Die Bundesrepublik hält nach Meinung der entwicklungspolitischen Organisation One ihre finanziellen Versprechungen an Afrika nicht ein. In ihrem jährlichen Data-Bericht, der heute veröffentlicht werden soll und der Frankfurter Rundschau bereits vorliegt, kritisiert die Organisation Deutschland vor allem dafür, die Zusagen vom G8-Gipfel in Gleneagles nicht zu erfüllen. Damals hätten die größten Industrienationen – darunter auch Deutschland – für die kommenden fünf Jahre zusätzliche Hilfeleistungen für Afrika vereinbart. Doch anstatt die versprochenen 50 Prozent dieser zusätzlichen Hilfen an Afrika zu geben, habe Deutschland den Ärmsten Ländern lediglich 18 Prozent zukommen lassen, heißt es in dem Bericht.
Seit dem Gipfel im Jahr 2005 überprüft die Organisation One, die unter anderem von dem U2-Sänger Bono gegründet wurde, die Einhaltung der Versprechen von Gleneagles. Dafür analysiert sie jedes Jahr die Entwicklungszahlen der OECD in ihrem Data-Bericht. Bislang lag die Bundesrepublik stets hinter ihren Zusagen.
Doch wie wenig Geld aus der Bundesrepublik tatsächlich nach Afrika floss, überrascht selbst die Organisation. „Das steht im Gegensatz zu der von der Regierung häufig beteuerten Schwerpunktsetzung auf die ärmste Region der Welt“, sagt der Deutschlandchef von One, Tobias Kahler. Neben Frankreich und Italien sei Deutschland deshalb wesentlich dafür verantwortlich, dass die G8 als Gruppe ihre Versprechen von Gleneagles nur zu 61 Prozent erfüllt habe.
Das Bundesentwicklungsministerium räumt zwar ein, dass die Auszahlungen in der Zeit von 2004 bis 2009 mit einer Steigerung von 30 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro hinten den Zusagen zurücklagen. Doch im gleichen Zeitraum seien die Zusagen für weitere Unterstützung verdreifacht worden, sagte ein Sprecher des Ministerium der FR. Am Ende sei die Wirksamkeit von Entwicklungspolitik wichtiger als die nackten Zahlen. Und in diesem Punkt werde das Entwicklungsministerium sogar gelobt. Nach der Fusion der Entwicklungsorganisation zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sei die deutsche Armutsbekämpfung wirksamer geworden, gesteht auch der Data-Bericht zu.
In den betroffenen Staaten haben sich die zusätzlichen Finanzspritzen der Industrienationen offenbar sehr positiv auf die Armutsbekämpfung ausgewirkt. In den vergangen zehn Jahren seien zum Beispiel 46,5 Millionen mehr Kinder eingeschult und die Malariafälle um 50 Prozent reduziert worden, so der Data-Bericht.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.