So unterschiedlich kann der letzte Arbeitstag zweier Männer im Dienste der Deutschen Bank ausfallen: Als Aufsichtsratsmitglied Tilman Todenhöfer die Verdienste von Chefkontrolleur Clemens Börsig vor schätzungsweise 7000 Aktionären würdigt, kommt in der Frankfurter Festhalle nur zögerlicher Applaus auf.
Als Börsig Minuten zuvor die strategische Weitsicht von Vorstandschef Josef Ackermann preist und ihm zuschreibt, dass die Deutsche Bank „als Gewinnerin aus der Finanzkrise hervor gegangenen ist“, entsteht im Publikum lebhafter Beifall. Der Großteil der Eigentümer erhebt sich sogar von den Plätzen. Ackermann freut sich, wirkt sichtlich gerührt.
Aktionärsschützer Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), erinnert daran, wie er anfangs gefremdelt hat mit Ackermann, als dieser in einem Atemzug einen Rekordgewinn und einen massiven Arbeitsplatzabbau ankündigte, als er eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zum Maß aller Dinge erklärte und im Mannesmann-Prozess mit dem Victory-Zeichen für negative Schlagzeilen sorgte.
„Solange sich die mittelstandsfeindliche Geschäftspolitik der Deutschen Bank nicht ändert, ist es egal ob Ackermann oder das neue Duo die größte deutschen Zockerbude anführt. Die Finanzkrise konnte die Deutsche Bank nur überstehen, weil die Regierungen auf Kosten der Steuerzahler das Finanzsystem mit ungeheuerlichen Milliardenbeträgen stützten.“
Zusehends habe er den Schweizer jedoch schätzen gelernt. Als Krisenmanager, Gesprächspartner der Politik und Finanzfachmann. Ein Gewinn von zusammen 27,8 Milliarden Euro und eine Dividende von zehn Milliarden Euro in den zehn Jahren mit Ackermann als Vorstandschef könne sich sehen lassen: „Das hat die Commerzbank nicht einmal seit Ende des Krieges geschafft.“
Auch Ackermann selbst zieht eine positive Bilanz. Er hinterlasse seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine Bank, die „im Hinblick auf Gewinn, wie Stabilität und soziale Verantwortung zur Weltspitze gehört“, sagt er − und verbindet damit kurz und knapp die „besten Wünsche“ an die neuen Chefs, die nicht zu seinen Wunschkandidaten zählten. Dafür dankt er ausführlich seinen Vorstandskollegen Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti, die künftig nicht mehr zur Führungs-Crew gehören.
Die Oberbürgermeisterin
Jedem Neuanfang soll ein Zauber innewohnen. Sagt man zumindest. Ich selbst setze beim Amtsantritt von Anshu Jain und Jürgen Fitschen an der Spitze der Deutschen Bank vor allem auf Kontinuität. Die führenden Köpfe des Geldinstituts haben sich an ihrem Hauptsitz stets für die Förderung der Kultur und das Gedeihen der Goethe-Universität eingesetzt. Das soll so bleiben. Ganz offen gestanden gibt es für mich auch keinen Grund anzunehmen, dass sich diese Haltung zu den Künsten und den Wissenschaften ändern soll. Nachdem Josef Ackermann in beeindruckender Weise für die räumliche wie ästhetische Erweiterung des Städels eingesetzt hat, könnten sich die beiden Neuen das kulturelle Engagement teilen: Jürgen Fitschen könnte sich der Schönen Künste annehmen, Anshu Jain, von dem ich weiß, dass er sich stark für das Senckenberg-Museum interessiert, könnte die Wissenschaften fördern.
Petra Roth, Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main
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