Wolfsburg. Die globale Wirtschaftskrise schlägt in der Autoindustrie voll durch. BMW und VW warten mit pessimistischen Perspektiven für dieses Jahr auf. Die Münchner haben gestern die Märkte mit einem Verlust im vierten Quartal geschockt, die Wolfsburger erwarten nach einem relativ guten Jahr 2008 im ersten Vierteljahr rote Zahlen, wollen das Gesamtjahr aber mit einem Plus abschließen.
Im Geschäft bei BMW fiel im letzten Quartal der vorigen Periode ein Minus von 718 Millionen Euro an. In der Folge brach der Aktienkurs gestern zeitweise um fast zwölf Prozent ein. Im Gesamtjahr 2008 kann das Unternehmen nur noch einen Gewinn vor Zinsen und Steuern in Höhe von 921 Millionen Euro ausweisen. Im Turnus davor waren es noch 4,2 Milliarden Euro gewesen. Nach Steuern blieben zuletzt gerade mal noch 330 Millionen Euro übrig nach 3,1 Milliarden Euro.
BMW begründet die Katastrophe mit dem schwachen Markt und Sonderbelastungen, die sich im vorigen Jahr auf 2,4 Milliarden Euro summieren. Gegensteuern will das Unternehmen, indem es den Abbau der Materialkosten forciert und bis 2012 mehr als die geplanten vier Milliarden Euro einsparen will. Für BMW wird 2009 hart werden, zumal die Oberklasse-Fahrzeuge aus München bei den Kunden nicht gerade gefragt sind. Die Zulassungen in diesem Segment sind deutlich gesunken.
Wie die Frankfurter Rundschau aus Analystenkreisen erfuhr, denkt BMW daher trotz offizieller Dementis über einen Einstieg bei Opel nach, um die Palette spritsparender und kleiner Fahrzeuge zu erweitern und das Know-how der Rüsselsheimer bei elektrischen Antrieben zu nutzen. Wie die FR erfuhr, gäbe die Familie Quandt, BMW-Großaktionär, einer Verbindung mit Opel den Vorzug vor einer engeren Kooperation mit Daimler. Derartigen Erwägungen hat BMW gestern allerdings erneut eine Absage erteilt.
Vor dem Hintergrund der BMW-Zahlen hat es Volkswagen-Chef Martin Winterkorn leicht, besser dazustehen. Denn im vorigen Jahr konnte er bei Absatz, Umsatz und Gewinn noch mit "historischen Bestmarken" glänzen. Zum ersten Mal war die Kapitalrendite mit 10,9 Prozent zweistellig nach 9,5 Prozent in der Periode zuvor.
Allerdings wird 2009 äußerst hart werden. Deutliche Rückgänge sind programmiert. Deshalb verordnet der Vorstand einen massiven Sparkurs. Die Sachinvestitionen, die noch im vorigen Jahr um mehr als 48 Prozent auf fast 6,8 Milliarden Euro hochgefahren wurden, sollen um zwei Milliarden Euro gekappt werden. Bei den Kosten will Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch "einen Milliardenbetrag" einsparen. Werksschließungen und Stellenabbau erteilt Winterkorn eine Absage, auch an der einzigen Verlust-Tochter Seat will er festhalten, da die Produkte stimmten, aber der Markt derzeit eben schwierig sei.
Die Stammbelegschaften sollen gehalten werden, eine völlige Trennung von Leiharbeitern ist seit einiger Zeit im Gange. Zusätzliche Kurzarbeit in Deutschland steht im zweiten Quartal nicht an. Allerdings ist unklar, was danach passiert. "Wir halten uns alle Optionen offen", betont Personalvorstand Horst Neumann.
VW läuft besser als andere
In den ersten beiden Monaten des neuen Jahres sind VW die Pkw-Auslieferungen um 15 Prozent gesunken. Als Plus für VW führt Winterkorn an, dass der Weltautomobilmarkt um fast 23 Prozent eingebrochen ist. Dabei profitierte Volkswagen deutlich von der Abwrackprämie, weshalb sich der Vorstand für eine Verlängerung der Absatzförderung ausspricht.
Volkswagen hat ein Problem, das der Vorstand allerdings versucht, herunterzuspielen: die Zukunft des Zulieferers Continental und auch dessen Großaktionärs Schaeffler. Zwar beteuert er, man müsse die beiden "nicht retten". Aber größere Schwierigkeiten bei Conti würden VW in die Bredouille bringen, da der Konzern mit dem Unternehmen eine Reihe wichtiger gemeinsamer Entwicklungsprojekte unterhält.
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