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14. Dezember 2012

Deutsche Bahn: Kein Verlass auf Bahn-Buchungssystem

 Von Eckhard Stengel
Reisende am Hauptbahnhof von Darmstadt. Foto: dpa

Wegen Computerproblemen berappen Bahnkunden für manche Regionalzug-Tickets viel mehr als nötig. Die Deutsche Bahn schafft es nämlich nicht, die besonders preisgünstigen Ländertickets in jedem Fall korrekt in ihrem Auskunfts- und Buchungssystem zu berücksichtigen.

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Wer an Fahrkartenautomaten oder im Internet Tickets für Regionalzüge kauft, zahlt unter Umständen wesentlich mehr als eigentlich nötig. Das haben Recherchen der Frankfurter Rundschau ergeben. Der Grund: Die Deutsche Bahn (DB) schafft es nicht, die besonders preisgünstigen Ländertickets in jedem Fall korrekt in ihrem Auskunfts- und Buchungssystem zu berücksichtigen. Mal werden sie gar nicht angeboten - mal sollen die Kunden teurere andere Fahrkarten kaufen oder gleich zwei Länderbilletts auf einmal, obwohl eines reichen würde.

In Hessen wird Länderticket nicht angezeigt

Gar nicht angeboten wird das Länderticket bei der Suche nach Verbindungen in Hessen. Zum Beispiel für eine Werktagstour von Frankfurt a.M. nach Kassel und zurück. Wer sich auf Regionalzüge beschränkt, bräuchte nur 32 Euro für ein Hessenticket auszugeben. Doch die Bahnhofsautomaten und die Internetseite www.bahn.de kennen für diese Verbindung nur die normale Hin- und Rückfahrkarte für 68,20 Euro oder aber das 44 Euro teure „Quer-durchs-Land-Ticket“ (quasi die Werktagsausgabe des bekannten „Schönes-Wochenende-Tickets“). Ein DB-Sprecher nennt den Grund dieser Angebotslücke: Das Hessenticket ist kein DB-Produkt, sondern wird allein von den regionalen Verkehrsverbünden NVV, RMV und VRN herausgegeben.

Auch für Regionalzüge in Berlin und Brandenburg offeriert die elektronische Fahrplanauskunft kein Länderbillett („Brandenburg-Berlin-Ticket“). Aber hier werden die Kunden jedenfalls nicht mit unnötig teuren anderen Fahrscheinen abgespeist. Vielmehr zeigt der DB-Auskunftscomputer überhaupt keine Nahverkehrstarife an („Preisauskunft nicht möglich“). Denn hier gelten spezielle Preise eines Zwei-Länder-Verkehrsverbundes; und Verbundtarife werden vom DB-Computer grundsätzlich nicht angezeigt - außer neuerdings in Schleswig-Holstein. „Das ist ein Manko, an dem wir arbeiten“, sagt der Bahnsprecher. Aber das kann dauern: „Wir müssen die Tarifwelt von Verbünden mit unserer zusammenzubringen. Das ist ein extrem aufwändiges Verfahren.“

Nur wer sich auskennt wird stutzig

Andere Länder, gravierendere Probleme: In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen gelten die jeweiligen Ländertickets auch für Tagesausflüge in bestimmte Nachbarländer. Aber das DB-System erkennt nicht, dass damit auch die Rückfahrt abgedeckt ist.

Zum Beispiel kostet eine Tagestour von Hannover nach Bremen und zurück eigentlich nur 22 Euro für ein Niedersachsen-Ticket. Doch der Computer fordert das Doppelte: ein Ticket für die Hinfahrt, eins für die Rückfahrt, macht 44 Euro - oder ersatzweise das gleich teure „Quer-durchs-Land-Ticket“.

Nur wer sich mit den Bahntarifen auskennt, wird bei solchen Angeboten vermutlich stutzig, bricht die Buchung ab und kauft sich lieber direkt das passende Länderticket. Das lässt sich nämlich auch zielgerichtet ansteuern: am Automaten über das Feld „Gesamtes Angebot“, im Internet unter „Angebotsberatung“. Aber wer das nicht weiß, zahlt womöglich kräftig drauf.

Günstige Ländertickets

In fast allen Bundesländern gibt es sogenannte Ländertickets, die einen Tag lang für beliebig viele Regionalzugfahrten und oft auch für Buslinien gelten, teils sogar für Touren in Nachbarbundesländer und zurück. Bis zu fünf Personen können damit reisen - entweder zum Einheitspreis wie in Hessen (32 Euro), Berlin/Brandenburg (29 Euro) und Nordrhein-Westfalen (39,50 Euro) oder aber nach Personenzahl gestaffelt wie in den anderen Ländern (zwischen 22 und 39 Euro).

An Samstagen oder Sonntagen gelten die Tickets ganztägig bis 3 Uhr in der Folgenacht; montags bis freitags beginnt die Gültigkeit erst um 9 Uhr morgens, wegen des Berufsverkehrs. Wer an einem Tag unbegrenzt viele Bundesländer im Regionalzug bereisen will, greift samstags oder sonntags zum „Schönes-Wochenende-Ticket“ (42 Euro für fünf Personen) oder montags bis freitags zum „Quer-durchs-Land-Ticket“ (44 Euro für eine Person plus 6 Euro pro Mitreisenden). Am Schalter sind alle Tickets zwei Euro teurer. (stg.)

Komplexe Programmieraufgabe

Sogar am Schalter könnte das passieren. Denn dort wird dasselbe Buchungssystem verwendet wie am Automaten oder im Internet. „Aber die Kollegen sind ja geschult in den verschiedenen Angeboten und werden nicht zwei Tickets verkaufen“, glaubt der DB-Sprecher.

Keine Probleme mit überteuerten Fahrkarten gibt es in Bayern, Baden-Württemberg und NRW, denn hier gelten die Ländertickets nur im eigenen Bundesland - und damit kommt das Bahnsystem zurecht.

Das Problem mit den länderübergreifenden Fahrten besteht schon lange: Verbindungsauskünfte mit Länderticket-Buchung gibt es an Automaten seit 2008 und online seit April 2010. Doch erst 2013 will die DB daran etwas ändern. „Das ist eine sehr komplexe Programmieraufgabe“, meint der DB-Sprecher. Zudem seien nur relativ wenige Kunden betroffen. Denn die meisten der jährlich 13 Millionen Ländertickets würden nicht über die Verbindungsauskunft, sondern durch zielgerichtetes Anklicken gekauft.
Immerhin ist die Bahn aber bereit, „auf Kulanzbasis“ etwaige Schäden zu erstatten. Wer sich also eine unnötig teure Fahrkarte ausdrucken ließ, kann sich die Differenz zum Länderticket erstatten lassen - entweder über www.bahn.de/kontakt (Stichwort Kundendialog) oder schriftlich beim DB-Kundendialog, Postfach 100613, 96058 Bamberg - vorausgesetzt, er oder sie hat die überteuerte Fahrkarte noch aufgehoben.

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