Berlin. Die Deutsche Bahn (DB) und die russische Staatsbahn RZD streben nach FR-Informationen ein Bündnis an. Die beiden Staatsunternehmen verhandeln über eine Überkreuzbeteiligung, wie aus Unternehmenskreisen verlautet. Demnach macht der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube Tempo bei dem Vorhaben.
Gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Wladimir Jakunin werde er nächste Woche bei den deutsch-russischen Regierungskonsultationen im Schloss Schleißheim bei München Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew über die Pläne informieren. Ein Bahnsprecher betonte, bei dem Treffen gehe es um kleinere Kooperationen zwischen den Bahnen im akademischen Bereich. Aus Firmensicht hätte eine umfassende Partnerschaft, unterlegt durch einen wechselseitigen Anteilsbesitz, den Vorteil, dass damit die Position als international tätiger Konzern gefestigt würde.
Die russische Staatsbahn hat wiederholt ihr Interesse an einem Einstieg bei den Deutschen bekundet. "Früher oder später werden unsere Unternehmen als Co-Eigentümer zusammenwirken", sagte RZD-Chef Jakunin Anfang Juni der Financial Times Deutschland. Die beiden Unternehmen seien geographisch aneinander gebunden, kämpften gegen die gleichen Konkurrenten und könnten nur gemeinsam die Lücke zwischen westlichen und östlichen Standards schließen. Als Fürsprecher gilt auch Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn, der enge Kontakte nach Russland unterhält.
Ursprünglich wollte die RZD beim Bahnbörsengang rund fünf Prozent der Anteile an der DB übernehmen. Für ein solches Milliarden-Engagement fehlen ihr aber wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage derzeit die Mittel, so dass nur eine wechselseitige Beteiligung in Frage kommt. Die DB sieht darin die Chance, ihre Position als Logistikgroßanbieter und besonders im Frachtgeschäft zwischen China, Russland und Mitteleuropa auszubauen.
Ein Bahnsprecher sagte, "die Privatisierung der Bahn ist seit 2008 wegen der Situation auf den Finanzmärkten aufgeschoben, daran hat sich nichts geändert". Der Bundestages hatte in der Tat entschieden, die Deutsche Bahn vollständig im Eigentum des Bundes zu belassen. Zugleich heißt es aber in dem Beschluss: "An den zusammengefassten Verkehrs- und Logistikunternehmen werden Dritte beteiligt. Dafür bedarf es keiner gesetzlichen Änderung." Allerdings ist in dem Beschluss von "privatem Kapital" die Rede. Die RZD ist - noch - in Staatsbesitz.
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