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Axel Weber zieht Bilanz: Des Zinsfalken letzter Flug

Bundesbankpräsident Axel Weber feiert seinen 54. Geburtstag mit seiner letzten großen Pressekonferenz und wagt einen Blick in seine Zukunft.

Strahlend kommt Axel Weber zu seiner letzten Jahrespressekonferenz als Bundesbankpräsident in die Frankfurter Zentrale.
Strahlend kommt Axel Weber zu seiner letzten Jahrespressekonferenz als Bundesbankpräsident in die Frankfurter Zentrale.
Foto: dapd
Frankfurt –  

Jahresabschluss 2010 steht in großen Lettern auf der Projektionsfläche hinter dem Podium. Was in dreierlei Hinsicht zutreffend ist. Denn im eleganten, mit dunklem Holz getäfelten Vortragssaal des Bundesbank-Gästehauses wird an diesem Dienstag nicht nur die Bilanz der deutschen Notenbank vorgestellt. Es ist auch ein besonderer Tag für Axel Weber: Der Bundesbankpräsident gibt seine letzte große Pressekonferenz, bevor er zum 30. April frühzeitig aus dem Amt scheidet – und es ist sein 54. Geburtstag.
Entsprechend beschwingt und mit einem breiten Lächeln tritt der sonst für seine Zurückhaltung bekannte Weber denn auch auf. Fotoapparate rattern in Serienbildfunktion, die Kameras in dem mit Journalisten voll besetzten Saal fangen jede Bewegung des Bundesbank-Chefs ein. „Dann wollen wir mal beginnen“, sagt dieser. „Ich bin ja heute nicht gekommen, um meinen Geburtstag zu feiern.“

Bund kassiert weniger

Kein Spielraum

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fehlen angesichts des geringeren Jahresüberschusses der Bundesbank 800 Millionen Euro in seinem aktuellen Haushalt. Zwar hatte er schon mit weniger Gewinn als in den Vorjahren gerechnet, dennoch aber drei Milliarden Euro erwartet. Der Fehlbetrag ist kein Pappenstiel, aber noch verkraftbar, heißt es im Ministerium.
Die Konjunktur läuft weiterhin deutlich besser als gedacht, so dass sich Steuereinahmen und Arbeitsmarktausgaben günstig entwickeln.
Kein Geld bleibt mehr übrig, um die Verbindlichkeiten aus dem mit dem Konjunkturprogramm aufgelegten Investitions- und Tilgungsfonds abzutragen. Einen Dämpfer bekommen die Hoffnungen auf rasche Steuersenkungen, die durch Äußerungen Schäubles, es könne in dieser Wahlperiode doch noch Spielraum für Entlastungen geben, neue Nahrung bekommen hatten. msv

Noch ein Lächeln in die Runde – und schon weicht die entspannte Miene dem fokussierten Blick des Zinsfalken: Die Falte zwischen den dunklen Brauen wird tiefer, die Lippen schmal – jetzt sind erst einmal die Zahlen an der Reihe.
Die Deutsche Bundesbank habe im Geschäftsjahr 2010 einen Jahresüberschuss von 2,2 Milliarden Euro erzielt, trägt Weber vor. Im Vergleich zur Vorperiode halbierte sich der Gewinn nach Steuern damit nahezu, 2009 hatte die Notenbank noch 4,1 Milliarden Euro an den Bund überwiesen. Grund für den deutlichen Rückgang des Ertrags sei vor allem eine Erhöhung der Risikovorsorge um 1,6 Milliarden Euro. „Insbesondere im Hinblick auf die im Zuge der Finanzkrise deutlich gestiegenen Bestände an risikotragenden Aktiva war eine Aufstockung der Risikovorsorge notwendig“, sagt Währungshüter Weber.

Gewinnschmälernd habe sich auch die Höhe der Zinserträge ausgewirkt, die unter den niedrigen Leitzinsen gelitten hätten. Der Goldbestand war mit 0,17 Prozent weniger ziemlich stabil, dafür kletterte dessen Wert um 31,5 Milliarden auf 107,4 Milliarden Euro. Dieser Bewertungsgewinn wird nicht ausgeschüttet.
Anschließend spricht Weber über die Entwicklung in Deutschland und prognostiziert für 2011 einen „breit angelegten Aufschwung“. Er redet über die Staatsfinanzen, die mit einer Defizitquote von 3,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt und einer Schuldenquote von über 80 Prozent zwar nicht rosig aussehen. „Wenn am Sparkurs festgehalten wird, könnte das Defizit im kommenden Jahr aber auf zwei Prozent sinken“, meint Weber.

Und er spricht über die Stabilität des Euro. Denn seit der geldpolitische Hardliner vor knapp einem Monat seinen Rückzug aus der Bundesbank bekanntgab und zudem erklärte, dass er auch nicht für den Posten an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Verfügung stehe, ist von einem Verfall der Stabilitätskultur die Rede. „Wer passt jetzt auf unseren Euro auf?“ oder „Axel Weber geht, die Inflation kommt“, titelten einige Zeitungen.

Doch Weber weist dies weit von sich. „Das Eurosystem und seine Stabilität hängen nicht an einzelnen Personen“, versichert er. „Das klare Mandat zur Sicherung der Preisstabilität wird dafür sorgen.“ Er gehe jetzt, weil er nicht die Verantwortung für Inhalte übernehmen wolle, von denen er nicht überzeugt sei. Gemeint sind die Staatsanleihekäufe der EZB, die er schon früher kritisiert hatte.

Wirklich interessiert sind die Zuhörer aber eigentlich nur an einem Thema: Was macht Axel Weber, der in seiner Freizeit gerne Marathon läuft, nach seiner siebenjährigen Amtszeit, nach dem 30. April? Ob er sich zutraue eine große internationale Bank zu führen, fragt ein Journalist. Er hofft damit auf eine Erhellung von Spekulationen, Weber könnte als Chef der Deutschen Bank anheuern.

Der künftige Professor

Er habe seiner Erklärung vom 11. Februar nichts hinzuzufügen, antwortet dieser – und fügt dann doch noch etwas hinzu: Aus dem Bundesbankchef werde wieder ein aktiver Wirtschaftsprofessor, lässt der 54-Jährige wissen.
Seine Beurlaubung von der Universität in Köln dauere noch ein Jahr, das er – wenn alles klappt – als Gastprofessor an der Universität von Chicago verbringen will. „Das ist die erste Adresse für einen Monetaristen. Dort werde ich den Pulsschlag der Wissenschaft wieder aufnehmen“, verkündet er mit sichtlicher Vorfreude – und mit einem schalkhaften Lächeln fügt er an: „Und Sie können spekulieren, so viel Sie wollen.“

Autor:  Antje Schüddemage
Datum:  8 | 3 | 2011
Kommentare:  2
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