Auf der Homepage im Internet sieht das Autohaus Range aus Fritzlar anderen Volkswagen-Händlern zum Verwechseln ähnlich. In der VW-typischen Anmutung wird für die „Topmodelle“ der Marke geworben. Doch das Autohaus Range ist kein Betrieb wie jeder andere. Denn viele Einwohner in Fritzlar hatten den inhabergeführten Betrieb mit einer 80-jährigen Tradition schon abgeschrieben, als der betagte Firmenchef im Familienkreis keinen Nachfolger fand.
Da übernahmen Dirk Braun, (43, Verkäufer, seit 16 Jahren bei Range), Friedrich Keller (Anfang 50, Serviceleiter, seit mehr als 35 im Betrieb) und Michael Machulik (42, Teiledienstleiter, seit mehr als 20 Jahren dabei) das Geschäft. „Sonst wären viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Auch unsere“, sagt Braun. Die Jungunternehmer brachten zusammen 225.000 Euro Stammkapital ein und machten sich in Betriebswirtschaft und Personalführung fit, „um so ein fettes Ding zu steuern“, wie Braun sagt.
Die Liste der Mitwirkenden im Initiativkreis Gründertage Hessen reicht von „A“ wie Agentur für Arbeit bis „W“ für Wirtschaftsförderungsgesellschaft.
Der Initiativkreis verleiht jedes Jahr in den Kategorien „Mutige Gründung“, „Geschaffene Arbeitsplätze“ und „Innovative Geschäftsidee“ den Hessischen Gründerpreis. Die Auszeichnungen werden am 22. September beim Hessischen Mittelstandstag in Baunatal verliehen.
Als Medienpartner unterstützt die Frankfurter Rundschau diese Aktion. Wir stellen die Finalisten vor. Heute:
Autohaus Range, Wolfhager Straße 7, Fritzlar, www.autohaus-range.de
Mit ihrer neuen Rolle haben sich die drei Chefs inzwischen angefreundet, die vielen schlaflosen Nächte weggesteckt. „Alles funktioniert, auch unser Triumvirat“, sagt Braun erleichtert.
Kunden kommen von weit her
Die Zahlen sprechen für sich: In den ersten neun Monaten hatten die drei Gründer den Umsatz des Unternehmens, das unter neuer Regie am 1. April 2010 an den Start gegangen war, deutlich gesteigert und eine Rendite erwirtschaftet, die Braun zufolge über dem Branchendurchschnitt liegt.
Die Kundschaft kommt von weit her nach Fritzlar, vor allem seit ein VW-Händler in Bad Wildungen und ein Audi-Betrieb in Korbach dichtgemacht haben. Inzwischen arbeitet das Autohaus Range – es verkauft und wartet Pkw und Nutzfahrzeuge von VW und fungiert als Servicebetrieb für Audi – an seiner Kapazitätsgrenze. Die Zahl der Mitarbeiter stieg in nur wenigen Monaten von 29 auf 45. Zwölf davon sind Lehrlinge mit guten Berufschancen. Wenn die Ausbildung glatt läuft, werden sie übernommen. „Sie finden ja keine Fachkräfte mehr“, sagt Braun. Und tut, was einen guten Unternehmer ausmacht: Er bildet aus.
Für den Hessischen Gründerpreis hatte sich das Fritzlarer Trio eigentlich in der Kategorie „Mutige Gründung“ beworben. Dann folgte es einem Rat aus dem Initiativkreis, es in der Kategorie „Geschaffene Arbeitsplätze“ zu versuchen. Braun & Co. sind der Empfehlung gefolgt. Den Wettbewerb zu gewinnen, das ist für die Drei aus dem VW-Haus aber gar nicht mehr so wichtig, die Freude über die Finalteilnahme sei schon riesengroß, sagt Braun: „Wir haben schon gewonnen.“
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