Jürgen Fitschen krempelt die Ärmel hoch. „Ich fühle mich jetzt erst recht angespornt, den Kulturwandel zu etablieren“, sagt der Chef der Deutschen Bank – gegen den seit Mittwoch wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wird – in einem Interview. Seit einem halben Jahr führt Fitschen die Bank gemeinsam mit Anshu Jain. Sie wollen, so sagen sie, ihr Haus besser machen. Anständige Banker sollen mit anständigen Geschäften anständige Renditen erwirtschaften.
Davon war in den 197 Tagen seit ihrem Amtsantritt von außen wenig zu sehen. Stattdessen reiht sich ein Skandal an den nächsten, den vorläufigen Höhepunkt erreichten die schlechten Nachrichten Mitte der Woche, als rund 500 Ermittler Deutschlands Branchenprimus filzten und fünf Mitarbeiter verhafteten. Es geht um Steuerbetrug, Unterschlagung von Beweismitteln und Geldwäsche.
Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat am Mittwoch (12.12.12) zahlreiche Räume der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht. Auch in Berlin und Düsseldorf gab es Razzien.
Foto: dapdDarauf hat Fitschen, der nur selten Interviews gibt, prompt reagiert. „Meines Erachtens war das Vorgehen der Staatsanwaltschaft überzogen“, sagte er dem Handelsblatt. „Ich äußere mich bewusst, weil ich mich ungerecht behandelt fühle.“ Tatsächlich ist es beispiellos, dass so öffentlichkeitswirksam ermittelt wird: Bewaffnete Polizisten umstellten die Konzernzentrale und sperrten Aufzüge und Nebengebäude. Doch auch Fitschen reagiert ähnlich und kritisiert die Staatsanwälte über die Presse. Er hoffe aber die Kommunikation mit den Ermittlern in einem persönlichen Gespräch verbessern zu können.
Fitschen hat 2010 in einer Umsatzsteuererklärung zu Unrecht Erstattungen in Höhe von 310 Millionen Euro beantragt. Branchenbeobachter betonen, es gelte die Unschuldsvermutung. Es gebe bislang keinen Beleg dafür, dass er von dem Betrugsversuch wusste. Die Bank hat die Steuererklärung mittlerweile korrigiert und ihre Forderung auf rund 150 Millionen Euro gesenkt. „Es liegt in unserem Interesse, der Sache ein Ende zu bereiten“, sagt Fitschen.
Jain hingegen schweigt. Dabei fallen viele der Skandale in seinen früheren Verantwortungsbereich. Bis Ende Mai war Jain Chef des Investmentbankings. Dort wurde mit den Verschmutzungsrechten gehandelt, die den Umsatzsteuerbetrug ermöglichten. Das Investmentbanking war auch Schauplatz des Libor-Skandals. Einige Händler sollen gemeinsam mit Bankern anderer Häuser jahrelang den Referenzzinssatz Libor manipuliert haben. Das könnte ein teures Nachspiel haben. Die britische Bank Barclays musste bereits rund 450 Millionen Dollar Strafe Zahlen, bei der UBS dürften es Kreise zufolge fast eine Milliarde Dollar werden.
„Im Investmentbanking wird grundsätzlich hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Fitschen. Er spricht von einzelnen Fehlern, die der Kulturwandel in Zukunft verhindern müsse. Das aber gefährde die laufende Ermittlung in Sachen Steuerbetrug: „Ich habe auch das Gefühl, dass die Vorwürfe mich daran hindern, das umzusetzen, wozu ich angetreten bin“, sagte er.
Angesichts der vielen Fronten – neben dem Libor-Skandal gibt es etliche Klagen wegen US-Hypothekengeschäften, Zinswetten mit Kommunen und den Vorwurf der falschen Bilanzierung – dürfte es aber noch etliche Monate dauern, bis der Kopf und der Weg für den Kulturwandel frei werden. Die Wirtschaft scheint daran zu glauben. So erklärte der Hauptgeschäftsführer des Maschinenbau-Verbandes VDMA, Hannes Hesse: „Der Versuch des Kulturwandels ist wirklich erkennbar.“
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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