Berlin. Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland wird unterschätzt. Die tatsächliche Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen ist höher als von der Bundesagentur für Arbeit (BA) offiziell angegeben. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer der Frankfurter Rundschau vorliegenden Arbeitsmarktstudie. "Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit erfasst nicht in vollem Umfang die Probleme von Jugendlichen beim Übergang in den Arbeitsmarkt", heißt es darin. So erscheine die Arbeitslosenquote von Jugendlichen geringer als die der gesamten Bevölkerung.
International vergleichbare Statistiken wiesen jedoch das Gegenteil aus. So gebe die internationale Wirtschaftsorganisation OECD für die 15- bis 24-Jährigen eine Quote von 11,7 Prozent im Jahr 2007 an, die für die 25- bis 64-Jährigen aber bei 8,3 Prozent liege. Auch weise die Bundesregierung in ihrem Bildungsbericht 2008 auf dieses Problem hin.
Die Abweichungen erklärt der DGB mit unterschiedlichen Erfassungsmethoden. Die international angewandten Zahlen basierten auf Befragungen, bei denen auch Bewerber für eine Ausbildungsstelle in der Regel als arbeitslos eingestuft würden. Die BA berücksichtige diese Gruppe dagegen nicht, es sei denn, die Betroffenen suchten neben einer Lehrstelle auch noch aktiv einen Arbeitsplatz. Rechne man die Zahlen der arbeitslos gemeldeten Jugendlichen und der unversorgten Bewerber zusammen, näherten sich nationale und internationale Statistiken einander an.
In seiner Analyse hebt der DGB hervor, dass sich ein wirtschaftlicher Abschwung bei den jungen Leuten als erstes bemerkbar mache. Dies sei schon jetzt zu spüren, obwohl sich der allgemeine Arbeitsmarkt zuletzt noch günstig entwickelt habe. Dennoch sei es schon im Juli weniger Jugendlichen als noch vor einem Jahr gelungen, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden. Generell sei das Risiko, arbeitslos zu werden, für sie doppelt so hoch wie für die Allgemeinheit. Zwar sei umgekehrt die Dauer der Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen geringer als im Durchschnitt, weil der Arbeitsmarkt für sie stark in Bewegung sei. Doch damit sei auch klar, dass "junge Menschen sehr schnell Opfer einer schlechten Konjunkturentwicklung werden". Besondere Probleme sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund für Kinder von Hartz IV-Empfängern. Zwar stünden ihnen theoretisch die gleichen Angebote bezüglich Betreuung, Beratung und Förderung zur Verfügung wie allen anderen auch. Sie könnten zudem zusätzliche Hilfen wie Kinderbetreuung für Alleinerziehende nutzen.
Doch stünden Jugendliche in Hartz IV "unter einem viel höheren Druck, Angebote annehmen zu müssen". Andernfalls drohe ihnen die sofortige Sperrung der Geldleistungen für drei Monate. Sie würden also schneller bestraft und hätten weniger Chancen bei ihrer Berufsfindung als andere Gleichaltrige.
Zur Korrektur fordert der DGB, die "Defizite" in der Bildungspolitik zu beseitigen. Die Länder müssten ihren Auftrag ernst nehmen und dafür sorgen, dass die Zahl der Schulabbrecher sinke und niemand durch Gebühren vom Studium abgehalten werde.
Auch die Unternehmen müssten längerfristig denken und mehr in Ausbildung investieren. Bei der Arbeitsvermittlung dürfe es "kein Zwei-Klassen-System" geben. Außerdem spricht sich der Deutsche Gewerkschaftsbund dafür aus, Ein-Euro-Jobs wie im Gesetz vorgesehen nur in Ausnahmefällen einzusetzen.
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