Nach dem Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten will die Telekom ihren Datenschutz neu organisieren. Ein eigenes Vorstandsressort solle den Datenschutz zentral lenken und konzernweit umsetzen, sagte Telekom-Chef René Obermann am Freitag in Bonn. Er habe den Datenraub nicht öffentlich gemacht, um keine "Trittbrettfahrer" anzulocken, rechtfertigte sich Obermann. Einen Grund zum Rücktritt sah der Telekom-Chef nicht: "Ich glaube, das würde dem Unternehmen nichts nutzen."
Gleichzeitig musste die Telekom bekannt geben, dass es weitere Diebstähle von Kundendaten gegeben habe. Insgesamt liefen derzeit sieben Ermittlungsverfahren, unter anderem bei den Staatsanwaltschaften Berlin und München. In München sollen rund 70 000 Daten verschwunden sein. In einem Fall soll ein Mitarbeiter eines Call-Centers Datensätze entwendet haben, in einem weiteren Fall hat sich offenbar ein Vertriebspartner der Telekom illegal mit Daten versorgt. Diese Vorfälle seien mittlerweile "geschäftskritisch", hieß es aus Konzernkreisen. Laut Unternehmen steht ein früherer Mitarbeiter unter dringendem Tatverdacht.
Telekom-Kunden sollen künftig auf einer Internetseite über eine eventuelle Gefährdung ihrer Daten informiert werden, versprach Obermann. Der Konzern verpflichte sich freiwillig, Datenmissbrauch mitzuteilen.
"Das reicht nicht", sagte Silke Stokar, Datenschutzexpertin der Grünen im Bundestag der FR. "Wir brauchen eine gesetzliche Meldepflicht." Kunden müssten Schadensersatz-Ansprüche geltend machen können. "Eine Selbstverpflichtung ist nicht einklagbar", so Stokar. Die Telekom müsse "transparent machen, an wen sie die Daten weitergibt".
Die geplante Schaffung eines neuen Vorstandsbereichs für Datenschutz hat bei Aufsichtsräten der Telekom Verwunderung hervorgerufen. "Ich bezweifle, ob das der Sache dient und die Probleme löst", sagte T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm der FR. Es sei fraglich, ob die geplante Zusammenlegung der Sparten Recht, Compliance und Datenschutz zu mehr Sicherheit führe. Ungeklärt sei, wer im jetzigen Vorstand die Verantwortung für das Daten-Desaster trage. Zudem sei der Vorschlag mit dem Aufsichtsrat nicht besprochen. " Wir erfahren das erst durch die Medien, obwohl wir das entscheiden müssen", so Wilhelm.
Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar wurde nicht gehört. "Wir sind in die Entscheidung nicht eingebunden gewesen", sagte eine Sprecherin. Man begrüße aber, "dass die Telekom den Datenschutz in der Unternehmensleitung verankert".
Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert hofft nun auf "organisatorische Konsequenzen" bei der Telekom. "Dass Call-Center-Mitarbeiter auf riesige Datenbestände zugreifen können, ist Wahnsinn", so Weichert. "Wer derartige Löcher in seinem Datenschutz hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn etwas abhanden kommt."
Die Zugriffsrechte müssten eingeschränkt werden. Dass der Datenschutz bei der Telekom nun Priorität bekomme, begrüßt Weichert und warnt: "Ich weiß nicht, ob andere Anbieter besser aufgestellt sind."
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