Überraschend geräuschlos verlief am Donnerstag der erste Warnstreik in der Tarifauseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften Transnet und GDBA mit der Bahn: Nur vereinzelt kam es im Bundesgebiet zu Störungen. Die Bahn sprach von geringen Auswirkungen auf den Personenverkehr. Die Lage sei "entspannt", hatte Konzernsprecher Jürgen Kornmann bereits am gestrigen Vormittag kommentiert.
Die erfreuliche Nachricht für die Fahrgäste: In den nächsten Tagen wird es zunächst keine weiteren Ausstände geben. Frühestens am Montag könnten die Gewerkschaften erneut versuchen, mit Warnstreiks ihren Forderungen Druck zu verleihen.
Für Zugauskünfte hat die Bahn seit Mittwoch eine kostenlose Hotline geschaltet: 0800 0996633. Im Internet gibt das Portal www.bahn.de/aktuell Auskunft über die Lage.
Fahrgäste, die aufgrund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten konnten, bekommen Tickets ohne Aufschlag erstattet.
Begonnen hatte der Ausstand um 04.30 Uhr. Mehrere Regionalzüge in Bayern und Nordrhein-Westfalen, sowie Fernverbindungen zwischen Nürnberg und Hamburg sowie Nürnberg und Karlsruhe fielen aus. Auf der Strecke von Nord- nach Südbayern fielen 36 Regional- und sieben Fernverkehrszüge aus. Behinderungen gab es auch zwischen Köln und Düsseldorf, wo ein Stellwerk bestreikt wurde. An den Bahnhöfen in Hamburg, Magdeburg und Saalfeld legten die Mitarbeiter der Reisezentren vorübergehend ihre Arbeit nieder. Nach Angaben der Gewerkschaften beteiligten sich über 400 Beschäftigte an dem Warnstreik. Viele Reisende hatten für den Ausstand kein Verständnis. "In der derzeitigen Krise derartige Gehaltserhöhungen - tut mir leid, dafür habe ich kein Verständnis", sagte ein Bahnkunde in Köln. Vor allem Pendler ärgerten sich über Verspätungen und Ausfälle.
Gelassenheit hingegen am Frankfurter Hauptbahnhof: Die Lage war am Donnerstag kaum hektischer als an jedem anderen Morgen, an dem die Regionalzüge und ICEs die Pendler an den Gleisen abliefern. Besonnenheit und Verständnis für den Streik allenthalben - wohl auch deshalb, weil die Rhein-Main-Region zumindest am Donnerstag nicht zur Streikzone gehörte. "Problemlos" sei der Betrieb in Frankfurt gewesen, bestätigt ein Bahn-Sprecher. Kein Wunder: Gerade zwei ICEs waren im Depot geblieben.
Die Verhandlungen werden am heutigen Freitag fortgesetzt werden. Die Bahn, so Personalvorstand Norbert Hansen, werde den Gewerkschaften ein neues Angebot mit "weitreichenden Zugeständnissen" vorlegen, und zwar sowohl zu den Forderungen bei der Arbeitszeit als auch beim Lohn. Nach diesem Angebot, so der ehemalige Transnet-Vorsitzende, sehe er "keinen Anlass mehr" zu neuen Warnstreiks.
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