Hamburg. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Bundesregierung aufgefordert, die geplante Ausweitung von befristeten Arbeitsverträgen aufzugeben. Es sei "eine gesellschaftliche Perversion, wenn junge Leute kaum noch wissen, was ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ist", sagte DGB-Chef Michael Sommer dem "Hamburger Abendblatt" (Dienstagsausgabe).
Sommer hob hervor: "Mit ihrem Vorhaben, befristete Arbeitsverhältnisse zu erleichtern, leistet die Regierung der Prekarisierung von Arbeit weiter Vorschub." Deutschland müsse "zurückkehren zu einer Ordnung auf den Arbeitsmärkten". Er glaube nicht, "dass eine Entrechtung von Menschen zusätzliche Arbeitsplätze bringt".
Der DGB-Chef warnte vor Problemen, "wenn wir den Kündigungsschutz weiter aushöhlen". Die Deutschen bekämen "auch deswegen so wenige Kinder, weil der soziale Schutz schlechter geworden ist", sagte er. "Daher müsste auch eine konservative Regierung ein Interesse daran haben, Menschen Sicherheit zu geben und den Kündigungsschutz in Deutschland zu verbessern."
Ähnlich äußerte sich DGB-Vize Ingrid Sehrbrock in der "Rheinpfalz am Sonntag". Sie könne Schwarz-Gelb nur davor warnen, die Ankündigung im Koalitionsvertrag wahrzumachen und die Zahl der befristeten Beschäftigung noch weiter zu erhöhen, sagte sie. Damit signalisiere sie den Arbeitnehmern, "dass ihre berufliche Sicherheit zweitrangig ist". Schon heute würden 2,7 Millionen Menschen einer befristeten Beschäftigung nachgehen. Nachdrücklich wies sie auch Behauptungen zurück, solche Arbeitsverhältnisse gingen nicht zu Lasten von Vollzeitstellen.
Sommer, der im Mai als Vorsitzender des DGB wiedergewählt werden soll, will nur noch eine Amtszeit an der Spitze des Gewerkschaftsbundes bleiben. "Die nächste Amtszeit wäre dann auch meine letzte. Ich bin jetzt 58 und ein entschiedener Gegner der Rente mit 67", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Eine Amtszeit an der DGB-Spitze dauert vier Jahre. Als Ziel nannte Sommer, den Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften "so rasch wie möglich" zu stoppen. (afp)
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