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05. Oktober 2008

Datenschutz-Skandal: Telekom bricht Postgeheimnis

 Von MATTHIAS THIEME
Ham‘ wir schon wieder einen Skandal? Beckenbauers Nummer gab es im Internet.  Foto: dpa

Die Telekom-Tochter T-Mobile hat nach FR-Informationen ihren Kunden nicht nur den Diebstahl von 17 Millionen personenbezogener Daten verschwiegen, sondern offenbar auch ihre eigenen Aufsichtsräte überwacht. Von Matthias Thieme

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Der Datenskandal bei der Telekom weitet sich aus: Nach FR-Informationen hat die Telekom-Tochter T-Mobile ihren Kunden nicht nur über Jahre den Diebstahl von 17 Millionen personenbezogener Daten verschwiegen, sondern offenbar auch ihre eigenen Aufsichtsräte überwacht.

Wie aus Konzernkreisen bekannt wurde, hat T-Mobile die Einzelverbindungsnachweise der Aufsichtsräte jahrelang aufbewahrt und nach Personen sortiert in Ordnern abgeheftet. Betroffen sind auch ein halbes Dutzend Arbeitnehmervertreter, denen die geheimen Ordner nun ausgehändigt wurden. "Da ist Riesenmist gebaut worden", soll die interne Erklärung aus der Konzernführung sein.

Aufbewahrt wurden die Aktenordner ohne Wissen der Betroffenen bis 2006 nach FR-Informationen im Büro des Aufsichtsrats. "Die Konzernspitze hat dort jederzeit Zugang", heißt es aus Kreisen. "Das muss Absicht gewesen sein." Ein Gang ins Büro reichte demnach, um alle Verbindungsdaten der Aufsichtsratsmitglieder einzusehen.

"Das ist der Hammer", sagen Insider. Das Unternehmen leiste sich jeden Tag einen neuen Datenskandal. Ab jetzt könne man Konzernchef René Obermann die Rolle des größtmöglichen Aufklärers nicht mehr abnehmen, da er selbst zu dieser Zeit noch die T-Mobile-Tochter leitete. Die Betroffenen schalten nun ihre Anwälte ein und informieren die Staatsanwaltschaft über diesen "beispiellosen Bruch des Post- und Fernmeldegeheimnisses".

Änderung der Nummer möglich

Als hätte die Telekom nicht schon genug zu tun: Nachdem am Wochenende der größte Diebstahl von Kunden-Datenklau in der Geschichte des Unternehmens bekannt wurde, prüft das Bundeskriminalamt, welche Personen besonders gefährdet sein könnten. Die Beamten arbeiten nach FR-Informationen derzeit mit Hochdruck an einer Analyse möglicher Gefahren. Besonders die geheimen Straßennamen, Hausnummern und E-Mail-Adressen von Prominenten, die sich nun im Umlauf befinden, könnten aus Sicht der Ermittler zum Problem werden, wenn sie in falsche Hände gelangten. Betroffen sind laut Spiegel nicht nur viele Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling oder Günther Jauch, sondern auch eine große Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von Politikern, Ministern, Ex- Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern.

Die Telekom wusste seit April 2006 von dem Datendiebstahl und informierte schon damals die Staatsanwaltschaft, bestätigte ein Konzernsprecher auf FR-Anfrage. Doch ihren Kunden sagte die Telekom nichts über den unglaublichen Vorgang. Erst jetzt hat das Unternehmen eine Hotline eingerichtet (0800 330 034505) und bietet verunsicherten Kunden eine kostenlose Änderung ihrer Mobilfunknummer an. "Da wir nicht wissen, wer die Daten hat, können wir nur dieses Angebot machen", sagte der Sprecher. Entwendet worden seien Daten über Mobilfunkrufnummern, Namen, Postleitzahlen, Orte, Straßen, Hausnummern, Geburtsdaten und Mailadressen. Bankverbindungen und Kreditkartennummern von Kunden seien jedoch nicht in Umlauf, versicherte der Sprecher. Bundesweit hat T-Mobile aktuell mehr als 38 Millionen Kunden - vom Datenklau soll jeder zweite betroffen sein.

Telekom-Chef Obermann entschuldigte sich bei den Kunden, doch von allen Seiten hagelt es Kritik. Der Grünen-Bundespolitiker Volker Beck forderte, die Vorratsspeicherung von Telefondaten sofort zu stoppen. Die Daten der Bürgerinnen und Bürger seien bei der Deutschen Telekom nicht sicher, sagte Beck, der als Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag sitzt. Wo Datenberge entstünden, drohe stets fahrlässiger oder krimineller Missbrauch, warnte der Politiker.

Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert forderte die Einhaltung der Bestimmungen in den Unternehmen schärfer zu überwachen. Der Datenschutz sei "finanziell und personell viel zu schlecht ausgestattet".

Dem Spiegel waren die entwendeten Datensätze vorgelegt worden. Demnach war das brisante Material schon kurz nach dem Diebstahl im Jahr 2006 bei dubiosen Händlern und anonymen Anbietern im Internet aufgetaucht. Einige von ihnen kämen aus der Porno-Branche - darunter ein Erotikunternehmer aus Mainz. "Wir bedauern, dass wir die Daten unserer Kunden nicht schützen konnten", sagte T-Mobile-Geschäftsführer Philipp Humm. Mit Agenturen

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