Vorstand, Führungskräfte und mehrere zehntausend Mitarbeiter beim Autobauer Daimler bekommen dank des anziehenden Autoabsatzes von Juli an wieder ihr volles Entgelt. "Die Gehaltskürzungen bei den Führungskräften laufen am 30. Juni ab", sagte Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Das war von Anfang an als ein zeitlich befristeter Solidarbeitrag gedacht." Beim Vorstand entspricht der Verzicht etwa zwei Monatsgehältern, bei leitenden Führungskräften einem Gehalt.
Mehrere zehntausend Tarifmitarbeiter müssen seit Mai vergangenen Jahres herbe Einbußen hinnehmen. Arbeitszeit und Monatslohn wurden um 8,75 Prozent gekürzt. Derzeit sind 96 000 Mitarbeiter davon betroffen. "Das werden wir auch nicht verlängern", sagte Porth. Die Maßnahmen sind teil des massiven Sparkurses, den Daimler-Chef Dieter Zetsche wegen der dramatischen Absatzkrise eingeschlagen hatte. Gespart wird auch künftig bei den Reisekosten und anderen Ausgaben. "Das ist eine Kultur, die wollen wir über die Krise retten."
In der Krise habe sich auch gezeigt, wie wichtig die Arbeit mit Leiharbeitern für Unternehmen in Deutschland sei, um flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren zu können. "Grundsätzlich hat die Krise eindeutig gezeigt, dass wir dieses Instrument brauchen", sagte Porth. Wichtig dabei: "Die Zeitarbeitgeber müssen dafür sorgen, dass sie über geeignete Qualitätskriterien und geeignete Vereinbarungen mit Gewerkschaften zu wertgeschätzten und anerkannten Arbeitgebern werden."
Vom Wachstum im Ausland profitieren
Die Stuttgarter haben momentan in der Produktion etwa 600 Leiharbeiter. "Daimler schließt nur Verträge mit Arbeitgebern ab, die ihre Mitarbeiter nach Tarifvertrag bezahlen", betonte Porth. "Ein Zeitarbeiter verdient bei uns so viel, wie ein anderer Mitarbeiter, der bei uns einsteigt."
Ob es künftig bei Daimler eine weitere Verlagerung der Produktion ins Ausland gibt, wollte der Manager nicht sagen. "Das wird von der Dynamik der Märkte in der Zukunft abhängen. Aber konkrete Pläne oder Entscheidungen dazu gibt es nicht."
Die traditionellen Märkte seien von ihren Wachstumsraten eher begrenzt. Interessant seien vor allem China und Indien. "Wenn man an diesen Wachstumsphasen im Ausland teilnehmen will, dann muss man sich auch vor Ort industriell engagieren. Und das tun wir." Davon profitierten auch die Standorte in Deutschland. "Das ist kein Trend gegen Deutschland. Wenn wir in China ein Werk ausbauen, dann profitiert Untertürkheim über Zulieferungen genauso wie wenn wir in Sindelfingen Fahrzeuge bauen." (dpa)
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.