Berlin. Wie war das noch mal? Die Deutsche Bahn wird der größte Logistikkonzern der Welt, profitiert von der Globalisierung, verwöhnt Aktionäre mit hohen Renditen - so schwärmte einst Vorstandschef Hartmut Mehdorn. Mit großen Worten erzählte er noch vorigen Herbst seine "Börsen-Story".
Heute ist man auch in der Bundesregierung froh, dass die Teilprivatisierung des letzten großen Staatskonzerns Anfang Oktober erst einmal abgeblasen wurde. "Den Börsengang kann sich der Konzern abschminken", heißt es inzwischen in Aufsichtsratskreisen, "das wird Mehdorn als Vorstandschef nicht mehr erleben".
Zwar läuft sein Vertrag noch bis 2011. Doch bis dahin werden die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden sein. Das weiß niemand besser als Mehdorn selbst.
Der Bahnvorstand hat sich von seiner Mittelfristplanung verabschiedet - und erwartet nun ein viel geringeres Wachstum von Gewinn und Umsatz, als vor dem Börsengang prognostiziert. Das belegt das interne Zahlenwerk, das kürzlich vom Magazin Capital veröffentlicht wurde.
Danach kommt die Verkehrstochter DB ML - in der für den Börsengang Fern-, Regional-, Güterverkehr und Logistik vereint wurden - dieses Jahr zwar noch relativ ungeschoren davon. Mit zwei Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen bei 33 Milliarden Euro Umsatz würde das Planziel fast erfüllt.
Doch in den nächsten fünf Jahren fällt der Einbruch nach einer Szenario-Rechnung des Vorstands umso schlimmer aus: Im Vergleich zur bisherigen Planung macht die Bahn von 2009 bis 2013 insgesamt mehr als 13 Milliarden Euro weniger Umsatz und 2,1 Milliarden Euro weniger Gewinn.
Die Folge: Der versprochene Abbau des riesigen Schuldenbergs von 6,8 Milliarden Euro kommt kaum voran. Auch die Kapitalrenditen, die Mehdorn versprach, sind passé. Statt bei stolzen 18,8 Prozent wird sie nach dem neuen Szenario bis 2013 bei unter 15 Prozent liegen.
Die Bahn fährt mit Karacho in die Krise. Der Expansionskurs Mehdorns schlägt ins Gegenteil um. Die Globalisierung sollte den zugekauften Logistik- und Transportfirmen der Bahn satte Gewinne bringen. Doch nun trifft den Konzern der weltweite Konjunktureinbruch umso heftiger.
Der Güterumschlag sinkt, als Folge davon tobt ein gnadenloser Preiskampf. Allein bei der Bahn stehen inzwischen mehr als 40.000 Güterwaggons herum, die nicht mehr gebraucht werden.
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