Die Deutsche Börse gerät wieder unter massiven Druck ihrer Großaktionäre. Der Hedgefonds TCI fordere die Abberufung des Aufsichtsratschefs der Börse, Kurt Viermetz, teilte der Frankfurter Marktbetreiber am Freitag mit. TCI habe vom Vorstand der Börse schriftlich die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung verlangt. Das Schreiben sei am 2. Oktober an den Vorstand versandt worden, es sei jedoch unvollständig, hieß es. Das Gremium werde die Forderung auf die Rechtmäßigkeit prüfen und dann entscheiden.
TCI wird vom zweiten Großaktionär, dem Hedgefonds Atticus unterstützt, berichtet die Agentur dpa-AFX unter Berufung auf informierte Kreise. Sie verweisen demnach unter anderem darauf, dass Viermetz auch Aufsichtsratschef beim Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist, der gerade durch einen Milliardenkredit gerettet werden musste. Außerdem forderten die Fonds in einem Schreiben mehr "Leadership" - mehr Führung - für die Deutsche Börse.
Viermetz hält, wie Vorstandschef Reto Francioni, an den drei Säulen des Geschäftsmodells der Börse fest, dem Kassamarkt Xetra, der Terminbörse Eurex und dem Transaktionsabwickler Clearstream.
Seit rund einem Monat kursieren Gerüchte, dass die zwei größten Aktionäre der Börse deren Zerschlagung vorantreiben wollen. TCI und Atticus halten zusammen 19,3 Prozent. Medienberichten zufolge hat sich Viermetz gegen einen von TCI-Chef Christopher Hohn geforderten Rückzug bei der Wahl auf der regulären Hauptversammlung im Mai gesperrt.
Die Börsenaufsicht liegt beim Hessischen Wirtschaftsministerium. Sollte sich zeigen, dass ein Austausch von Viermetz Teil einer Strategie zur Durchsetzung ihrer Interessen ist, können die Behörden den Fonds jederzeit und unverzüglich ihre Stimmrechte entziehen. Dieser Trupf würde bei einem geforderten Verkauf des Kassamarktgeschäftes ausgespielt, hieß es aus Landesregierungskreisen. "Man kann davon ausgehen, dass sie das dann auch tun werden", sagte eine dem Ministerium nahestehende Person. 2005 hatten die Hedgefonds bereits die Übernahme der Londoner Börse LSE torpediert und den damaligen Börsenchef Werner Seifert zum Rückzug gezwungen. dpa/rtr
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