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23. Januar 2013

Deutsche Bahn SNCF: Bruderkuss der Konkurrenten

 Von 
Der Hochgeschwindigkeitszug TGV der französischen Bahn.  Foto: AFP

Statt Rivalität jetzt eitel Sonnenschein: Die Deutsche Bahn und ihr französischer Konkurrent SNCF beenden ihre jahrzehntelange Konkurrenz und wollen ihre gemeinsamen Angebote ausbauen.

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Was Jubiläen bewirken können: Jahrzehntelang waren die Deutsche Bahn (DB) und der französische Konkurrent SNCF erbitterte Wettbewerber. Die Deutschen werfen den Franzosen vor, ihr Eisenbahnnetz vor ausländischer Konkurrenz abzuschotten. Die Franzosen wiederum monieren, dass in Deutschland zwar inzwischen viele Wettbewerber wie die SNCF-Tochter Keolis fahren, aber diskriminiert würden.

Seit den jüngsten Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags scheint alles anders. Am Dienstag konnte man DB-Chef Rüdiger Grube und SNCF-Vorstand Guillaume Pepy beinahe freundschaftlich vereint bei einem Pressegespräch im Französischen Dom am Berliner Gendarmenmarkt und später beim Neujahrsempfang der Bahn erleben. „Unsere Bahnen haben gemeinsame Vorstellungen davon, wie der europäische Bahnmarkt der Zukunft aussehen soll“, sagte Grube. Sein französischer Kollege erwiderte: „Wenn es darum geht, die Bahnen gegen Wettbewerber wie Auto oder Flugzeug voranzubringen, dann arbeiten wir zusammen.“ Im reinen Wettbewerb zwischen den Bahnen blieben SNCF und DB aber Konkurrenten.

Das sind neue Töne. Und das hat nicht nur mit dem Jahrestag zu tun. Pepy leitet die SNCF seit Februar 2008, Grube die Bahn seit Mai 2009. Beide lösten sie mit Louis Gallois und Hartmut Mehdorn zwei charismatische Bahnchefs ab und rückten offenbar auch ab von alten Vorurteilen. Gemeinsame Projekte, von Mehdorn und Gallois angeschoben, wurden forciert und erfolgreich umgesetzt, vor allem der grenzüberschreitende Verkehr zwischen beiden Ländern. „Allein zwischen Paris und Frankfurt am Main beziehungsweise München waren seit 2007 bisher sieben Millionen Fahrgäste unterwegs“, sagte Grube.

Einheitliche Zulassungsregeln in Europa

Beide Strecken und die entsprechenden Hochgeschwindigkeitszüge wurden so ausgerüstet, dass der Bahnverkehr ohne Halt möglich ist. Der früher übliche Wechsel der Lok und des Lokführers an der Grenze entfällt. Die Züge werden von der gemeinsamen Tochter Alleo betrieben. Im März 2012 kam die Verbindung zwischen Frankfurt und Marseille hinzu. Dieses Angebot sei inzwischen von 130 000 Reisenden genutzt worden.

Bis zum 29. Januar bieten DB und SNCF zwischen Paris und Frankfurt beziehungsweise München das Élysée-Ticket-Spezial zum Schnäppchenpreis von 50 Euro (1. Klasse: 99 Euro) für die Hin-und Rückfahrt an. Es gilt vom 1. Februar bis zum 15. März.

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„Wir werden die grenzüberschreitenden Verbindungen weiter ausbauen“, kündigte Grube an. Dies gelte auch für den Güterverkehr. Allein zwischen München und Metz seien Güterzüge heute dank des durchgehend einheitlichen Systems zwei Stunden schneller unterwegs. Weitere Gemeinsamkeiten sehen Grube und Pepy im Lärmschutz, in der C02-Reduzierung sowie im Mitarbeiteraustausch. Rund 1000 Auszubildende hätten bereits vorübergehend die Uniformen getauscht. Vor allem aber machen sich die beiden Bahnchefs stark für einheitliche Zulassungsregelungen in Europa. „Es ist eine Schande, dass wir heute noch für jeden neuen Zug oder jede technische Neuerung 27 Zulassungen in den jeweiligen EU-Ländern benötigen“, kritisierte Pepy.

Dies will die EU-Kommission in den kommenden Jahren vereinheitlichen. Da sind sich Brüssel und die Bahnen einig. Nicht so bei den Plänen der Kommission, die Eisenbahnnetze in den Ländern von den jeweiligen Bahnbetreibern zu trennen. Da sind die Franzosen und Deutsche strikt dagegen, ebenso wie etwa die Bahnen in Italien, Österreich oder in der Schweiz. Die Franzosen hatten gerade Netz und Betrieb entflochten und streben nun wieder zum einstigen Zustand zurück. Die Systeme wirkten nur gemeinsam optimal, weil Betrieb und Netz zu stark mit einander verknüpft seien, erklärte Pepy. Die Jubiläumsparty kam da gerade zum rechten Moment, um das der EU-Kommission noch einmal deutlich zu machen.

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