Hauptversammlung eher als "Notgeburt" denn als ein "Wunschkind". Mit Blick auf die gescheiterte Ehe mit dem US-Autobauer Chrysler sagt ein anderer Aktionär: "Burger und Spätzle passen nicht zusammen. Spätzle mit Baguette und Sushi erscheint uns auch nicht attraktiver."
Gewollt optimistisch präsentiert Daimler-Chef Dieter Zetsche seine künftigen Pläne. "Wir wollen 2010 etwa doppelt so schnell wachsen wie der globale Pkw-Markt", gibt der Manager als Ziel vor - acht statt angenommener drei bis vier Prozent in der Branche.
Im vergangenen Jahr war der gesamte weltweite Absatz der Stuttgarter um 24 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge geschrumpft, der Umsatz sank um ein Fünftel. Und bei all dem kam ein Konzernverlust von 2,6 Milliarden Euro heraus. Aber: "Wir haben uns nicht darauf beschränkt, in der Krise den Kopf über Wasser zu halten", erklärt Zetsche den etwa 5000 Teilnehmern der Hauptversammlung. "Wir haben strategisch weiter unsere Hausaufgaben gemacht." Deshalb ist der Daimler-Chef nach wie vor fest davon überzeugt, den Fehlbetrag von zuletzt 1,5 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern diesmal in ein Plus von mehr als 2,3 Milliarden Euro verwandeln zu können. Seine Zuversicht speist er aus der Entwicklung der ersten drei Monate. Zuletzt sind die globalen Verkäufe um fast 27 Prozent geklettert.
Aktionärsschützer hegen massive Zweifel an der Führungsstärke des aktuellen Managements. Sie werfen ihm vor, noch immer nicht die Technologieführerschaft zurückerobert zu haben. Schon vor Beginn der Hauptversammlung haben sich Kritiker als "Sensenmänner" verkleidet vor dem Kongresszentrum in Berlin versammelt und dem Vorstand vorgeworfen, aus Profitgier Arbeitsplätze vernichtet zu haben. Die Zahl der Beschäftigten ist im vorigen Jahr weltweit um rund 16800 auf 256400 geschrumpft.
Hoffnung auf Dividende
Personalvorstand Wilfried Porth hält für die verbliebene Belegschaft eine positive Nachricht bereit: Die Kurzarbeit in Deutschland sei so gut wie beendet. Vorstand, Führungskräfte und rund 96000 Mitarbeiter bekommen demnach von Juli an auch wieder ihr volles Gehalt.
Die für 2009 leer ausgegangenen Aktionäre versucht Zetsche ebenfalls bei Laune zu halten. Für dieses Jahr sollen sie wieder eine Dividende erhalten, kündigt der Manager an. Ziel bleibe es, 40 Prozent des Konzernergebnisses auszuschütten. Dessen mögliche Höhe wurde bislang aber noch nicht umrissen. (mit dpa)
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