Wo ist der Hausmeister im Zug? Wo steckt die Putzkolonne? Vor gut einem Jahr hatte Bahnchef Rüdiger Grube eine umfassende Kunden- und Qualitätsinitiative angekündigt. Danach sollen bis 2015 rund 330 Millionen Euro unter anderem in sauberere Züge, bessere Kundeninformation, Bahnsteig-Wetterhäuschen und selbst in einen Mann für alle Fälle investiert werden, der Kleinreparaturen in Zügen gleich während der Fahrt erledigt.
Was ist aus diesen vollmundigen Versprechungen geworden? Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat in seinem jüngsten Bahntest die Initiative genauer unter die Lupe genommen. Fünf Monate lang ließ der VCD untersuchen, ob sich etwas getan hat in Sachen Reisequalität. Dabei wurden zwischen April und September die Erfahrungen Hunderter Bahnkunden auf insgesamt 1404 Fahrten mit den Fernzügen der Deutschen Bahn untersucht.
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Note Drei für das Klo
Ergebnis: „Ein Jahr nach der Ankündigung der Initiative gibt es noch immer viele Mängel“, sagte VCD-Bahnexpertin Heidi Tischmann am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie. Vor allem verspätete Züge, schmutzige Toiletten und mangelhafte Informationen sind für Fernreisende der Bahn weiterhin ein großes Ärgernis, wie die Umfrage ergeben hat. Die schlechtesten Noten gab es für mangelnde Informationen bei Fahrplanabweichungen – nämlich eine 3,2. Jeder dritte Zug erreiche sein Ziel nicht pünktlich. Das beginne oft schon am Einsatzbahnhof, den 18 Prozent der Züge bereits mit Verspätung verlassen würden. Die von der Deutschen Bahn seit kurzem veröffentlichten Pünktlichkeitsdaten weichen im positiven Sinne von der Umfrage ab. Dies liege daran, dass die Bahn auch Zwischenhalte einbeziehe, die rechtzeitig erreicht werden, sagte Thomas Krautscheid vom Qualitätsforschungsinstitut Quotas, das die Umfrage im Auftrag des VCD erstellt hat.
Ebenfalls nur mit Befriedigend bewerteten die Reisenden die Sauberkeit der Toiletten. Vor allem die WC in IC- und EC-Zügen schnitten schlecht ab. Die Züge erhielten zudem ähnlich schlechte Noten für ihre mangelnde Ausstattung. Welch Wunder: Die IC/EC-Flotte der Deutschen Bahn bringt es auf ein Durchschnittsalter von 40 Jahren. Ein Bahnsprecher verwies darauf, dass die Bahn ein umfangreiches Modernisierungsprogramm in neue Züge aufgelegt habe. So werden Milliarden in die Nachfolge-Generation der IC/EC-Flotte, in neue Doppelstockzüge für den Fernverkehr und in das Re-Design der ICE-2-Züge investiert. Die komplette IC/EC-Flotte wird zudem modernisiert, um die Lücke bis zur Inbetriebnahme der neuen Züge halbwegs zu schließen. Auch an der Sauberkeit der Züge inklusive Toiletten und der besseren Fahrgastinformation arbeite die Bahn: „Dies ist Bestandteil unserer Kundeninitiative, da wird sich in Zukunft etwas tun“, versprach der Sprecher.
Aus Sicht des VCD kommt die Milliarden-Investition in neue Züge allerdings viel zu spät. „Das hätte eher passieren müssen, vor allem der Mangel an Zügen führt zu etlichen Verspätungen“, kritisierte Tischmann. Es werde noch etwa zehn Jahre dauern, ehe genügend neue Züge auf den Gleisen stehen würden.
VCD-Chef Michael Ziesak attestierte der Bahn aber auch gute Noten: Besonders positiv bewertet wurden in der Umfrage Kompetenz und Freundlichkeit der Zugbegleiter sowie saubere Bahnhöfe, insbesondere in Ostdeutschland. Kunden, die häufig mit dem Zug fahren, seien zufriedener als Wenigfahrer. „Insofern ist die Bahn besser als ihr Ruf“, sagte Ziesak. Er forderte die Bahn auf, genügend Reservezüge bereitzuhalten und zudem mehr Geld in Weichenheizungen und Enteisungsanlagen zu investieren.
Auch hier hat die Bahn inzwischen nachgelegt. Ob das für den Winter reicht, muss sich aber noch zeigen. Auch der Fahrplan der Bahn müsse so verändert werden, dass mehr Anschlusszüge erreicht werden, so der VCD-Chef. Der aktuelle Fahrplan funktioniere nur dann optimal, wenn es keine Störung gibt. Besser wäre ein Taktfahrplan, der Störungen stärker berücksichtigt.
Mehr Personal gefordert
Vor allem dürfe die Bahn nicht am Personal sparen. Wie berichtet, sollen in den Reisezentren bis zu 700 Stellen und bei der ICE-Reinigung 150 Jobs wegfallen. Dies sei ein falsches Signal: „Was wir brauchen, sind kürzere Intervalle bei der Zugreinigung“, so Ziesak. Die Toiletten dürften auch ruhig zweimal während der Fahrt saubergemacht werden. Auch auf Bahnsteigen und in der Zuginformation wünschte sich der VCD mehr Bahn-Mitarbeiter.
Unverständlich sei bei all den Problemen die für Mitte Dezember angekündigte Fahrpreiserhöhung um 3,9 Prozent: „Das passt vorn und hinten nicht“, kritisierte der VCD-Chef. Weder werde sich der Reisekomfort im kommenden Jahr weiter verbessern, noch habe die Bahn Preiserhöhungen nötig. Schließlich erwarte sie für 2011 erneut einen Milliardengewinn – „und für teure Zukäufe im Ausland reicht ebenso das Geld“.
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