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04. September 2013

Deutschland Wettbewerbsfähigkeit: Fragwürdiges Ranking

 Von 
Innovative Technik: Anlage zur Schlackebadvergasung.  Foto: dpa

Erfolg für Deutschland: Seine internationale Wettbewerbsfähigkeit ist gestiegen, sagt das World Economic Forum. Im globalen Vergleich liegt Deutschland nun auf Platz 4. Doch derartige Rankings sind mit Vorsicht zu genießen.

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Sie gilt als die Lösung aller ökonomischen Probleme: die Wettbewerbsfähigkeit. Die deutsche hat sich um zwei Plätze auf Rang vier verbessert, sagt das World Economic Forum (WEF). Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird nicht müde, Europa zu Reformen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit zu drängen. Diese Fähigkeit ist allerdings permanent bedroht. Denn sie ist gar keine Fähigkeit wie Skifahren oder Jonglieren, sondern bezeichnet bloß einen permanenten Vergleich zwischen Staaten.

Diesen Vergleich stellt das WEF in Davos an – und es sagt auch gleich, was Wettbewerbsfähigkeit ist: „Die Gesamtheit der Institutionen, politischen Maßnahmen und Faktoren, die das Produktivitätsniveau eines Landes bestimmen“. Wobei das Produktivitätsniveau „auch die Rendite von Investitionen bestimmt“. Darum geht also der Vergleich, um die Bedingungen für hohe Renditen. Das WEF zählt hier alles mit: ob die Straßen eines Landes gut sind, ob Arbeitnehmer verfügbar und billig sind und ob die Bürokratie den Investoren Hürden in den Weg legt.

Widersprüchliche Meinungen

Das alles wird allerdings nicht wissenschaftlich untersucht. Das WEF befragt schlicht Manager nach ihrer Meinung. Und diese Meinung ist widersprüchlich. Einerseits schätzen die Manager gute Straßen und gute Ausbildung. Andererseits soll das nichts kosten, hohe Steuern und Abgaben mögen sie nicht.

Deutschland hat es im diesjährigen WEF-Vergleich zwei Plätze nach oben geschafft. Die Manager finden zwar den deutschen Arbeitsmarkt viel zu unflexibel, dafür werden aber Innovationskraft, Infrastruktur und Bildungssystem gelobt.
Derartige Rankings sind beliebt – aber mit großer Vorsicht zu genießen. Denn einerseits wird behauptet, höhere Wettbewerbsfähigkeit lasse die Wirtschaft prosperieren. Andererseits hängt bei der WEF-Berechnung die Wettbewerbsfähigkeit ihrerseits vom „makroökonomischen Umfeld“ ab. Das ist zirkulär und zeitigt kuriose Ergebnisse. So lag Griechenland 2008 noch auf Platz 66 im Wettbewerbsfähigkeits-Vergleich. Heute, nach vielen harten Reformen zu Gunsten der Unternehmen, liegt es auf Platz 91. Grund ist die schlechte Konjunktur.

Einige Merkwürdigkeiten

Und auch sonst zeigt das WEF-Ranking einige Merkwürdigkeiten. So liegt Finnland dank seiner Innovationskraft weit vorn – dabei hat das Land in den letzten fünf Jahren ein Viertel seiner Exportmarktanteile verloren, sein Prestige-Unternehmen Nokia musste gerade seine Handy-Sparte an Microsoft verkaufen. Auf der anderen Seite liegt Korea – Heimat von Erfolgsfirmen wie Samsung und Hyundai – im Innovations-Index nur auf Platz 20.

Fraglich ist auch, ob die Institutionen in Griechenland wirklich schlechter sind als in Ruanda – das übrigens in Sachen Arbeitsmarkt-Effizienz (Rang 11) Deutschland (Rang 46) um Längen schlägt. Warum wurde im Jahr 2008, kurz vor der Banken- und Staatspleite, der irische Finanzmarkt hervorragend (Platz 7) und seine makroökonomische Stabilität immerhin wesentlich besser als die Indiens bewertet? Und warum erhält das Finanzsystem des Pleitestaates Zypern noch heute viel bessere Noten als das Italiens?

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