Berlin. Deutsche Arbeitnehmer können sich von ihrem Lohn weniger kaufen als 2004. Während die Reallöhne gefallen sind, stiegen die Kapitaleinkünfte und die Gewinne der Selbstständigen kräftig. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Lohnentwicklung sei im internationalen Vergleich "außerordentlich schwach" und in der Geschichte der Bundesrepublik "einmalig". Erstmals ist laut DIW ein Aufschwung nicht bei den Arbeitnehmern angekommen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte als Konsequenz eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik. "Die Arbeitsmarktreformen haben die Menschen gezwungen, Arbeit zu immer geringeren Entgelten anzunehmen", sagte DGB-Tarifexperte Reinhard Dombre der FR. Es reiche nicht, stets nur auf eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der Exporte zu setzen. "Wir brauchen eine Stärkung der Binnennachfrage, also eine höhere Kaufkraft insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen."
Dagegen erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände auf FR-Anfrage, durch die moderate Lohnentwicklung seien "neue Arbeitsplätze geschaffen worden". Zugleich seien die Tarifverdienste in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Die Arbeitskosten nähmen in Deutschland weiter einen Spitzenplatz ein. Davon komme wegen hoher Steuern und Abgaben zu wenig bei den Beschäftigten an.
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