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Wohlfahrtsbranche: Die stillen Riesen

Die Zahl der Arbeitnehmer in der Wohlfahrtsbranche hat sich seit 1970 vervierfacht. Laut einer Studie gehören die kirchlichen Arbeitgeber zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland.

Die Caritas betreut auch Obdachlose.
Die Caritas betreut auch Obdachlose.
Foto: dapd

Diakonie und Caritas sind zwei christliche Grundgedanken. Sie beschreiben den Dienst am und die wertschätzende, uneigennützige Hingabe zum Menschen. Hilfseinrichtungen wie die Caritas, das Diakonische Werk, die Malteser, Johanniter oder die Heilsarmee haben in diesen schon im Alten Testament festgehaltenen christlichen Tugenden ihren Ursprung. Angesichts von Barmherzigkeit, Fürsorge und Uneigennützigkeit wird jedoch kaum wahrgenommen, dass sie zu bedeutenden Wirtschaftsunternehmen geworden sind.

„Die kirchlichen Arbeitgeber gehören zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland – noch vor den großen Industrieunternehmen“, hält jetzt eine Studie der Deutschen Bank fest. Rund 900.000 hauptamtlich Beschäftigte arbeiten für die kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Deutschland. Die beiden größten deutschen Industriekonzerne Siemens und Volkswagen beschäftigen im Vergleich dazu bescheidene 400.000 respektive 370.000 Mitarbeiter – weltweit freilich. „Die freie Wohlfahrtspflege wird oft verkannt“, meint Studienautor Alexander Falter.

Wachstumsmarkt der Zukunft

Die stillen Riesen tun Gutes, reden aber nicht darüber. Das passt auch gut zum Selbstverständnis der kirchlichen und nicht-kirchlichen Wohlfahrtsverbände, die sich seit jeher eben dem Allgemeinwohl und nicht dem Gelderwerb verpflichtet fühlen. Und dabei betreiben sie mehr als die Hälfte der Kindergärten (51,1 Prozent) und Pflegeheime (55,1 Prozent) und deutlich mehr als ein Drittel der ambulanten Pflegedienste (38,5 Prozent) und Krankenhäuser (37,5 Prozent) in Deutschland.

Traditionell sind sie damit in Bereichen beheimatet, die zu den Wachstumsmärkten der Zukunft gehören. Sie sind seit jeher da, wo private Unternehmen mittlerweile das große Geschäft machen wollen. Die Alterung der Gesellschaft erhöht den Bedarf an Einrichtungen der Altenpflege und des Gesundheitswesens. Entsprechend sind die Mitarbeiterzahlen in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Seit 1970 hat sich das hauptamtliche Personal der Wohlfahrtsverbände von knapp 0,4 auf über 1,5 Millionen Arbeitnehmer fast vervierfacht. Jeder 18. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet heute in der Wohlfahrtsbranche. Vor zehn Jahren war es nur jeder 30. Allerdings sind mit 54 Prozent der Mitarbeiter überproportional viele teilzeitbeschäftigt.

Wirtschaftlich weniger bedeutend sind Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Gruppen des bürgerlichen Engagements. Die Wohlfahrtsverbände müssen sie hauptsächlich über Spenden finanzieren, während die Leistungen in der Gesundheits- und Altenhilfe überwiegend durch die Sozialversicherungen vergütet werden. Ihre Einnahmebasis ist hier die gleiche wie die von öffentlichen oder privaten Einrichtungen, zugleich profitieren sie weniger als oft unterstellt von Vorteilen der Gemeinnützigkeit. Nach den Schätzungen des Analysten setzte die freie Wohlfahrtspflege im Jahr 2008 rund 38 Milliarden Euro um. An Siemens oder Volkswagen reicht sie damit zwar bei Weitem nicht heran, doch die Umsätze der Getränke- und Tabakhersteller oder der Papierbranche übertrifft sie alleweil.

Autor:  Daniel Baumann
Datum:  25 | 12 | 2010
Kommentare:  12
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