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25. März 2015

DAX: Deutsche Firmenchefs verdienen so viel wie nie

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Die Top-Verdiener unter den DAX-Chefs  Foto: FR-Grafik

Im Schnitt bekamen Top-Manager der Dax-Unternehmen 5,9 Millionen Euro - damit haben die Vorstandschefs im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Im weltweiten Vergleich bleibt es trotzdem ein unterdurchschnittlicher Verdienst.

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Die Vorstandschefs der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen haben im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Im Durchschnitt erhielten sie jeweils 5,9 Millionen Euro, nach 5,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das ergab eine Auswertung der Vergütungsberichte aller im deutschen Leitindex Dax notierten Konzerne durch die Unternehmensberatung hkp. Seit 2006 müssen die Dax-Konzerne genau auflisten, welcher Vorstand wie viel verdient. Der Anstieg gegenüber 2013 lag somit bei 9,8 Prozent – auch das war ein Rekord.

Gleichzeitig verdienten die Konzerne auch mehr: Der durchschnittliche Gewinn lag bei 2,2 Milliarden Euro, der höchste Wert seit dem Jahr 2007, als sie unter dem Strich 2,4 Milliarden Euro verdienten. Laut einer Studie der Unternehmensberatung EY profitieren davon auch die Eigentümer: Die Börsenschwergewichte schütten demnach in diesem Jahr zusammen 29,5 Milliarden Euro Dividenden an ihre Aktionäre aus – noch ein Rekord.

Top-Verdiener war, wie schon im Jahr 2013, der Chef des Automobilherstellers Volkswagen, Martin Winterkorn, mit 15,9 Millionen Euro, gefolgt von Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 14,4 Millionen Euro.

Deutsche Bank sticht heraus

Zu beachten ist, dass die meisten Dax-Konzerne ihre Vergütung für 2014 erstmals nach einem neuen Standard ausgewiesen haben (detaillierte Erklärung siehe Infobox). Dieser schafft mehr Transparenz darüber, wie viel die Vorstände wirklich erhalten haben. Nur zwei Unternehmen – BMW und Merck – haben den Standard nicht genutzt, für sie fehlen daher vergleichbare Zahlen.

Am wenigsten von allen ganzjährig amtierenden Top-Managern erhielt 2014 der Chef des Halbleiterherstellers Infineon, Reinhard Ploss, mit knapp zwei Millionen Euro, gefolgt von Commerzbank-Chef Martin Blessing mit knapp 2,1 Millionen Euro und Beiersdorf-Manager Stefan Heidenreich mit etwas mehr als 2,1 Millionen Euro.

„In der Regel entwickelte sich die tatsächlich zugeflossene Vergütung im Einklang mit den Unternehmensergebnissen“, sagte Michael Kramarsch, Managing Partner bei hkp. Anders als in der Öffentlichkeit oft angenommen wird, sei eine Explosion der Vergütung der Vorstandschefs über die vergangenen Jahre hinweg nicht wahrnehmbar.

Im internationalen Vergleich verdienen die deutschen Manager sogar unterdurchschnittlich. Da Unternehmen in anderen Ländern nicht nach dem neuen Standard ausweisen, muss hierbei der Vergleich nach der bislang geläufigen Berechnungsmethode (siehe Infobox) herhalten: Demnach verdienten deutsche Unternehmensführer im Schnitt 5,5 Millionen Euro, in Europa insgesamt waren es bei den großen Firmen, die schon Zahlen vorgelegt haben, 6,2 Millionen Euro, in den USA umgerechnet 13,3 Millionen Euro.

„Deutschlands Vorstandsetagen sind aber dennoch nicht entvölkert“, sagte Kramarsch. Dennoch verteidigen deutsche Unternehmen die im Vergleich zu Normalbürgern exorbitanten Gehälter häufig damit, dass ihnen sonst die Manager weglaufen und im Ausland anheuern würden.

Weltweiter Top-Verdiener bei großen börsennotierten Unternehmen war 2014 nach jetzigem Berichtsstand der Chef des US-Unterhaltungskonzerns Walt Disney, Robert Iger, mit umgerechnet 32,1 Millionen Euro.

Besonders auffällig war 2014 die Erhöhung der Grundgehälter der beiden Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Ihr Fixgehalt stieg um satte 65 Prozent von jeweils 2,3 Millionen Euro auf 3,8 Millionen Euro. „Eine solche Erhöhung der Grundvergütung hat es in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands noch nie gegeben“, sagte Kramarsch. Sie sei Zeichen einer vollkommen fehlgelaufenen Bankenregulierung. Nach neuen gesetzlichen Regeln sind die Boni für Banker begrenzt – was dazu geführt hat, dass die Institute schlichtweg die nicht an Ziele gebundenen Fixgehälter erhöhen.

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Ebenfalls ungewöhnlich sind die Daten des Energiekonzerns Eon. Firmenchef Johannes Teyssen musste bereits ausgezahltes Geld – insgesamt 434 398 Euro – aus seiner mehrjährigen variablen Vergütung an den Konzern zurückzahlen, da offenbar Ziele verfehlt wurden. Insgesamt bekam er dennoch 3,2 Millionen Euro. Dagegen kassierte Continental-Chef Elmar Degenhart aus seiner mehrjährigen variablen Vergütung 226 Prozent mehr als im Vorjahr, insgesamt 2,5 Millionen Euro. Sein Gesamtverdienst lag bei 6,2 Millionen Euro.

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