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30. Oktober 2009

Deutsche Fernstrecken: Bahn bekommt womöglich Konkurrenz

SNCF-Testzug in Freiburg: Bislang ist die Deutsche Bahn auf ihrem Heimatmarkt im Fernverkehr praktisch Monopolist. Foto: Foto: dpa

Gibt es für Zugreisende bald eine Alternative zu den Fernzügen der Bahn? Der französische Konzern SNCF erwägt offenbar, eine Billig-Konkurrenz auf innerdeutschen Intercity-Strecken einzurichten. Die Bahn sieht darin eine Kriegserklärung.

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Berlin/Paris. Die französische Staatsbahn SNCF will der Bahn laut einem Zeitungsbericht auf wichtigen Fernstrecken in Deutschland Konkurrenz machen. Die Franzosen wollten künftig von Frankfurt nach Berlin und Hamburg fahren, berichtet Die Welt.

Außerdem habe das Berliner Unternehmen Locomore Rail den Zuschlag bekommen, bereits von 2010 an mehrmals täglich auf der Strecke von Köln nach Hamburg zu fahren. Hinter Locomore Rail soll ein ausländischer Investor stecken. Bislang hat die Deutsche Bahn im Personenfernverkehr fast keine Konkurrenz.

Laut Financial Times Deutschland will die SNCF-Tochter Keolis künftig auch von Berlin nach Hamburg fahren. Ein Sprecher der Bahn bestätigte auf Anfrage, dass der SNCF-Vorstandschef Guillaume Pépy vor zwei Wochen die Deutsche-Bahn-Spitze über eine "bevorstehende Trassenanmeldung" informiert habe.

Es sei aber nicht bekannt, um welche Strecken es dabei gehe. Der Vorgang zeige aber, wie weit in Deutschland die Liberalisierung fortgeschritten sei. Umgekehrt bleibe der Deutschen Bahn der Zutritt auf den französischen Markt noch verwehrt.

Konkurrenz zum Intercity

Die SNCF bestätigte lediglich, dass sie einen Antrag zur Streckennutzung in Deutschland für die Jahre 2011 bis 2015 gestellt habe. "Der Antrag ist nötig, um die bestehende Zusammenarbeit zu sichern", sagte eine Sprecherin auf Anfrage in Paris. Ob darin auch eine Ausweitung auf Strecken nach Berlin und Köln enthalten ist, wollte sie nicht sagen. Die FTD schreibt unter Berufung auf SNCF- Kreise, das Unternehmen wolle mit 20 gebrauchten Zügen eine günstige Konkurrenz zu den Intercitys der DB werden.

Auf den Schnellstrecken von Paris nach Frankfurt und Stuttgart arbeiten Deutsche Bahn und SNCF seit Juni 2007 zusammen, ebenso im grenzüberschreitenden Güterverkehr. Die Tochter Keolis befährt in Deutschland bereits mehrere Regionalstrecken, vor allem in Nordrhein- Westfalen. Unter Berufung auf Bahnkreise berichtet die "Welt", die SNCF könne frühestens 2011 auf den gewünschten Routen unterwegs sein, weil der Fahrplan für 2010 schon fertig sei. Die Fahrtrassen werden von der Netztochter der Bahn vergeben.

Bahn erwartet "blutige Schlacht"

Das Bahnunternehmen Locomore Rail hat nach eigenen Angaben bereits den Zuschlag für Trassen vom kommenden Jahr an. "Wir wollen ab Sommer kommenden Jahres täglich mehrfach die Strecke Köln nach Hamburg bedienen", sagte Locomore-Geschäftsführer Derek Ladewig der "Welt".

Bislang ist die Deutsche Bahn auf ihrem Heimatmarkt im Fernverkehr praktisch Monopolist. Lediglich vereinzelt gibt es Konkurrenz. Dabei handelt es sich unter anderen um Interconnex, eine Tochter des französischen Veolia-Konzerns. Interconnex fährt von Leipzig über Berlin nach Rostock, allerdings mit Zügen, die zwar deutlich günstiger, aber auch deutlich langsamer als die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn sind.

Bahn- Vorstand Ulrich Homburg wertete den SNCF-Vorstoß der Franzosen bereits als Angriff und reagierte scharf: "Im Krieg gibt es keine Gewinner", sagt er der FTD. "Das wird eine blutige Schlacht, die in den Bilanzen tiefe Spuren hinterlässt". In der Welt attestierte er vor allem den Franzosen eine protektionistische Haltung: In Frankreich würden trotz EU-Vorgaben hohe Hürden errichtet, um den dortigen Zugverkehr vor ausländischer Konkurrenz schützen. Homburg machte dem Blatt zufolge klar, die Deutsche Bahn wünsche, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wegen des SNCF-Vorgehens interveniert. (dpa/afp)

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