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Discounter startet Offensive: Lidl verbannt Gentechnik aus der Milch

Der Discounter könnte gentechnikfreies Essen zum Durchbruch verhelfen: Statt manipuliertem Soja aus Übersee sollen hiesige Bauern sauberes Futter aus der Region verwenden. Lidl darf dann das Siegel "ohne Gentechnik" für seine Milch verwenden - traut sich aber nicht. Von Stephan Börnecke

Frankfurt a.M. Discounter Lidl setzt einen Kontrapunkt zur Anonymität von Massenprodukten: In den bayerischen Filialen gibt es seit Montag regional erzeugte Milchprodukte. Weil die Lidl-Kühe obendrein ohne Gen-Soja gefüttert werden, könnte die gentechnikfreie Tierfütterung vor einem Durchbruch stehen.

Die Discounter, Aldi mehr noch als Lidl, konnten von der Wirtschaftskrise bislang nicht profitieren und gaben Umsätze ab, die Preissenkungsrunden des vergangenen Jahres verpufften. In dieser Zeit setzt Lidl nun einen für Discounter ungewöhnlichen Akzent: Raus aus der Anonymität, die Schwarzgruppe aus Neckarsulm startet eine Regionaloffensive.

Das Siegel

Die Idee: Das einheitliche Logo "Ohne Gentechnik" macht es Verbrauchern seit Sommer 2009 leichter, sich bewusst für Lebensmittel ohne Gentechnik zu entscheiden. Nach den Vorgaben des europäischen Lebensmittelrecht ist es unmöglich, eine verbindliche Kennzeichnung für tierische Produkte wie Milch, Eier oder Fleisch einzuführen, die von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden.

Das grüne Label macht es möglich, diese Lücke zu schließen. Es gibt die Sicherheit, dass in den gekennzeichneten Lebensmitteln keine gentechnisch veränderten Bestandteile, auch nicht in Spuren, vorkommen.

In der Praxis wird die Kennzeichnung bislang zurückhaltend verwendet.

Bayerisches Futter für bayerische Kühe - statt Soja aus Übersee: Lidl entdeckt  Heimat und  deutsche Bauern.
Bayerisches Futter für bayerische Kühe - statt Soja aus Übersee: Lidl entdeckt Heimat und deutsche Bauern.
Foto: ddp

Die Aktion wurde in zunächst in Bayern gestartet, soll aber bundesweit ausgedehnt werden, so Lidl-Deutschlandchef Jürgen Kisseberth.

Doch hinter dem Slogan "Ein gutes Stück Heimat" verbirgt sich mehr als nur der Vertrieb von regional erzeugter Milch, Joghurt und Butter. Diese Produkte sind nun auch garantiert ohne gentechnisch verändertes Futter erzeugt. Statt wahllos in den Kraftfuttersack des Landhandels zu greifen und damit oft auch gentechnisch verändertes Sojaschrot aus Übersee in den Trog zu werfen, müssen die Bauern umdenken.

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In einer der Frankfurter Rundschau vorliegenden Verpflichtungserklärung versprechen die beteiligten bayerischen Landwirte der Firma Lidl, "nur noch nicht gentechnisch veränderte Futtermittel an meine Milchkühe zu verfüttern". Um sicherzugehen, lässt der Bauer Lidl auch in die Bücher gucken. Er legt im Zweifel "alle Lieferdokumente" offen, um den "Nachweis von der Fütterung nicht gentechnisch veränderter Futtermittel führen zu können".

Von der Biobranche und der nordhessischen Bauernmolkerei abgesehen, gibt es bisher nur eine größere deutsche Molkerei, die ähnliche Kriterien verlangt: Bauern, die Milch für das Campina-Produkt Landliebe liefern, füttern ihre Kühe nicht mehr mit Soja, sondern mit heimischem Rapsschrot, das ebenfalls das benötigte Eiweiß liefert.

Der Campina-Initiative haben sich inzwischen weitere süddeutsche Molkereien angeschlossen, die Joghurt-Hersteller Zott, Bauer und Ehrmann haben dies ebenfalls angekündigt. Doch im Unterschied zu Campina verzichtet Lidl auf die mögliche Deklarierung dieser Qualitätsmerkmale mit dem von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ausgelobten Siegel "Ohne Gentechnik".

Über die Gründe des Verzichts schweigt sich das Unternehmen aus. Nur so viel gibt Lidl preis: Im Vordergrund stehe eine "regional zertifizierte Spitzenqualität", an deren Erzeugung 250 Bauern und zwei örtliche Molkereien beteiligt sind.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: warum Handel und Lebensmittelindustrie die offene Deklarierung scheuen - und was es bedeutet, wenn Lidl den Anfang machen würde.

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Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  12 | 1 | 2010
Seiten:  1 2
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