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Die Jahresbilanz des Arbeitsmarkts: Der Job-Sonderweg

Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts im Jahr 2009 dürfte in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Obwohl die Wirtschaftsleistung um rund fünf Prozent eingebrochen ist, ist die Zahl der Arbeitslosen kaum gestiegen. Darüber, was Deutschland auszeichnet. Von Eva Roth

Arbeitssuchender Mann bei der Lektüre.
Arbeitssuchender Mann bei der "Lektüre".
Foto: dpa

Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts im Jahr 2009 dürfte in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Obwohl die Wirtschaftsleistung um rund fünf Prozent eingebrochen ist, ist die Zahl der Arbeitslosen kaum gestiegen. 3,4 Millionen registrierte Jobsuchende gab es 2009 im Jahresdurchschnitt, berichtet die Bundesagentur für Arbeit. Das waren 155.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote ist damit gerade einmal um 0,4 Prozentpunkte gestiegen.

Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland damit hervorragend geschlagen: In der gesamten EU dürfte der Anstieg der Arbeitslosenquote fünfmal so stark ausfallen wie in der Bundesrepublik. Das zeigen die jüngsten Daten der Statistikbehörde Eurostat, die bis Herbst reichen. In den USA ist die Arbeitslosenquote sogar neunmal so stark gestiegen wie in Deutschland.

Blick auf den Eingang eines JobCenters. Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen kräftig gestiegen.
Blick auf den Eingang eines JobCenters. Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen kräftig gestiegen.
Foto: Foto: dpa

Forscher können das "deutsche Arbeitsmarkt-Wunder" immer genauer erklären: Zunächst haben Unternehmen die Arbeitszeiten drastisch verkürzt. Auf die staatlich bezuschusste Kurzarbeit entfällt - entgegen landläufiger Meinung - nur ein Drittel der Arbeitszeitverkürzung, schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Der größere Rest entfällt auf nicht subventionierte Mittel wie das Leeren von Arbeitskonten, mehr Teilzeit und tarifliche Regeln, die das Kappen der Wochenarbeitszeit ermöglichen.

Formen der bezuschussten Kurzarbeit würden auch andere EU-Staaten anbieten, Frankreich zum Beispiel, berichtet Gerhard Bosch, Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen. Allerdings würden französische Betriebe Kurzarbeit längst nicht so häufig nutzen wie deutsche Firmen.

Bosch erklärt das so: Der Erfolg der deutschen Wirtschaft basiere stark auf Facharbeit. Deshalb hätten die Firmen in der jüngsten Krise ihre Leute gehalten. Deutsche Firmen haben eben gelernt, mit flexiblen Arbeitszeiten umzugehen, ergänzt der Forscher Matthias Knuth vom IAQ. Tarifliche Regeln und Arbeitszeitkonten haben dabei geholfen.

Bosch hält es für möglich, dass in diesem Jahr die Zahl der Arbeitslosen unter 3,5 Millionen bleibt - wenn die Politik sich anstrengt. Er unterstützt die Idee einer "Kurzarbeit light", mit der Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Metallbranche liebäugeln. Dabei könnte die Wochenarbeitszeit auf 25 Stunden sinken, und der Staat würde dafür Zuschüsse zahlen. Zudem müsse es mehr Geld für Umschulungen mit Berufsabschlüssen statt "Fast-Food-Weiterbildung" geben, so Bosch.

Der Forscher Knuth plädiert darüber hinaus dafür, den Beschäftigtentransfer zu verbessern. Derzeit gibt es zwar Kurzarbeitergeld, wenn Firmen sich von Beschäftigten trennen und die Leute in Transfergesellschaften wechseln. Allerdings sind die Zuschüsse nicht so großzügig wie beim konjunkturellen Kurzarbeitgeld, bei dem die Leute im Betrieb bleiben.

Und was lernen wir aus der Tatsache, dass im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit bei Männern gestiegen und bei Frauen gesunken ist? Unter dem Einbruch leide eben vor allem die männerdominierte Exportindustrie, so Forscher Knuth. Die Krise könne aber auch den Strukturwandel Richtung Dienstleistungsgesellschaft beschleunigen. Ein Ausbau der öffentlichen Dienstleistungen werde aber nur dann gelingen, wenn die Politik nicht ihren Spielraum via Steuersenkungen drastisch einschränkt.

Autor:  Eva Roth
Datum:  5 | 1 | 2010
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