Wenn Firmen ihre Mitarbeiter loswerden wollen, beginnt Helmut Naujoks lukratives Geschäft: Sein Duisburger Strategie- und Beratungsunternehmen weist Arbeitgeber an, wie sie "Unkündbare kündigen können". Dazu gehören Schwangere oder Betriebsräte. "Bei der richtigen Strategie kann selbst ein 15-köpfiger Betriebsrat gekündigt werden", brüstet sich Naujoks.
Werner Koleczko war auch einmal ein "Unkündbarer". Der 52-jährige Betriebsratsvorsitzende einer baden-württembergischen Firma sollte mit Hilfe von Naujoks aus dem Betrieb geschmissen werden. Er wurde mit einer Flut von Abmahnungen überzogen, etwa weil er wegen der Reparatur eines Getränkeautomaten die Mittagspause um drei Minuten überzogen habe. "Es begann ein Nervenkrieg", sagt Koleczko.
Mit seinem Anwalt hat er es geschafft, die Kündigungen abzuwehren. Aber die weiteren Betriebsräte waren laut IG Metall so mürbe, dass sie gegen kleine Abfindungen gingen und durch eine arbeitgeberfreundliche Gruppe ersetzt wurde.
Naujoks System hat sich deutschlandweit einen Namen gemacht. Anwaltskollegen wollen nicht mit dem Juristen in einem Atemzug genannt werden. Verdi bezeichnet den hochgewachsenen Juristen als "brutalen Betriebsratskiller, dem jedes Mittel recht ist". Für eine Gebühr von knapp 1000 Euro täglich erklärt er Managern, wie sie Betriebsräte sprengen oder jahrzehntelang Beschäftigte loswerden können.
Christina Frank von der Gewerkschaft Verdi in Stuttgart vernetzt gerade deutschlandweit die Geschädigten von Naujoks. Sie beschreibt dessen Strategie so: Zuerst werde versucht, einen Keil zwischen die Beschäftigten und ihren Betriebsrat zu treiben. Dann sammeln Vorgesetzte Unterschriften gegen die Interessenvertreter und üben dabei oft massiven Druck aus. Parallel dazu werden Fehler gesucht, zum Beispiel bei Reisekostenabrechnungen. Es folgen Amtsenthebungsverfahren, Abmahnungen und Kündigungen.
Naujoks selbst distanziert sich von Mobbing-Methoden. Er vertrete nur die Interessen seiner Mandanten, sagt er. Er wolle helfen, Faulenzern, Blaumachern und Arbeitsverweigerern zu kündigen.
Aber auch die Betriebsräte qualifizieren sich. Mittlerweile mehren sich deutschlandweit Schulungsinstitute für die gewählten Vertreter. Der Arbeitskampf wird zunehmend zu einem juristischen Kräftemessen.
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