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21. Januar 2016

Deutsche Bank : Ungebremster Absturz

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Schreibt für 2015 rote Zahlen: Die Deutsche Bank.  Foto: dpa

6,7 Milliarden Euro Miese - Die Deutsche Bank fährt unter ihrem neuen Chef John Cryan einen Rekordverlust ein. Inzwischen ist das Geldhaus weniger wert als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor acht Jahren.

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Eine „bessere Deutsche Bank“ wolle er gemeinsam mit den Beschäftigten schaffen, kündigt Vorstandssprecher John Cryan in einem Schreiben an die Belegschaft an. Doch nachdem er am Mittwochabend überraschend den höchsten Verlust in der Geschichte des Konzerns bekanntgab, wachsen die Zweifel, ob ihm das gelingen kann. In rasantem Tempo setzte die Aktie ihre Talfahrt fort. Zeitweise verbuchte sie ein Minus von fast zehn Prozent, bevor sie im weiteren Handelsverlauf einen Teil der Einbußen wettmachen konnte.

Dennoch ist die Aktie von Deutschlands größtes Bankhaus nach dem jüngsten Einbruch so viel wert wie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Zumindest aus Sicht der Anleger haben es die Frankfurter anders als vor allem viele US-Konkurrenten nicht geschafft, die Zeit seitdem für eine überzeugende Neuaufstellung zu nutzen.

Auch Cryans Anfangs-Bilanz fällt düster aus. Im Juli war der Brite angetreten mit dem Auftrag, das durch Skandale und Machtkämpfe erschütterte Haus zu stabilisieren. Mit harter Hand leitete er einen Schrumpfungsprozess ein, forcierte die Trennung von der Postbank, verordnete den Abschied von wenig lukrativen Geschäften und einen Abbau von 9000 Arbeitsplätzen. Zudem will er bis 2017 etwa 200 der 700 Filialen schließen. Rechnet man die Postbank, von der sich die Deutsche Bank trennten möchte, mit ein, schrumpft die Beschäftigtenzahl um gut ein Viertel auf etwa 75 000.

Doch seit Cryans erstem Arbeitstag in Frankfurt sackte die Aktie um 38 Prozent ab und schnitt damit noch schlechter ab als die Papiere anderer europäischer Banken.

Mit Kritik am eigenen Unternehmen sparte Cryan bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten nicht. Schonungslos prangerte er die fehlende Rechtstreue, zu üppige Boni für maue Leistungen und die veraltete IT-Technik an. Doch was ihm bislang als Mut zu Offenheit positiv ausgelegt wurde, stößt mittlerweile intern auf Bedenken. Cryan müsse damit aufhören, die Bank und ihre Kultur schlecht zu reden, meinen seine Kritiker. „Man darf ja nicht vergessen: Cryan ist nicht der Oppositionsführer, sondern er ist Chef der Bank“ – so zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Stimme aus dem Aufsichtsrat.

Spekulation über Finanzspritze

Der Schock nach dem desaströsen Ergebnis sitzt tief. Auf rote Zahlen hatten sich die Analysten eingestellt. Doch die 6,7 Milliarden Euro, die Cryan verkündete, übertrafen die schlimmsten Erwartungen. 2014 erwirtschaftete die Gruppe noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. Der Rekord-Fehlbetrag löste Spekulationen aus, ob die Deutsche Bank erneut die Aktionäre um eine Finanzspritze bitten muss. Citibank-Experte Andrew Coombs nannte das Ergebnis der Bank extrem schwach. „Wir sehen noch mehr Prozessrisiken und erwarten weitere Kosten in Höhe von 3,6 Milliarden Euro in diesem Jahr.“ Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung. Auch die Analysten der Bank Exane BNP halten das inzwischen für möglich. In einer Stellungnahme der Schweizer Großbank UBS hieß es, die Deutsche Bank wolle den Turnaround ohne Kapitalerhöhung schaffen. Das Risiko nehme zu, dass sie dieses Ziel verfehlen werde.

Hauptgrund für die gewaltigen Verluste ist die Vorsorge für die Vielzahl der juristischen Verfahren, denen die Deutsche Bank ausgesetzt ist. Dafür wappnet sich Cryan mit Rückstellungen von 5,2 Milliarden Euro in 2015. Allein im vierten Quartal legte er dafür noch einmal 1,2 Milliarden Euro zu Seite. Weitere Belastungen kommen durch die Kosten für den Stellenabbau und die Wertverluste im Investmentbanking hinzu. Dadurch entstand ein Verlust von 2,1 Milliarden im Zeitraum Oktober bis Dezember.

Die Deutsche Bank leidet nicht nur wie die ganze Branche unter den niedrigen Zinsen. In den USA ermitteln die Behörden wegen möglicher Verstöße gegen das Embargo gegen Russland und wegen krummer Geschäfte mit Hypotheken in der Finanzkrise. Ihre Beschäftigten haben gemeinsam mit Kollegen zudem die Orientierungsmarken für Geschäfte zwischen Banken, den Libor und Euribor manipuliert. Dafür zahlte das Unternehmen Rekordstrafen. In Zivilverfahren wollen Geschädigte aber noch Schadenersatz durchsetzen. Auch sind in den USA Klagen mit dem Vorwurf anhängig, die Deutsche Bank habe etwa Devisenkurse manipuliert.

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