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09. Februar 2016

Dax : An den Börsen bricht die Panik aus

 Von 
Händler an der Frankfurter Börse. Ist die Party vorbei?  Foto: Michael Schick

Der acht Jahre dauernde Boom der Aktienmärkte scheint überzugehen in einen Crash auf Raten, weltweit verlieren Anleger das Vertrauen. Was ist der Grund für die Aufregung?

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Die Deutschen fassen wieder Vertrauen in die Aktie.“ Diese Erfolgsmeldung verkündete am Dienstag Christine Bortenlänger vom Deutschen Aktieninstitut. Die Zahl der Aktieninhaber und Fondsanleger ist im vergangenen Jahr um 560 000 auf gut neun Millionen gestiegen.

Der Jubel über diese Erfolgsmeldung dürfte vielen Anlegern aber beim Blick auf die Kurse vergehen. Der acht Jahre dauernde Boom der Aktienmärkte scheint überzugehen in einen Crash auf Raten. Die Kursverluste vor allem bei den Banktiteln sind so groß, dass erfahrene Börsianer sich an die große Finanzkrise 2008 erinnert fühlen. Auch die Verunsicherung und das Misstrauen an den internationalen Finanzplätzen sind wieder zurück. Bereits am Rosenmontag war der Deutsche Aktienindex (Dax) um über drei Prozent abgesackt. Am Dienstag schwankte er stark. Seit Jahresbeginn ist er um fast ein Fünftel gefallen. Auch die asiatischen Märkte gingen, vor allem in Japan, in den Sinkflug.

Alarmierend ist die Lage der internationalen Großbanken – allen voran der Deutschen Bank. Gebeutelt von Rechtsstreitigkeiten und der Suche nach einer überzeugenden Strategie, sah sie sich genötigt, Beruhigungspillen im Doppelpack an die Investoren zu verteilen. Gleich zweimal beteuerte sie in den vergangenen zwei Tagen, noch zahlungsfähig zu sein.

Erst erklärte sie, trotz eines Rekordverlusts im vergangenen Jahr die Zinsen für nachrangige Schuldverschreibungen, sogenannte Cocos, bezahlen zu können. Diese Papiere versprechen hohe Renditen und bergen hohe Risiken. Nach der ersten Erklärung notierte die Aktie der Deutschen Bank aber nur kurz im Plus. Also legte Vorstandschef John Cryan nach. „Sie können Ihren Kunden mitteilen, dass die Deutsche Bank angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide ist“, schrieb der Brite an die Beschäftigten. Und er sorgte dafür, dass sein Brief öffentlich wurde. „Der Markt hat sich auch besorgt gezeigt, ob unsere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ausreichen“, führte Cryan darin aus. „Diese Sorge teile ich keineswegs.“ Im weiteren Handelsverlauf setzte die Aktie dennoch ihre rasante Talfahrt fort.

Zweifel an der Niedrigzinspolitik

Die Deutsche Bank ist in diesem Jahr bisher schwächster Wert im Dax. Kreditausfallversicherungen, mit denen sich Anleger gegen Verluste der Bank absichern, erreichten das höchste Niveau seit gut vier Jahren. Insgesamt ist die Deutsche Bank an den Börsen weniger als 20 Milliarden Euro wert – selbst in der Finanzkrise wurde sie höher eingestuft. Der US-Gigant JP Morgan leidet selbst unter Kursabschlägen, bringt es aber auf zehnmal so viel Gewicht.

Faschingsfeier an der Börse Frankfurt.  Foto: dpa

Damit wird es für Deutschlands Nummer eins allmählich bedrohlich. Konkurrenten könnten sich die Deutsche Bank einverleiben. Und nichts ist für eine Bank so gefährlich wie Zweifel an ihrer Zahlungsfähigkeit.

Der Negativtrend an den Börsen ist aber bei den Banken nur besonders stark ausgeprägt. Der ganze Markt ist quer durch alle Branchen im Krisenmodus. Dafür gibt es eine Reihe guter Gründe. Erstens wachsen die Zweifel an der Wirksamkeit der niedrigen Zinsen. Mit ihrer Politik des billigen Geldes haben die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed die Konjunktur und noch mehr die Aktienmärkte gestützt. Doch wirklich befreit haben sie vor allem den Euro-Raum nicht von den schweren Krankheiten. Dafür hätten die Regierungen mehr Unterstützung leisten müssen.

In den USA wollte die Fed zurück zur Normalität und hat die Zinsen einmal erhöht. Doch weitere Schritte wird sie vorerst wohl meiden. Zu angespannt ist die Lage der Weltwirtschaft und der internationalen Finanzmärkte. Dies ist die zweite Erklärung für den Crash auf Raten: Schwellenländer wie China und Brasilien kämpfen mit ernsten Problemen. Die Weltwirtschaft bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Drittens ist die Freude über den niedrigen Ölpreis der Erkenntnis gewichen, dass ein solcher Preisverfall kein gutes Zeichen sein kann.

Generell fliehen Anleger wieder in Sicherheit. Sie verkaufen weltweit Aktien. Und sie stecken ihr Geld in vermeintliche sichere Produkte wie Bundesanleihen oder Gold. Unternehmen mit schlechter Bewertung müssen dagegen wieder extrem hohe Aufschläge bieten, um überhaupt noch an Euro oder Dollar zu kommen.

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