Was treibt sie an, die Milliardäre der USA unter Führung des Starinvestors Warren Buffet, oder die wirtschaftlich Mächtigen Frankreichs? Sie fordern ihre Regierungen auf, die Steuern für die Reichen und Bestverdiener zu erhöhen. Sie betteln fast, die Regierung möge ihnen mehr wegnehmen als bislang. Das ist in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte ein ziemlich einmaliger Vorgang.
Ist es Patriotismus angesichts der Drohung der Ratingagenturen, solch stolzen Nationen wie den USA oder Frankreich die Top-Note zu entziehen? Ist es die schiere Angst um ihren eigenen Wohlstand angesichts panischer Börsen und zunehmender Gewaltbereitschaft auf den Straßen – etwa im Mutterland des Kapitalismus? Oder ist es schlicht Fairness, das Gefühl, dass die Gesellschaft zerreißen würde, wenn wie bislang vor allem die Mittelschicht und Armen für die Krise zahlen müssten?
Wie auch immer: Es ist ein ziemlich pragmatischer Vorstoß derjenigen, die die Mechanismen des Wirtschaftssystems verstehen. Sie stellen sich gegen ideologisch verblendete Kräfte wie die Tea Party in den USA oder die FDP in Deutschland, denen jegliche Steuererhöhung als Frevel gilt. Sie gestehen zumindest indirekt ein, dass die gegenwärtigen Probleme der Wirtschaft nicht an zu geringen Gewinnen der Unternehmen liegen, nicht an zu hohen Löhnen für die Arbeitnehmer oder zu hohen Steuern für die Firmen.
All das, wofür vor mehr als 30 Jahren Ronald Reagan und Maggie Thatcher in den Ring gestiegen sind, es ist vollbracht. Den Reichen und den Firmen im Westen geht es so gut wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Vermögensverteilung ist wieder da, wo sie zu Beginn der großen Krise in den 30er-Jahren war, die Gehaltsunterschiede zwischen Vorstandschefs und Arbeitern sind wieder da, wo sie um 1900 standen.
Dumm nur, dass es selbst in dieser idealen Konstellation Probleme gibt. Wer soll für Nachfrage sorgen, wenn die Staaten und die privaten Haushalte überschuldet sind? Wenn die Arbeitnehmer seit gut einer Dekade nicht mehr am Produktivitätsfortschritt beteiligt worden sind? Wenn ungelernte Arbeiter real deutlich ärmer geworden sind? Das sind die Fragen, die nicht nur die Börse schrecken.
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